Killer Crow war der Arbeitstitel, den Tarantino einer Geschichte über schwarze Soldaten im Zweiten Weltkrieg gab. Sie ging aus einem umfassenderen Konzept für Inglourious Basterds hervor und darf nicht mit Szenen verwechselt werden, die aus dem Schnitt des Films entfernt wurden.
Ein Zweig des ursprünglichen Projekts
Quentin Tarantino sprach 2012 während der Entstehungszeit von Django Unchained in einem Interview mit Henry Louis Gates Jr. für The Root über Killer Crow. Er erklärte, sein ursprüngliches Konzept für Inglourious Basterds habe eine zusätzliche Geschichte über afroamerikanische Soldaten umfasst. Als er den Umfang des Projekts reduzierte, das schließlich 2009 in die Kinos kam, trennte er dieses Material ab.
Die Handlung war 1944, nach der Landung in der Normandie, angesiedelt. Der Beschreibung des Regisseurs zufolge reagierten die Soldaten auf die Misshandlungen, die sie innerhalb der US-Armee erlitten, und schlugen einen gewaltsamen Weg in Richtung Schweiz ein. Die Geschichte hätte sich teilweise in derselben Welt wie die der Bastarde abgespielt. Diese Verbindung rechtfertigt es jedoch nicht, die Handlung um nicht beschriebene Begegnungen und Ereignisse zu ergänzen.
Schon der Name war vorläufig. Tarantino sagte, das Projekt könnte Killer Crow oder so ähnlich heißen. Das ist wichtig, denn spätere Schlagzeilen stellten den Namen oft als endgültigen Titel und den Film als sichere nächste Produktion dar. Das Interview belegt, dass der Regisseur an einer Geschichte gearbeitet hatte, die er möglicherweise wieder aufnehmen wollte; es belegt jedoch keine genehmigte Produktion mit festgelegtem Drehplan.
Wie sich der Blickwinkel verändert hätte
Die Prämisse rückte Männer in den Mittelpunkt, die gegen den Nationalsozialismus kämpften und zugleich in der eigenen Armee Rassismus erlebten. Dieser Widerspruch schafft einen anderen Konflikt als den, der die Einheit von Aldo Raine prägt. Die Gewalt hätte sich gegen eine Struktur richten können, die in der konventionellen Kriegserzählung als Verbündete dargestellt wird. Dadurch wäre die Gleichsetzung von Uniform und moralischer Haltung komplizierter geworden.
Die Verbindung zu Inglourious Basterdsliegt im Ursprung des Materials und in der historischen Epoche. Sie bedeutet nicht, dass der veröffentlichte Film eine verborgene Nebenhandlung enthält, die das Publikum rekonstruieren müsste. Ebenso wenig heißt sie, dass Szenen von Killer Crow gedreht und beim Schnitt entfernt wurden. Schriftliches Material, das während der Entwicklung abgetrennt wird, hat einen anderen Status als nicht verwendetes Filmmaterial.
Das Projekt wurde als möglicher thematischer dritter Teil neben Inglourious Basterds und Django Unchained diskutiert. Die Idee einer Trilogie beruhte auf Geschichten über unterdrückte Gruppen, die mit Gewalt reagierten, und nicht auf einer einfachen chronologischen Kontinuität zwischen drei Handlungen. Alternative Geschichte und historische Racheermöglichen es, diese Gemeinsamkeit zu untersuchen, ohne daraus eine formal abgeschlossene Saga zu machen.
Was sich anhand der Aussagen belegen lässt
Öffentliche Quellen geben Aufschluss über den Ursprung, die allgemeine Ausgangslage und die Richtung, in die sich die Handlung entwickelt hätte. Sie erlauben es nicht, eine endgültige Besetzung, eine vollständige Figurenliste oder den Ausgang einer autorisierten Fassung zu präsentieren. Rekonstruktionen, die solche Elemente hinzufügen, machen aus den Erwartungen der Leserinnen und Leser oft eine imaginäre Inhaltsangabe. Das Projekt verdient eine präzise Darstellung, auch wenn diese Lücken bestehen lässt.
Außerdem sollte man den Wunsch, ein Drehbuch fertigzustellen, von der Entscheidung unterscheiden, dafür eine Produktion auf den Weg zu bringen. Tarantino sprach von Material, das noch ausgearbeitet werden musste, und davon, dass er möglicherweise darauf zurückkommen könnte. Dass später andere Filme entstanden, zeigt, dass er diesen Weg nicht unmittelbar weiterverfolgte. Es erklärt für sich genommen aber weder einen einzigen ausschlaggebenden Grund noch eine formelle Ablehnung durch ein Studio.
Killer Crow ist relevant, weil das Projekt eine Perspektive zeigte, die in Inglourious Basterds fehlte: schwarze Soldaten, die durch ihr Handeln die Autorität der Armee infrage stellten, der sie angehörten. Diese Prämisse reicht aus, um die Verbindung zu den Themen des Regisseurs zu verstehen. Der Film, der daraus hätte entstehen können, bleibt außerhalb unserer Reichweite. Wenn man diesen Unterschied festhält, lässt sich das Projekt untersuchen, ohne ihm Bilder, Dialoge oder Entscheidungen zuzuschreiben, die nie öffentlich wurden.
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