James Marsden als Burt Reynolds: der Cameo-Auftritt im Red-Apple-Werbespot

James Marsdens Burt Reynolds ist Teil eines fiktiven Werbespots, der für die Welt von „Once Upon a Time in Hollywood“ gedreht wurde. Sein kurzer Auftritt hat eine andere Veröffentlichungsgeschichte als der geplante Auftritt des echten Reynolds.

Ein Schauspieler spielt einen anderen in einem Werbespot

James Marsden verkörperte einen jungen Burt Reynolds in einem fiktiven Werbespot für Red-Apple-Zigaretten, der für „Once Upon a Time in Hollywood“ gedreht wurde. Darin wird Reynolds als prominenter Fürsprecher der Marke im von Tarantino geschaffenen Universum gezeigt. Sein Auftritt ist kurz und gehört nicht zu einer längeren Handlung, in der Reynolds im Verlauf des Films gemeinsam mit Rick Dalton auftritt.

Der Cameo-Auftritt wurde aus der Schnittfassung für den Kinostart 2019 gestrichen. Das Werbematerial war im Zusammenhang mit der US-Wiederaufführung im Oktober zu sehen und später als Bonusmaterial verfügbar. Sony kündigte die Wiederaufführung mit neuem Material an, das vor und nach dem Spielfilm gezeigt wurde. Das ist von einer vollständig neu geschnittenen Fassung zu unterscheiden, in der alle gelöschten Szenen in die Haupthandlung integriert worden wären.

Das erklärt, warum sich jemand an Marsdens Namen aus den Besetzungsmeldungen erinnern kann, ihn aber beim Ansehen des üblichen Films nicht entdeckt. Einen Werbespot zu drehen, garantiert nicht, in jeder Fassung zu erscheinen. Der Spot ist nachweislich als audiovisuelles Material vorhanden; dass er als Bonus veröffentlicht wurde, erklärt jedoch, warum verschiedene Zuschauer unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Um diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen, muss man keine längere verschollene Szene erfinden.

Die Werbung erweitert das imaginäre Fernsehprogramm

Der Werbespot verbindet eine historische Persönlichkeit mit einer erfundenen Marke. Reynolds bringt den Wiedererkennungswert eines Gesichts mit, das mit Film und Fernsehen verbunden ist, während Red Apple zu Tarantinos fiktivem Repertoire gehört. So entsteht ein Werbedokument, das aus der Vergangenheit zu stammen scheint, obwohl es sich nicht um eine echte, aus einem Archiv hervorgeholte Kampagne handelt. Marsden muss einen Star darstellen, der zugleich für ein Produkt wirbt.

Der Spot steht im Zusammenhang mit den zahlreichen Bildschirmen und Werbeanzeigen, die Rick Dalton umgeben. Ein Schauspieler kann als Figur in einer Serie auftreten und anschließend die Vertrautheit seines Gesichts nutzen, um ein Produkt zu verkaufen. Dieser Wechsel zeigt eine weitere Seite des Berufs, in der die öffentliche Bekanntheit zu einem Verkaufsargument wird. Reynolds’ Cameo-Auftritt erweitert das Bild der Filmindustrie, ohne der Haupthandlung einen neuen dramatischen Konflikt hinzufügen zu müssen.

Die Wirkung beruht auch auf der Kürze. Die Wiedererkennung des Stars funktioniert als pointierter, einprägsamer Abschluss des Werbespots, statt eine vollständige biografische Vorstellung zu verlangen. Wer Reynolds nicht sofort erkennt, versteht dennoch die Rolle des Werbeträgers; wer ihn erkennt, bringt zusätzlich eine Ebene filmischer Erinnerung mit. Die Szene ermöglicht beide Lesarten, ohne jede Sekunde in eine Erklärung zur Karriere des echten Schauspielers zu verwandeln.

Zwei Auftritte von Reynolds, die nicht verwechselt werden sollten

Burt Reynolds war für die Rolle des George Spahn vorgesehen, starb jedoch, bevor er sie drehen konnte. Bruce Dern übernahm schließlich die Rolle des Ranchbesitzers. Dieser geplante Auftritt des echten Reynolds ist etwas anderes als Marsdens Darstellung seiner jüngeren Version. Wer beides verwechselt, könnte annehmen, Marsden habe Reynolds als Spahn ersetzt oder Dern habe den jungen Schauspieler gespielt. Tatsächlich steht jeder Name für eine andere Rolle.

Die Hommage lässt sich mit Tarantinos Bewunderung für die Actionhelden der Siebzigerjahrein Verbindung bringen, doch die Existenz des Cameo-Auftritts rechtfertigt es nicht, ihm eine beliebige konkrete emotionale Bedeutung zuzuschreiben. Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, warum er aus der Kinofassung gestrichen wurde. Reynolds’ Tod und die Schnittentscheidung sind Tatsachen, die nicht durch einen erfundenen Kausalzusammenhang miteinander verknüpft werden sollten, solange keine dokumentierte Erklärung dafür vorliegt.

Der Reiz des Spots liegt im Zusammenspiel von Geschichte und Inszenierung. Ein echter Star erscheint erneut, dargestellt von einem anderen Schauspieler, und wirbt für ein Produkt, das außerhalb der Fiktion des Regisseurs nie existiert hat. Der Werbespot verstärkt den Eindruck, dass Rick Daltons Welt ein eigenes Fernseharchiv besitzt. Wenn man ihn als Bonusmaterial einordnet, bleibt sein Wert erhalten, ohne den tatsächlichen Inhalt der Kinofassung von „Once Upon a Time in Hollywood“ zu verfälschen.

Mehr Hintergrund in unserem Guide zu „Once Upon a Time in Hollywood“.