Bill, der Schlangenbeschwörer: der Spitzname und seine Rechtfertigungsversuche

Der Schlangenbeschwörer ist eine Bezeichnung für Bill und seine Beziehung zu der Gruppe. Seine Szenen mit der Flöte und seine abschließende Erklärung für den Angriff gehören zu unterschiedlichen Momenten.

Ein Spitzname, der ein Machtverhältnis beschreibt

Bill wird mit dem Namen Snake Charmer in Verbindung gebracht, der üblicherweise mit Schlangenbeschwörer übersetzt wird. Die Bezeichnung passt zu einer Gruppe von Auftragsmördern, deren Decknamen auf Schlangen verweisen. Während sie die Identität gefährlicher Tiere annehmen, präsentiert sich der Anführer als jemand, der sie lenken kann. Dieser Unterschied deutet auf eine Hierarchie hin, noch bevor wir alle Einzelheiten ihrer Organisation kennen.

Das Bild des Schlangenbeschwörers beruht auf dem Anschein von Kontrolle. Er muss keine überwältigende Stärke zeigen, damit die anderen auf seine Bewegungen achten. Bei Bill wird diese Vorstellung durch eine bedächtige Stimme, fesselnde Geschichten und eine Vertrautheit verstärkt, die je nach Kontext liebevoll oder einschüchternd wirken kann. Die Gefahr verschwindet nicht, wenn die Figur einen freundlichen Ton anschlägt.

Die Flöte verleiht dieser Verbindung eine sicht- und hörbare Form. Es gibt jedoch keine einzelne Szene, die den Spitznamen, all seine musikalischen Auftritte und die vollständige Erklärung dafür vereint, warum er Beatrix angegriffen hat. Wer diese Elemente so zusammenführt, als wären sie Teil eines einzigen Monologs, konstruiert eine Szene, die der Film nicht zeigt. Man muss die Bezeichnung der Figur von den verschiedenen Momenten unterscheiden, in denen sie spricht oder spielt.

Insbesondere gehören die Bilder von Bill mit der Flöte zum Geflecht aus Erinnerungen und Begegnungen im Film. Sein abschließendes Gespräch mit Beatrix findet unter anderen Umständen statt. Das musikalische Motiv kann unsere Wahrnehmung seiner Autorität prägen, ersetzt aber nicht seine Worte und rechtfertigt es auch nicht, einen Dialog von einer Sequenz in eine andere zu verlegen.

Wie er das Verlassenwerden in eine Geschichte über sich selbst verwandelt

Als Bill seine Reaktion auf Beatrix’ Verschwinden erklärt, stellt er zunächst seine Gefühle und das in den Vordergrund, was er seiner Ansicht nach verloren hat. Seine Ausführungen helfen, seine Perspektive zu verstehen, doch die Perspektive des Angreifers ist keine Rechtfertigung, die der Film billigt. Die Erzählung hält daran fest, zwischen dem Verständnis eines Beweggrunds und der Annahme zu unterscheiden, das daraus folgende Verhalten sei unvermeidlich gewesen.

Die Erklärung von Billverlagert den Schwerpunkt des erlittenen Schadens. Die Person, die den Angriff überlebt hat, hört, wie derjenige, der ihn angeordnet hat, die Ereignisse um seine eigene Verletzung herum ordnet. Das setzt keine vollständige Lüge voraus: Ein Sprecher kann echte Gefühle schildern und sie nutzen, um seine Verantwortung herunterzuspielen. Was er auswählt und erzählt, ist ebenso bedeutsam wie die Aufrichtigkeit, die er dabei auszustrahlen scheint.

Der Spitzname Schlangenbeschwörer bietet ein hilfreiches Bild, um diese Art zu sprechen zu verstehen. Bill lädt dazu ein, seinen Gedankengängen durch eine angenehme Stimme und eine gemeinsame Vertrautheit zu folgen. Die Aufmerksamkeit seines Gegenübers ist zwischen der Erinnerung an eine Beziehung und dem Bewusstsein für die gegenwärtige Bedrohung gefangen. Die Szene macht die Musik nicht buchstäblich zu Hypnose; der Vergleich dient der Analyse seiner Art, Autorität auszuüben.

Beatrix hat eine Erklärung für ihren Weggang, die sich nicht darauf reduzieren lässt, Bill zu demütigen. Ihre Entscheidung beruht auf einer Veränderung ihrer Prioritäten. Der Gegensatz zwischen ihren beiden Versionen hindert das Publikum daran, ungeprüft die Vorstellung zu übernehmen, er hätte nicht anders reagieren können. Das Wort „können“, verstanden als echte Möglichkeit, lässt Raum für Entscheidungen, die seine Erzählung als natürliche Reaktion darzustellen versucht.

Der Film muss die Figur auch nicht diagnostizieren, um diesen Mechanismus zu zeigen. Es genügt darauf zu achten, wer für sich beansprucht, das Geschehene zu definieren, welche Fakten in den Hintergrund treten und welche Folgen als unvermeidlich dargestellt werden. Der kontrollierte Ton kann die Gewalt des Arguments weniger sichtbar machen, ändert aber nichts an der Tragweite der Entscheidungen, die Bill erläutert.

Die Flöte, das Wort und die Grenzen der Kontrolle

Durch seine musikalischen Auftritte kann Bill seine Präsenz ankündigen, bevor er sich körperlich durchsetzt. Ein wiedererkennbarer Klang kann Beatrix’ Aufmerksamkeit auf sich ziehen und sie an eine frühere Beziehung erinnern. Das erfüllt eine andere Funktion als ein Soundtrack, der dem Publikum lediglich vorgibt, wie es sich fühlen soll. Die Flöte gehört zur Figur und ist innerhalb der Szene zu hören.

Seine Stimme erfüllt eine ähnliche Funktion, wenn er eine Konfrontation in ein ausgedehntes Gespräch verwandelt. Bill setzt Pausen und Beispiele gezielt ein, zögert eine direkte Antwort hinaus und schlägt seine eigene Deutung von Beatrix’ Identität vor. Mit jedem dieser Mittel verlängert er die Zeit, in der er die Initiative im Gespräch behält. Dass der Dialog unterhaltsam ist, macht ihn nicht neutral.

Das Ende von Kill Bill Vol. 2stellt diese Fähigkeit, andere zu lenken, auf die Probe. Beatrix kann ihm zuhören, ohne zu akzeptieren, dass seine Darstellung des Geschehenen die einzig mögliche ist. Der Verlust der Kontrolle besteht nicht darin, herauszufinden, dass Bill keinen Charme besitzt. Er besteht darin, diesen Charme nicht länger mit einem Recht zu verwechseln, über einen anderen Menschen zu bestimmen.

Die Bezeichnung Schlangenbeschwörer vereint somit Führung, Verführung und Bedrohung. Die Flöte verleiht ihr eine konkrete Form, während die Gespräche zeigen, wie sie sich in Beziehungen auswirkt. Wer diese Ebenen auseinanderhält, kann die Figur analysieren, ohne einen einzigen musikalischen Monolog zu erfinden oder seine Erklärung für den Angriff in einen Freispruch zu verwandeln.

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