Tarantino sprach davon, Forty Lashes Less One fürs Fernsehen zu adaptieren, doch seine Aussage beschrieb eine Möglichkeit mit einer Laufzeit von vier oder sechs Stunden. Der Roman und das audiovisuelle Projekt müssen als Werke unterschiedlicher Art betrachtet werden.
Ein Gefängnisroman im Western-Genre
Forty Lashes Less One ist ein Roman von Elmore Leonard, der 1972 veröffentlicht wurde. Die Geschichte spielt im Territorialgefängnis von Yuma und führt Harold Jackson, einen ehemaligen schwarzen Soldaten, mit Raymond San Carlos, einem Chiricahua-Apachen, zusammen. Beide Männer leiden unter einer Feindseligkeit, die Gefangenschaft und Rassismus miteinander verbindet. Aus ihrer Feindschaft wird ein Bündnis, das ihnen eine Chance auf Freiheit eröffnen soll.
Die offizielle Vorstellung des Werks verortet die Handlung im Jahr 1909, also in einer späten Phase des Wilden Westens, verglichen mit dessen gängigstem Bild. Dadurch verlagert sich das Genre auf Institutionen, Vorschriften und Kontrollmechanismen, die neben der Gewalt an der Grenze bestehen. Die offene Landschaft ist zwar vorhanden, doch die Protagonisten sind zunächst an einen Ort gebunden, der jede ihrer Bewegungen einschränkt.
Die Beziehung zwischen den beiden bildet einen starken dramatischen Kern. Eine gemeinsame Ausgrenzung bedeutet nicht, dass man einer anderen Person sofort vertraut. Das Bündnis muss Rivalitäten überwinden und gemeinsame Interessen erkennen. Durch diese Wandlung kann die Erzählung Zusammenarbeit als eine praktische, unter Druck getroffene Entscheidung untersuchen, statt sie als selbstverständliche Verbundenheit darzustellen.
Der Roman ist ein veröffentlichtes Werk, das für sich allein gelesen werden kann. Tarantinos späteres Interesse ergänzt eine Geschichte über eine mögliche Verfilmung, macht den Roman aber weder zu seinem Drehbuch noch erlaubt es, ihm die Figuren zuzuschreiben. Leonard ist der Autor dieser Welt und ihrer Konflikte. Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, wenn ein nicht realisiertes Projekt schließlich bekannter ist durch den Namen des Filmemachers als durch das Buch, auf dem es beruht.
Die Aussage von 2015: vier oder sechs Stunden
Im Dezember 2015 erklärte Tarantino während der Promotion für The Hateful Eight gegenüber Première, dass er die Rechte an Forty Lashes Less One besitze und den Roman schon lange adaptieren wolle. Er stellte in Aussicht, daraus seinen dritten Western zu machen, und dachte dabei an eine vier- oder sechsstündige Miniserie fürs Fernsehen. Die Angabe von drei Stunden entspricht nicht dieser Aussage.
Die Formulierung war an Bedingungen geknüpft. Der Regisseur sprach von einer Absicht und einem Format, das er in Betracht zog, ohne einen Sender, eine endgültige Besetzung oder den Beginn der Dreharbeiten anzukündigen. Zwischen dem Besitz der Rechte und der Produktion einer Adaption besteht ein erheblicher Unterschied: Die Rechte ermöglichen es, das Material weiterzuentwickeln, garantieren aber nicht, dass alle nötigen Schritte bis zum Dreh abgeschlossen werden.
Das längere Format hätte Zeit geboten, die Beziehung zwischen den Gefangenen und den verschiedenen Kräften, die das Leben in der Institution bestimmen, weiterzuentwickeln. Diese Möglichkeit passt zu einer Erzählung, in der das Zusammenleben und die Wandlung eines Bündnisses ebenso wichtig sind wie das letztendliche Ziel. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, wie Tarantino die Folgen aufgeteilt oder welche Szenen er hinzugefügt oder gestrichen hätte.
Das Interview ordnete das Projekt außerdem einer Arbeitsweise zu, bei der der Regisseur Fortsetzungen und alternative Wege erwägt, bevor er sich für etwas anderes entscheidet. Dieser Kontext hilft dabei, die Ankündigung im Hinblick auf ihren tatsächlichen Verbindlichkeitsgrad einzuordnen. Eine begeistert geäußerte Idee kann durchaus bedeutsam sein und dennoch jahrelang bestehen bleiben, ohne zu einer Produktion zu werden.
Die Nähe zu Leonard und die Grenzen des Projekts
Der Einfluss von Elmore Leonard auf Tarantino geht über diese Adaption hinaus. Die Aufmerksamkeit dafür, wie Figuren sprechen, die Mischung aus Humor und Bedrohung sowie die praktischen Interessen, die ein Gespräch antreiben, weisen erkennbare Gemeinsamkeiten auf. In einer Gefängnisgeschichte können diese Eigenschaften besonders zur Geltung kommen, weil Worte es ermöglichen, in einem Umfeld zu verhandeln, in dem fast alles eingeschränkt ist.
Jackson und San Carlos bringen auch einen Konflikt zwischen den Kategorien, in die die Institution sie einordnet, und den Fähigkeiten ins Spiel, die sie entwickeln, um darauf zu reagieren. Die Gefangenschaft kann sie zu Kategorien machen, bevor man ihnen als Individuen zuhört. Anhand ihrer Beziehung kann die Erzählung eine Identität untersuchen, die durch Handeln und Zusammenarbeit entsteht. Dieser Aspekt trägt dazu bei, zu verstehen, warum das Material einen Regisseur interessieren konnte, der Figuren Beachtung schenkt, die unterschätzt werden.
Ähnlichkeiten mit Themen aus Django Unchained oder The Hateful Eight belegen nicht, dass diese Filme verdeckte Adaptionen des Romans sind. Eine thematische Nähe muss von einer Produktionsbeziehung oder der konkreten Übernahme von Szenen unterschieden werden. Das angekündigte Projekt sollte das Buch adaptieren; Vergleiche mit erschienenen Werken dienen der Analyse gemeinsamer Interessen, nicht dazu, eine textuelle Abstammungslinie zu erfinden.
Die Umsetzung fürs Fernsehen hätte eine eigene zeitliche Struktur erfordert: Einen Roman in Folgen aufzuteilen bedeutet, über Unterbrechungen, die Entwicklung der Handlung und die Perspektiven zu entscheiden – Aspekte, zu denen die Absichtserklärung keine Einzelheiten enthält.
Forty Lashes Less One bleibt ein erhältlicher Roman und eine besprochene, aber nicht nachweislich realisierte Adaption. Gesicherte Informationen belegen, dass Leonard der Autor ist, dass die Handlung von den beiden Gefangenen ausgeht und dass Tarantino 2015 eine Fernsehfassung vorschlug. Werden diese Elemente getrennt betrachtet, bleibt das Projekt interessant, ohne dass eine von Tarantino beschriebene Möglichkeit fälschlich als existierende Miniserie dargestellt wird.
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