Die Möglichkeit eines dritten Teils entsteht aus einer offenen Wunde, die Kill Bill hinterlässt: Nikki wird Zeugin des Todes ihrer Mutter. Spätere Gespräche führten diesen Gedanken weiter, ohne daraus eine bestätigte Produktion zu machen.
Nikki und die Konsequenz, die Beatrix erkennt
Kill Bill lässt eine erzählerische Tür offen, als Nikki Zeugin des Ausgangs der Auseinandersetzung zwischen Beatrix Kiddo und ihrer Mutter Vernita Green wird. Beatrix erkennt, dass das Mädchen sie in Zukunft suchen könnte, wenn es weiterhin unter dem Geschehenen leidet. Die Szene eröffnet innerhalb der Fiktion eine Möglichkeit, ist aber weder eine Branchenankündigung für einen weiteren Film noch ein Versprechen auf einen Kinostart.
Die Kraft dieser Möglichkeit beruht auf einer Umkehrung. Beatrix verfolgt diejenigen, die ihr Leben zerstört haben, und verursacht, als sie einen Teil ihrer Rache vollendet, bei einem anderen Menschen einen ähnlichen Verlust. Nikki könnte in Zukunft eine vergleichbare Position einnehmen. So lässt die Geschichte die Frage zu, ob eine mit Gewalt erreichte Wiedergutmachung bereits den Ursprung einer weiteren Verfolgung in sich trägt.
Die Auseinandersetzung mit Vernita Green erhält dadurch eine Bedeutung, die über das unmittelbare Duell hinausgeht. Das Auftauchen einer Tochter verändert, wie wir die Gegnerin und die Kosten ihrer Tötung wahrnehmen. Ein möglicher dritter Teil müsste keinen moralischen Konflikt von Grund auf erfinden: Er fände einen solchen bereits im ersten Teil vor, auch wenn seine konkrete Ausgestaltung für das Publikum noch nicht geschrieben wäre.
Vernita und Beatrix verbindet eine Beziehung zur Mutterschaft, die die einfache Einteilung in Opfer und Feindin erschwert. Diese Beziehung erklärt mit, warum Nikki zum Mittelpunkt so vieler Fragen über eine Fortsetzung wurde. Die dramatische Frage wäre, was geschieht, wenn jemand, den die vorherige Geschichte zurückgelassen hat, beschließt, die eigene Geschichte einzufordern.
Öffentliche Ideen ändern sich im Laufe der Jahre
Tarantino sprach zu verschiedenen Zeitpunkten davon, nach einiger Zeit zu den Figuren zurückzukehren. Das Warten hatte eine erzählerische Logik: Die Mädchen sollten erwachsen werden und Beatrix ein Leben genießen können, bevor sie sich neuen Konsequenzen stellen müsste. Diese Ideen beschrieben eine mögliche Richtung, stellten aber für sich genommen weder einen Zeitplan noch eine vertraglich verpflichtete Besetzung oder ein endgültiges Drehbuch dar.
2021 stellte er sich in seinem Gespräch mit Joe Rogan Beatrix und B.B. nach etwa zwanzig Jahren Frieden vor, in denen sie erneut zum Handeln gezwungen wären. Außerdem sprach er davon, wie reizvoll es wäre, Uma Thurman mit ihrer Tochter Maya Hawke zusammenzubringen. Die tatsächliche familiäre Beziehung eröffnete eine Besetzungsmöglichkeit für die fiktive Mutter und Tochter, doch die Erwähnung war keine Vertragsbestätigung.
Im Juli 2023 erklärte der Regisseur auf eine Frage von De Morgen zu dieser Möglichkeit, dass er nicht glaube, dass sie zustande kommen würde. Damals sprach er von The Movie Critic als seinem nächsten Film. Das Datum ist wichtig: Diese Antwort dämpft den Enthusiasmus früherer Aussagen, doch die spätere Aufgabe eines anderen Projekts lässt Kill Bill Vol. 3 nicht automatisch wieder aufleben.
Auch die geäußerten Wünsche anderer Darstellerinnen und Darsteller sind nicht mit Entscheidungen des Regisseurs zu verwechseln. Eine Schauspielerin kann sich vorstellen, wer Nikki spielen könnte, oder den Wunsch äußern, zurückzukehren. Solche Gespräche gehören zur Rezeption und Erinnerung an die Filme. Erst eine konkrete Produktionsbestätigung würde aus der besprochenen Möglichkeit ein für die Dreharbeiten organisiertes Projekt machen.
The Whole Bloody Affair ist eine andere Geschichte
Kill Bill: The Whole Bloody Affair vereint die beiden Teile in einer gemeinsamen Präsentation, mit Schnittunterschieden und zusätzlichem Material. Seine Veröffentlichung und spätere Editionen sind kein dritter Teil, der nach dem Ende der Geschichte spielt. Der Titel kann für Verwirrung sorgen, weil er ein anderes Erlebnis und neue Nachrichten bietet, doch inhaltlich handelt es sich um eine integrierte Fassung des bestehenden Werks.
Die offiziellen Informationen von Lionsgate stellen genau diese Verbindung von Vol. 1 und Vol. 2 dar. Um sie von Kill Bill 3 zu unterscheiden, genügt ein Blick auf die zeitliche Einordnung: Eine Fassung, die das bekannte Abenteuer neu ordnet und erweitert, beweist nicht, dass Nikkis Erwachsenenleben oder eine spätere Verfolgung durch Beatrix und B.B. verfilmt wurde. Es sind unterschiedliche erzählerische Fragen, auch wenn sie Figuren und Publikum teilen.
Bei einer Prüfung der bis Oktober 2026 verfügbaren Informationen findet sich keine bestätigte Produktion von Kill Bill Vol. 3 mit einem Starttermin. Verifizierbar ist eine Geschichte wechselnder Ideen und Aussagen. Den Film als endgültig unmöglich darzustellen, ginge ebenfalls über das hinaus, was ein Interview garantieren kann: Zukünftige Entscheidungen liegen bei den Verantwortlichen und können sich ändern.
Die Tochter einer Protagonistin übernimmt auch nicht automatisch deren erzählerische Funktion. Eine Fortsetzung müsste entscheiden, ob B.B. die Gewalt, die das Leben ihrer Mutter geprägt hat, beobachtet, sich daran beteiligt oder sie ablehnt.
Der Kill-Bill-Leitfaden führt zurück zu den Szenen, die diese Erwartung nähren, während die Aussagen zu Tarantinos letztem Film ihren beruflichen Kontext verdeutlichen. Das Interesse an einer möglichen Fortsetzung ist konkret: Eine Überlebende müsste sich den Folgen ihrer eigenen Rache stellen. Diese dramatische Kraft steckt bereits in den veröffentlichten Filmen, auch wenn der dritte Teil eine diskutierte Möglichkeit bleibt und kein realisiertes Werk ist.
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