Double V Vega war die Möglichkeit, die Brüder aus Reservoir Dogs und Pulp Fiction zusammenzubringen, bevor sich ihre bekannten Geschichten abspielten. Die Aussagen beschreiben eine Prämisse, aber keinen Film, der tatsächlich in Produktion ging.
Zwei Brüder, die nie gemeinsam in einer Szene auftreten
Vic Vega, bekannt als Mr. Blonde aus Reservoir Dogs, und Vincent Vega, die Figur von John Travolta in Pulp Fiction, sind den von Tarantino hergestellten Verbindungen zufolge Brüder. Michael Madsen spielt Vic. Die Idee, die beiden zusammenzubringen, führte zu dem Projekt mit dem Titel Double V Vega. Es sollte in einer Zeit vor den Ereignissen der beiden erschienenen Filme spielen.
Dass es als Prequel angelegt war, hatte einen offensichtlichen erzählerischen Grund: Beide Figuren sterben in ihren jeweiligen Geschichten. Ein späteres Abenteuer mit denselben Männern hätte eine andere Erklärung erfordert. Ein Rückblick ermöglichte es, ihre Identitäten beizubehalten und eine Familienbeziehung zu erkunden, von der das Publikum durch Aussagen und Verbindungen außerhalb der Filme weiß, die aber nie in einer gemeinsamen Szene gezeigt wird.
Die Beziehung zwischen den Vega-Brüdern hat eine eigene Grundlage und hängt nicht davon ab, ob Double V Vega realisiert wurde. Wer beides verwechselt, könnte glauben, dass die Verwandtschaft entfällt, weil es den Film nicht gibt. Nicht verwirklicht wurde eine gemeinsame Geschichte mit den Möglichkeiten für Kontraste, Komplizenschaft und Konflikte, die diese Begegnung geboten hätte.
Außerdem sollte man die Figuren von ihren Darstellern unterscheiden. Die ausgemalte Chemie zwischen Madsen und Travolta gehört zu einer Besetzungserwartung. Vics und Vincents Verhalten stammt aus konkreten fiktionalen Geschichten und beschreibt nicht das Privatleben der Schauspieler. Das Projekt war gerade deshalb interessant, weil es zwei bereits bekannte Leinwandfiguren miteinander in Beziehung gesetzt hätte, ohne dass das Publikum wusste, wie sie als Brüder miteinander funktionierten.
Amsterdam als Schauplatz vor Pulp Fiction
Tarantino verortete die Idee in Vincents in Pulp Fiction erwähnter Zeit in Europa, als Vic ihn in Amsterdam besucht. Dieser Hinweis bot eine erzählerische Lücke: eine Zeitspanne, von der die Figur erzählt, die der Film aber nicht zeigt. Das Projekt hätte vorhandene Informationen aufgreifen können, ohne das spätere Schicksal der Brüder ändern zu müssen.
Die Stadt hätte ein anderes Umfeld als Los Angeles geboten. Der Reiz der Prämisse lag darin, bekannte Figuren außerhalb der Schauplätze zu beobachten, an denen wir sie bei der Arbeit gesehen hatten. Einen Schauplatz und eine Beziehung zu haben, bedeutet jedoch nicht, eine vollständige Handlung zu kennen. Es gibt keine ausreichende Grundlage, um einen Raubüberfall, eine rivalisierende Organisation oder eine Mordserie als offizielle Handlung von Double V Vega zu erfinden.
Vincents einleitendes Gespräch über Europa zeigt eine Figur, die alltägliche Unterschiede wahrnimmt und daraus ungezwungen ein Gespräch machen kann. Vic wiederum wirkt durch seine Gelassenheit und den Gegensatz zwischen seinem freundlichen Umgang und seiner Grausamkeit beunruhigend. Die beiden zusammenzubringen hätte einen Vergleich ihrer jeweiligen Art ermöglicht, sich in der Welt zu bewegen. Das ist eine aus den bestehenden Filmen abgeleitete Interpretation, keine Beschreibung bestätigter Szenen aus dem Projekt.
Auch der Titel unterstreicht die Vorstellung eines Duos. Die Wiederholung des Anfangsbuchstabens legt nahe, dass der Film zwei Figuren in den Mittelpunkt stellen sollte, statt eine direkte Fortsetzung eines der Filme zu sein. Das Projekt beruhte auf dem Wiedererkennungswert für das Publikum und einer Beziehung, die bislang unsichtbar geblieben war. Dieses Gleichgewicht hätte Neugier wecken können, ohne dass alle Nebenfiguren aus beiden Werken wieder auftauchen mussten.
Die Zeit der Schauspieler und die Zeit der Fiktion
In Aussagen aus dem Jahr 2007 beschrieb Tarantino eine Umsetzung als unwahrscheinlich und verwies auf die Zeit, die für die Darsteller vergangen war. Die Schwierigkeit war konkret: Die Geschichte sollte Vic und Vincent vor ihren bekannten Auftritten zeigen, während Madsen und Travolta seit den Dreharbeiten Anfang der 1990er-Jahre gealtert waren. Die reale Zeit verlief in die entgegengesetzte Richtung zu der, die das Prequel benötigte.
Dieses Hindernis sollte weder als absolute technische Unmöglichkeit noch als einzige belegte Ursache dafür dargestellt werden, dass das Projekt nicht zustande kam. Der Regisseur sprach von einer Idee, die in ihrer ursprünglich vorgestellten Form an Realisierbarkeit verloren hatte. Die Entwicklung, Finanzierung und Produktion eines Films hängen außerdem von Entscheidungen ab, die sich nicht anhand einer einzelnen Interviewantwort rekonstruieren lassen.
Im Lauf der Jahre kursierten verschiedene von Beteiligten erwähnte Varianten, darunter alternative Möglichkeiten, die Schauspieler zusammenzubringen. Diese Gespräche zeigen, dass das Konzept als Anekdote weiterhin reizvoll war, sollten aber nicht miteinander vermischt werden, bis daraus ein endgültiges Drehbuch entsteht. Eine später erzählte Variante kann eine andere Idee darstellen und muss nicht zu einer dokumentierten Phase desselben Produktionsplans gehören.
Dass es keinen gemeinsamen Film gibt, lässt die Eigenständigkeit beider Darstellungen unberührt. Ein Vergleich ist weiterhin möglich, doch keine Montage führt ihre Blicke zusammen oder zeigt, wie sie sich in einem gemeinsamen Raum verhalten würden.
Double V Vega bleibt ein Einblick in eine Beziehung, die Tarantino zwar miteinander verknüpfte, aber nie in einem eigenen Film dramatisierte. Aus der öffentlich bekannten Projektgeschichte gehen der vorgeschlagene Schauplatz und die Schwierigkeiten mit dem Zeitplan hervor. Offen bleibt jedoch, wie die Brüder auf der Leinwand miteinander ausgekommen wären. Diese Leerstelle gehört zum Reiz des Projekts und sollte erhalten bleiben, statt sie mit einem erfundenen Abenteuer zu füllen, das so dargestellt wird, als hätte es kurz vor der Veröffentlichung gestanden.
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