Vic und Vincent Vega: die Verbindung zwischen zwei Filmen

Vic Vega und Vincent Vega sind in Tarantinos Vorstellung Brüder. Ihre Filme zeigen sie getrennt voneinander, sodass man von ihrer Verwandtschaft durch die Erklärungen des Regisseurs erfährt.

Zwei Namen in unterschiedlichen Geschichten

Vic Vega ist der Name von Mr. Blonde, der in Reservoir Dogs von Michael Madsen gespielt wird. Vincent Vega, dargestellt von John Travolta, arbeitet in Pulp Fiction für Marsellus Wallace. Der gemeinsame Nachname ist ein deutlicher Hinweis, doch die Brüderschaft stützt sich außerdem auf Tarantinos Aussagen zu den beiden Figuren. Man muss sie nicht ausschließlich aus ihren Namen ableiten.

In Reservoir Dogs gehört Vic zu der von Joe Cabot organisierten Bande. Seine Identität im Alltag zeigt sich, als wir ihn mit Joe und Eddie außerhalb des Systems der Farbcodenamen sehen. Diese Szene verortet ihn in einem Vertrauensverhältnis, das schon vor dem Überfall bestand. Die Figur hat eine Vorgeschichte mit den Cabots, die die anderen Mitglieder der Gruppe nicht in gleicher Weise teilen.

In Pulp Fiction ist Vincent in eine andere kriminelle Organisation eingebunden. Seine Beziehung zu Jules zeigt eine Vertrautheit aus der gemeinsamen Arbeit, die es ihnen erlaubt, sich über Alltägliches zu unterhalten, während sie gewalttätige Aufträge ausführen. Der Film erwähnt seinen Aufenthalt in Amsterdam, enthält aber weder eine Familienszene mit Vic noch ein Gespräch, das die Verwandtschaft direkt erklärt.

Die Bestätigung außerhalb der Filme

Als Tarantino 2007 bei Opie and Anthony über einen möglichen gemeinsamen Film sprach, beschrieb er, wie Vic Vincent während dessen Aufenthalt in Amsterdam besucht. Der Vorschlag wurde unter dem Titel Double V Vega bekannt und gehörte zu seinen Äußerungen über die Brüder. Das ist ein hilfreicher Beleg für ihre Beziehung, auch wenn die erdachte Geschichte nie verfilmt wurde.

Es empfiehlt sich, zwei Dinge auseinanderzuhalten. Die Verwandtschaft gehört zum Konzept der Figuren; der gemeinsame Film ist ein nicht realisiertes Projekt. Dass es den Film nicht als Spielfilm gibt, hebt die von Tarantino erklärte Beziehung nicht auf. Es rechtfertigt auch nicht, jede vorläufige Begebenheit, die er bei der Erkundung verschiedener Möglichkeiten erwähnte, in ihre Lebensgeschichten aufzunehmen.

Die Filme lassen sich auch ansehen, ohne diese Verbindung zu kennen. Keiner von ihnen verlangt, dass das Publikum den Stammbaum der Vegas rekonstruiert, um den gescheiterten Überfall oder Vincents Aufträge zu verstehen. Die Verwandtschaft schafft eine Verbindung zwischen erzählerischen Welten, ist aber kein geheimer Schlüssel, der die Beweggründe in all ihren Szenen verändert. Sie ergänzt vielmehr die Informationen über Figuren, die ihre dramatische Eigenständigkeit behalten.

Der gemeinsame Nachname macht sie nicht austauschbar

Das Verhalten von Mr. Blonde ist von einer Ruhe geprägt, die besonders verstörend wirken kann. Sein Verhältnis zur Gewalt überschreitet die Grenzen dessen, was die anderen Verbrecher der Gruppe für praktikabel halten. Vincent hingegen vereint berufliches Können, Ungeschicklichkeit und persönliche Sorgen. Die Ähnlichkeit ihres Umfelds hebt diese Temperamentsunterschiede nicht auf.

Beide gehören zu einer Darstellung des Verbrechens, in der Männer über alltägliche Dinge sprechen, während sie Gewalt ausüben. Die Erzählstruktur weist ihnen jedoch unterschiedliche Rollen zu. Vic erscheint als Bedrohung, die eine eingeschlossene Gruppe aus dem Gleichgewicht bringt; Vincent durchläuft mehrere Episoden und gerät in Situationen, die er nicht kontrolliert. Das Publikum lernt die beiden durch unterschiedliche Formen der Informationsverteilung kennen.

Auch ihre Tode machen eine spätere, unkomplizierte Begegnung innerhalb der Filmkontinuität undenkbar. Diese Einschränkung beeinflusste die Vorschläge für ein gemeinsames Projekt, ist aber kein Anlass, ein Überleben zu erfinden. Der fertige Film und die besprochene Idee müssen als unterschiedliche Gewissheitsgrade behandelt werden.

Die Vegas sind ein klares Beispiel innerhalb von Tarantinos beiden Universen , denn ihre Beziehung ist durch Aussagen des Autors belegt und beruht nicht allein auf einer Deutung der Fans. Dennoch liefert diese Bestätigung weder die Namen ihrer Eltern noch eine gemeinsame Kindheit oder einen vollständigen Stammbaum. Was bestätigt ist, reicht aus: zwei Figuren, die als Brüder konzipiert wurden, von unterschiedlichen Schauspielern gespielt werden und in Geschichten auftreten, die sie nie auf der Leinwand zusammenführen.

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