Tarantinos nicht realisierte Projekte: Ideen, Drehbücher und Entscheidungen

Tarantinos nicht realisierte Projekte: Ideen, Drehbücher und Entscheidungen

Quentin Tarantinos nicht realisierte Projekte umfassen ganz unterschiedliche Fälle: eine Idee, die in einem Interview erwähnt wurde, eine von einem anderen Drehbuchautor ausgearbeitete Geschichte, eine Fortsetzung, die jahrelang in Betracht gezogen wurde, oder einen Film, bei dem der Filmemacher entschied, nicht Regie zu führen. Das Interesse an einer Figur oder einem Genre kann zu Arbeit und Gesprächen führen, ohne dass es zu Dreharbeiten kommt. Jedes Vorhaben hat seinen eigenen Verlauf – mit wechselnden Absichten und unterschiedlichen Entwicklungsständen.

Double V Vega, Kill Bill Vol. 3, Star Trek und The Movie Critic verdeutlichen diese Unterschiede anhand von Aussagen und datierten Nachrichten. Die Worte eines Autors beschreiben, was er zu einem bestimmten Zeitpunkt dachte oder tat; eine Produktionsankündigung steht für eine andere Art von Verbindlichkeit. Der Unterschied erklärt, warum ein Titel noch lange kursieren kann, nachdem sich die Prioritäten der Person geändert haben, die ihn erwähnt hat. Auch die Frage, wer schreiben und wer Regie führen sollte, ist wichtig: Eine Idee Tarantinos kann von jemand anderem ausgearbeitet werden, und ein Drehbuch von ihm kann unter der Regie einer anderen Person auf die Leinwand kommen.

Die Meldungen über Filme, die Tarantino letztlich nicht realisierte, zeichnen eine Chronologie von Möglichkeiten und Entscheidungen nach. Manche gehen von bereits bekannten Figuren aus, andere schlagen vor, in ein Franchise einzusteigen oder eine neue Geschichte zu entwickeln. Die bis zum 18. Oktober 2026 verfügbaren Informationen lassen konkrete Vorgeschichten erkennen, machen aber nicht jede frühere Aussage zu einer dauerhaft gültigen Beschreibung der Zukunft.

Double V Vega und Kill Bill: zu bekannten Figuren zurückkehren

SlashFilm veröffentlichte am 7. April 2007 Aussagen Tarantinos aus der Sendung Opie and Anthony über Double V Vega. Der Filmemacher hatte sich eine Geschichte in Amsterdam mit Vincent Vega und einem Besuch von Vic, Mr. Blonde aus Reservoir Dogs, überlegt. In dem Gespräch hielt er eine Umsetzung für unwahrscheinlich und nannte das Alter der Schauspieler als Schwierigkeit.

Die Aussage beschreibt den Vorschlag, zwei Figuren zusammenzubringen, samt Titel und Ausgangssituation. Sie belegt weder, dass der Film gedreht wurde, noch, dass ein fertiges Drehbuch vorlag. Der Reiz liegt darin, Figuren zusammenzuführen, die dem Publikum jeweils für sich bekannt sind: Die Erwartungen an sie entstehen aus früheren Filmen, während die vorgeschlagene Beziehung einen eigenen Konflikt bräuchte, um ein neues Werk zu tragen.

Im Fall von Kill Bill Vol. 3 veröffentlichte Deadline am 3. Juli 2023 Aussagen Tarantinos, in denen er bestritt, an dieser Fortsetzung zu arbeiten. Diese Absage bezieht sich auf den damaligen Zeitpunkt. Die beiden veröffentlichten Teile und ein hypothetischer dritter Teil sind unterschiedliche Projekte; eine neue Schnittfassung der bisherigen Filme ist nicht automatisch ein neuer Teil der Geschichte.

Eine Fortsetzung wirft auch die Frage auf, wie sie mit der vergangenen Zeit umgeht. Sie kann die Figuren und die Folgen ihrer Erlebnisse wieder aufgreifen, muss aber neue Entscheidungen über ihre Lage und ihre Ziele treffen. Die Vertrautheit des Publikums schafft eine emotionale Vorgeschichte; sie legt weder fest, welche Geschichte geschrieben wird, noch belegt sie, dass die Produktion bereits läuft.

Star Trek: eine Idee, die von einem anderen Drehbuchautor ausgearbeitet wurde

UPI berichtete am 18. Juli 2019 von einem Vorschlag für Star Trek, der auf einer Idee Tarantinos beruhte und dessen Drehbuch Mark L. Smith ausgearbeitet hatte. Tarantino sprach nur unter Vorbehalt davon, möglicherweise Regie zu führen. Das Star-Trek-Projekt von Quentin Tarantino hatte damit einen anderen Entwicklungsstand erreicht als die bloße Erwähnung von Figuren, die er gerne zusammenbringen würde.

Die Aufteilung der Aufgaben ist wichtig: Eine Idee beizusteuern ist nicht dasselbe, wie das Drehbuch vollständig zu verfassen. Smiths Arbeit war ein Beitrag zum Drehbuch, während Tarantinos mögliche Regie eine separate Entscheidung darstellte. Die Drehbücher und Kooperationen von Quentin Tarantino umfassen Filme mit unterschiedlichen Aufgabenverteilungen; in diesem Fall lässt sich aus dem erwähnten Entwicklungsstand nicht schließen, dass ein von ihm inszenierter Film gedreht wurde.

Die Arbeit mit einem Franchise bringt einen Rahmen aus Figuren, Schauplätzen und Erwartungen mit sich, der bereits vor dem jeweiligen Vorschlag besteht. Ein neuer Film muss eine Situation finden, die innerhalb dieses Rahmens funktioniert, oder ihn bewusst verändern. Das Interesse des Filmemachers an einem bestimmten Ton oder Genre beantwortet für sich genommen noch nicht die Fragen, die geklärt werden müssen, um aus einem Drehbuch eine Produktion zu machen.

The Movie Critic: die Regie bei einem Projekt aufgeben

Deadline berichtete am 17. April 2024, dass Tarantino The Movie Critic als Regieprojekt aufgegeben hatte. Die Meldung dokumentiert eine Produktionsentscheidung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie belegt weder, dass geschriebene Elemente nicht erneut verwendet werden könnten, noch lässt sich daraus automatisch ableiten, welcher sein nächster Spielfilm als Regisseur sein würde.

Am 16. August 2025 gab Entertainment Weekly seine Aussagen im Podcast The Church of Tarantino wieder: Er hatte das Interesse daran verloren, bei The Movie Critic Regie zu führen, obwohl ihm das Schreiben des Drehbuchs gefiel. Außerdem unterschied er diese Geschichte vom Cliff-Booth-Projekt. Die Geschichte und die Aussagen zu The Movie Critic enthalten somit auch eine spätere Erklärung des Filmemachers zu seiner Entscheidung.

Die Trennung von Schreiben und Regie hilft, diesen Wechsel zu verstehen, ohne ihm nicht geäußerte Beweggründe zuzuschreiben. Ein Autor kann mit einem Text zufrieden sein, ohne daraus den Film machen zu wollen, dem er seine Dreharbeiten widmet. Die berufliche Laufbahn in der Filmbranche hängt neben solchen Entscheidungen auch von Verträgen, Mitwirkenden und Produktionsbedingungen ab, die nicht immer öffentlich bekannt sind.

Die Netflix-Ankündigung vom 21. September 2026 nennt Tarantino als Autor des neuen Drehbuchs zu The Further Mis-Adventures of Cliff Booth und David Fincher als Regisseur. Das sind Angaben zu einer angekündigten Zusammenarbeit. Zusammen mit der Unterscheidung, die der Filmemacher 2025 getroffen hatte, rechtfertigen sie es nicht, The Movie Critic als bloßen früheren Titel dieses Films darzustellen.

Ein Drehbuch kann das Publikum erreichen, bevor der dazugehörige Film existiert. Die Produktionsnotizen zu The Hateful Eight datieren die szenische Lesung auf den 19. April 2014; sie fand bei einer Benefizveranstaltung für Film Independent statt. Das Projekt wurde später verfilmt, doch bereits die Lesung war ein eigenständiges Erlebnis.

Einen Text von Schauspielern vorgetragen zu hören, lässt Rhythmen, Unterbrechungen und Machtverschiebungen zwischen den Figuren erkennen. Laut vorgelesene Beschreibungen regen dazu an, sich Schauplätze und Handlungen vorzustellen, die noch nicht durch Kameraeinstellungen und Schnitt gestaltet sind. Das Publikum ergänzt im Kopf einen Teil dessen, was ein Film mit konkreten Bildern und Tönen umsetzen würde.

Eine öffentliche Lesung belegt daher einen Text und eine bestimmte Interpretation, ohne alle Entscheidungen einer späteren Produktion festzulegen. Die Stimme eines Schauspielers kann eine Figur vorschlagen, ohne die endgültige Besetzung festzuschreiben. Dieser Zwischenstand verdient Beachtung, weil er etwas erkennen lässt: eine vorläufige Form des Werks, deren dramatische Wirkung sich hören lässt, auch wenn noch filmische Entscheidungen ausstehen.