The Movie Critic wurde als Tarantinos nächster Spielfilm angekündigt, doch der Regisseur gab das Projekt auf. Seine Aussagen erlauben es, die Entwicklung nachzuzeichnen, ohne Besetzungsgerüchte zu einem tatsächlich gedrehten Film zu erklären.
2023: ein Filmkritiker in Kalifornien
Im Mai 2023 erklärte Quentin Tarantino während der Filmfestspiele von Cannes gegenüber Deadline, The Movie Critic werde 1977 in Kalifornien spielen. Die Figur sei von einem wenig bekannten Kritiker inspiriert, der in einer Erwachsenenzeitschrift über Filme schrieb, die der Regisseur als junger Mann gelesen hatte. Außerdem stellte er klar, dass sich die Geschichte nicht um Pauline Kael drehen würde – eine Vermutung, die bereits vor diesen Äußerungen aufgekommen war.
Diese Präzisierung lenkte das Interesse weg von einer großen Institution hin zu einer Stimme am Rande. Der Reiz, den Tarantino beschrieb, lag in der Persönlichkeit dieser Texte: ein direkter, respektloser Blick, fern von der Feierlichkeit anderer Orte der Filmkritik. Die Äußerungen geben Einblick in den Ursprung der Idee, liefern aber weder eine vollständige Inhaltsangabe noch eine endgültige Liste von Szenen.
Der zeitliche Rahmen von 1977 verband das Projekt mit einer Umbruchphase des US-amerikanischen Kinos. Die Filmkritik konnte den Wandel der Branche beobachten und zugleich an der sie umgebenden Kultur aus Kinos, Zeitschriften und Gesprächen teilhaben. Diese Nähe zu Tarantinos cineastischen Interessen hilft, die Begeisterung über die Ankündigung zu verstehen. Sie rechtfertigt jedoch nicht, dem Drehbuch jede historische Debatte zuzuschreiben, die zu diesem Jahr passt.
Zu den ersten Informationen gehörte auch die Absicht, mit einem Hauptdarsteller eines bestimmten Alters zu arbeiten, das sich von dem einiger vertrauter Stars des Regisseurs unterschied. Wie bei einem Projekt in der Entwicklung konnten sich solche Vorstellungen ändern. Eine Äußerung über das gesuchte Profil ist kein Besetzungsvertrag – genauso wenig beweist ein geplanter Drehbeginn, dass die Dreharbeiten tatsächlich begonnen haben.
2024: Der geplante Film kommt nicht mehr voran
Im April 2024 berichteten Branchenmedien, Tarantino habe beschlossen, The Movie Critic nicht weiterzuverfolgen. Die Nachricht kam nach Monaten, in denen das Projekt mit Brad Pitt und mit der Vorstellung von Tarantinos zehntem Spielfilm in Verbindung gebracht worden war. Die Aufgabe des Projekts machte es nötig, zwischen Angekündigtem, während der Entwicklung Erörtertem und tatsächlich Umgesetztem zu unterscheiden.
Es gibt keinen fertigen Film namens The Movie Critic, der sich wie ein veröffentlichtes Werk analysieren ließe. Auch aus Gerüchten lassen sich weder eine vollständige Besetzung noch eine endgültige Handlung zuverlässig rekonstruieren. Die öffentliche Geschichte des Projekts besteht aus Äußerungen des Autors und datierten Brancheninformationen. Interessant ist, nachzuverfolgen, wie eine Idee, deren Drehbeginn nahe schien, schließlich nicht weiterverfolgt wurde.
Die Verbindung zu Brad Pitt führte außerdem zu Verwechslungen mit der Rückkehr von Cliff Booth in einem anderen von Tarantino geschriebenen Projekt. Dass zwei Drehbücher denselben Schauspieler oder dieselbe Entwicklungsphase teilen, beweist nicht, dass es sich um dasselbe Drehbuch handelt. Die Unterscheidung wurde deutlicher, als der Regisseur später über die Entstehung beider Arbeiten und ihre getrennten Konzepte sprach.
Aus der Aufgabe des Projekts lässt sich auch nicht vorwegnehmen, welcher Film Tarantinos letzter sein wird. Seine Absicht, die Zahl seiner Spielfilme zu begrenzen, war Gegenstand vieler Äußerungen. Eine öffentlich formulierte Regel macht jedoch nicht jedes angekündigte Projekt zu einem unausweichlichen Ziel. Die Chronologie sollte den Meinungswechsel festhalten, statt rückblickend alle Ankündigungen so umzudeuten, als hätte es sie nie gegeben.
2025: Der Regisseur erklärt seinen Sinneswandel
In einem Interview mit The Church of Tarantino im August 2025 erklärte der Filmemacher, die Idee habe zeitweise die Form einer achtteiligen Serie angenommen, und er habe nicht genug Begeisterung verspürt, um den nächsten Abschnitt seiner Karriere einem Spielfilm darüber zu widmen. Seine Äußerungen verorteten die Entscheidung in einer eigenen kreativen Abwägung. Die Erklärung nennt ein dem Autor zugeschriebenes Motiv und unterscheidet sich von Spekulationen über Finanzierungskonflikte oder eine Ablehnung durch ein Studio.
Außerdem unterschied er The Movie Critic vom Projekt über Cliff Booth. Diese Klarstellung ist wichtig, weil die zeitliche Nähe der Nachrichten die Annahme einer direkten Umwandlung begünstigt hatte. Der spätere Spielfilm über Booth, inszeniert von David Fincher nach einem Drehbuch von Tarantino, ist eine andere Zusammenarbeit. Dass Tarantino weiterhin als Autor tätig ist, bedeutet nicht, dass er den aufgegebenen Titel automatisch wiederbelebt hat.
Die Auswertung der bis Oktober 2026 verfügbaren Informationen ergibt weder einen Kinostart noch eine bestätigte Wiederaufnahme von The Movie Critic. Dokumentiert ist weiterhin, dass das Projekt nicht weiterverfolgt wurde – eine Entscheidung, die der Autor öffentlich erklärt hat. Diese Formulierung lässt sich bei einer neuen Äußerung aktualisieren, ohne eine künftige Möglichkeit als bereits eingegangene Verpflichtung darzustellen.
Die Ankündigung eines Films ist von seinem Kinostart zu unterscheiden: Ein geplanter Termin kann entfallen, bevor auch nur eine einzige Aufnahme für den endgültigen Schnitt existiert.
Die Seite zu Tarantinos Aussagen über seinen Rückzug und seinen letzten Film ordnet die allgemeine Debatte ein. The Movie Critic hat eine konkretere Entwicklung durchlaufen: eine 2023 beschriebene Inspiration, die 2024 bekannt gewordene Aufgabe des Projekts und eine rückblickende Erklärung im Jahr 2025. Die Abfolge zeigt, dass eine Geschichte zu entwickeln und sich für einen ganzen Spielfilm darüber zu entscheiden zwei unterschiedliche Schritte sind – selbst wenn die Ankündigung bereits enorme Erwartungen geweckt hat.
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