Der Film lässt Billies Booths Tod ungeklärt. Der später erschienene Roman liefert eine Antwort, die nicht mit dem verwechselt werden sollte, was der Schnitt von 2019 zeigt.
Die Antwort hängt von der Version ab
Im Film Once Upon a Time in... Hollywood sehen wir nicht, wie Cliff Booth seine Frau tötet. Der Verdacht entsteht in Gesprächen und in einer kurzen Rückblende, die vor dem Ausgang der Szene endet. Der von Tarantino geschriebene und 2021 veröffentlichte Roman bestätigt dagegen, dass Cliff sie getötet hat. Der Unterschied ermöglicht eine präzise Antwort: Der Film lässt die Frage offen; das Buch führt die Episode weiter aus und macht ihn dafür verantwortlich.
Billie Booth wird von Rebecca Gayheart gespielt. Sie ist nicht mit Rumer Willis zu verwechseln, die im Film Joanna Pettet spielt. Diese Zuordnung ist wichtig, weil die Ehefrau nur sehr kurz zu sehen ist und ihr Gesicht leicht fälschlich einem anderen Namen aus dem Ensemble zugeordnet werden kann. Die Figur erfüllt in Cliffs Geschichte eine konkrete Funktion, hat aber keinen eigenen Handlungsbogen, der mit dem der Hauptfiguren vergleichbar wäre.
Die Informationen aus dem Buch können eine spätere Interpretation bereichern, ändern aber nichts Wesentliches an den 2019 veröffentlichten Bildern. Wer nur den Film gesehen hat, weiß weniger als jemand, der auch den Roman gelesen hat. Beide Erfahrungen als identisch zu behandeln, würde eine wesentliche erzählerische Entscheidung ausblenden: Tarantino entschied sich, auf der Leinwand den Beginn einer Handlung zu zeigen und das auszulassen, was den Zweifel ausräumen würde.
Der Roman Es war einmal in Hollywood erweitert viele Aspekte der Welt der Figuren. In diesem Fall beeinflusst die Erweiterung unmittelbar das moralische Urteil über Cliff. Man muss nicht alle Einzelheiten der literarischen Passage wiedergeben, um ihre Konsequenz zu erkennen: Die filmische Ungewissheit wird dort zu einem erzählten Fakt. Bei der Diskussion darüber, ob der Film einen Mord offenbart, andeutet oder bestätigt, sollte dieser Unterschied gewahrt bleiben.
Die Waffe, das Schaukeln und der Schnitt
Die Szene zeigt das Paar auf einem Boot. Billie spricht feindselig, während Cliff mit einer Harpune dasitzt. Die Ausrichtung der Waffe und die Bewegung des Boots wecken eine unmittelbare Erwartung. Das Publikum versteht, dass es zu einem Todesfall kommen könnte, doch der Schnitt unterbricht den Moment, bevor die entscheidende Handlung und ihre Folgen zu sehen sind.
Dass die Szene nicht aufgelöst wird, bedeutet nicht, dass es keine Indizien gibt. Die Bildkomposition bringt den häuslichen Konflikt mit einem Gegenstand zusammen, der tödlichen Schaden anrichten kann. Sie liefert aber auch keinen vollständigen Beweis für eine Absicht. Genau deshalb ist die Szene so verstörend: Sie bietet genug Anlass zum Misstrauen, entzieht uns aber die Informationen, die klären würden, ob es sich um einen Unfall oder einen vorsätzlichen Angriff handelt.
Die Rückblende gehört zum Spiel mit Erinnerungen und Zeitsprüngen, das Tarantinos nichtlineare Erzählweise kennzeichnet. Sie wird weder als Polizeiakte noch als umfassende gerichtliche Rekonstruktion präsentiert. Es ist ein ausgewählter Ausschnitt innerhalb einer anderen Situation. Seine Kürze zwingt dazu, ihn mit den Aussagen anderer Figuren und mit dem Ruf in Verbindung zu bringen, der Cliff bei seiner Arbeit vorauseilt.
Auch der Ton erschwert die Einordnung. Die trockene Darstellung und der schnelle Schnitt können komisch wirken, doch es geht weiterhin um einen möglichen Todesfall innerhalb einer Ehe. Lachen beweist weder Cliffs Unschuld noch macht es Billie zu jemandem, der Gewalt verdient. Der Kontrast zwischen Form und Ernst zwingt dazu, darauf zu achten, wie der Film die Sympathie für einen ohnehin charismatischen Protagonisten lenkt.
Ein Ruf, der seine Gegenwart beeinflusst
Die Episode dient nicht nur dazu, eine Theorie des Publikums anzustoßen. Innerhalb der Handlung beeinträchtigt der Verdacht Cliffs Chancen auf Arbeit. Manche wollen ihn nicht in ihrer Nähe haben, und Rick muss sich für ihn einsetzen, um ihm einen Job zu verschaffen. Die Ungewissheit hat also konkrete Folgen, auch ohne dass eine Verurteilung gezeigt wird: Die Kollegen entscheiden, mit wem sie ein Filmset teilen möchten.
Rick vertraut seinem Freund und stellt den Vorwurf gern als Gerücht dar. Diese Haltung charakterisiert Rick; sie ist keine allwissende Stimme, die das Geschehen bestätigt. Ebenso zeigt die Ablehnung durch andere Figuren ihre Überzeugung, ersetzt aber für sich genommen nicht die fehlende Szene. Der Film stellt gegensätzliche Meinungen nebeneinander, damit das Publikum den Abstand zwischen persönlicher Loyalität, Ruf und Wissen wahrnimmt.
Die Ungewissheit erschwert das Porträt von Cliff Booth , denn sie steht neben seiner Geduld, seiner Fürsorge für Brandy und seiner Unterstützung für den Schauspieler. Sympathische Taten machen die Figur nicht durchschaubar. Die Frage nach Billie verhindert, dass man seinen Charme als moralischen Freibrief versteht – besonders, weil er später erneut zeigt, dass er sehr effektiv Gewalt anwenden kann.
Die sorgfältigste Lesart bewahrt beide Antworten, ohne sie zu vermischen. Der Film lässt den Verdacht bewusst offen und ermöglicht eine Diskussion darüber, wie er unsere Beziehung zu Cliff prägt. Der Roman bestätigt das Geschehen und verlagert die Diskussion auf die Widersprüche einer Figur, die für diesen Tod verantwortlich ist. Mehr zu wissen heißt nicht, zu vergessen, wie das Rätsel konstruiert war: Man kann daran erkennen, dass jede Version vom Publikum eine andere Art des Urteils verlangt. Die literarische Antwort klärt das Ereignis, lässt aber die Schwierigkeit bestehen, die Figur als Ganzes zu beurteilen.
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