
Das Tarantino-Universum lädt dazu ein, Details wiederzuentdecken, die in verschiedenen Geschichten auftauchen: Nachnamen, erfundene Produkte, Orte und Arten, Kino darzustellen. Wie interessant solche Übereinstimmungen sind, hängt davon ab, welche Beziehung sie erkennen lassen. Eine vom Regisseur erklärte Verwandtschaft liefert Informationen über zwei Figuren; eine gemeinsame Marke macht eine Umgebung wiedererkennbar; eine Ähnlichkeit zwischen Szenen kann zu einem Vergleich seines Stils anregen. Jeder Fund wirft eine andere Frage auf.
Red Apple und Big Kahuna Burger machen es möglich, die Verbreitung fiktiver Produkte über mehrere Filme hinweg nachzuverfolgen. Hinzu kommt Tarantinos Erklärung zu zwei Fiktionsebenen: einer Welt, in der bestimmte Figuren leben, und den Filmen, die sie sich ansehen könnten. Diese Idee verleiht dem Spiel mit den Verweisen mehr Tiefe, braucht aber Kontext, wenn sie auf ein konkretes Werk angewendet wird.
Die zeitliche Einordnung bringt eine weitere Schwierigkeit mit sich. Die dargestellte Epoche, der Zeitpunkt der Veröffentlichung und die Position einer Szene innerhalb der Erzählung beschreiben unterschiedliche Zusammenhänge. Wer sie auseinanderhält, kann die Verbindungen genießen, ohne einem Detail mehr Informationen zuzuschreiben, als es tatsächlich enthält.
Eine Verbindung zwischen Filmen kann in einem Dialog zum Ausdruck kommen, in einem Interview erklärt oder durch den Vergleich von Bildern nahegelegt werden. Wie tragfähig eine Schlussfolgerung ist, hängt von diesen Belegen ab. Eine Wiederholung zu erkennen, ist der erste Schritt; herauszufinden, was sie bedeutet, erfordert einen Blick auf ihren Kontext und darauf, was genau behauptet wird.
Die beiden von Tarantino erklärten Fiktionsebenen
Im Januar 2016 unterschied Tarantino in einem Interview mit The Project, über das Shortlist berichtete, einen Bereich, den er realer als real nannte, und einen weiteren, der aus Filmen innerhalb dieser Welt besteht. Seine Erklärung zu Tarantinos zwei Universen enthielt ein Beispiel: Die Figuren aus Reservoir Dogs oder Pulp Fiction könnten ins Kino gehen, um Kill Bill oder From Dusk Till Dawn anzusehen.
Dieser Vorschlag beschreibt eine Beziehung zwischen Fiktionsebenen. Er ermöglicht die Vorstellung, dass ein Film den Alltag bestimmter Figuren darstellt, während ein anderer zu ihrer filmischen Fantasie gehört. Die Aussage liefert dieses Modell und einige konkrete Beispiele; um es auf jedes Werk, jede Werbung, Fortsetzung oder kurze Nebenrolle auszuweiten, braucht es weitere Belege. Eine vollständige Einordnung würde Entscheidungen erfordern, die Tarantinos Erklärung von 2016 offenlässt.
Außerdem sollte man dieses Spiel von Tarantinos Dialogen und Erzählstruktur unterscheiden. Eine Figur kann eine Geschichte erzählen, sich an ein Ereignis erinnern oder einen Film beschreiben. Das Gesagte hat dabei jeweils einen anderen Stellenwert: Eine Erinnerung wird als eigene Erfahrung dargestellt, während eine Erfindung dazu dienen kann, das Gegenüber zu überzeugen oder zu beeindrucken.
Marken und Figuren: Was die einzelnen Verbindungen belegen
Robert Rodriguez erklärte 2014 in einem Interview mit CraveOnline, das in Mandatory veröffentlicht wurde, dass er und Tarantino fiktive Produkte des jeweils anderen verwendeten. Er nannte Red Apple und Big Kahuna Burger als Kreationen Tarantinos. Diese Verwendung in mehreren Filmen sorgt für visuelle Kontinuität: Eine Verpackung oder ein Logo kann vertraut wirken, auch wenn die Hauptfiguren und das Genre der Geschichte wechseln.
Rodriguez erwähnte die Burger aus Pulp Fiction und jene, die die von George Clooney gespielte Figur in From Dusk Till Dawn bei sich hat. Das Beispiel belegt die gemeinsame Verwendung einer Marke. Für eine Verbindung zwischen den Figuren wären eigene Belege nötig. Das Produkt kann in jeder Szene eine andere Funktion haben: ein Gespräch begleiten, einen Geschmack charakterisieren oder der Ausstattung ein wiedererkennbares Detail hinzufügen.
Die Verbindung zwischen Vic und Vincent Vega wurde vom Regisseur bestätigt. In Aussagen gegenüber Opie and Anthony, über die SlashFilm im April 2007 berichtete, sprach Tarantino davon, die beiden in einer Geschichte mit dem Titel Double V Vega zusammenzuführen. Diese Idee belegt seine Absicht, sie miteinander in Beziehung zu setzen; die für das Projekt erdachten Abenteuer haben jedoch einen anderen Stellenwert als die Ereignisse, die in seinen Filmen gezeigt werden.
Wiederkehrende Nachnamen werfen ein anderes Problem auf, wenn eine entsprechende Aussage fehlt. Die Übereinstimmung kann eine Hypothese nahelegen und dazu anregen, nach Belegen zu suchen, doch ein gemeinsamer Nachname allein belegt keine Verwandtschaft. In der Theorie über King und Paula Schultz muss beispielsweise jede behauptete Verwandtschaft von der bloßen Wiedererkennung des Nachnamens unterschieden werden. Eine Genealogie führt Beziehungen und Daten an, die jeweils belegt werden müssen.
Chronologie, Geografie und Parallelen
Bei der Chronologie des Tarantino-Universums müssen das Erscheinungsjahr, die dargestellte Epoche und die Reihenfolge, in der die Ereignisse erzählt werden, getrennt betrachtet werden. Ein Rückblick innerhalb eines Films verändert den Informationsstand des Publikums. Zwei Erzählungen in aufeinanderfolgenden Epochen anzusiedeln, ermöglicht es, sie zeitlich zu ordnen; eine Kontinuität zwischen ihren Figuren muss jedoch anderweitig belegt werden. Auch fiktive Veränderungen der Geschichte sind im Kontext des Werks zu interpretieren, in dem sie dargestellt werden.
Die Geografie in Tarantinos Filmen verbindet fiktive Orte mit den Drehorten. Eine gemeinsame Stadt ermöglicht es, Umgebungen, Wege und die Darstellung von Macht zu vergleichen. Um Organisationen oder Figuren miteinander zu verknüpfen, muss die Geschichte diese Beziehung herstellen. Auch der Name eines Ortes reicht nicht aus, um eine genaue Route zu rekonstruieren, wenn der Schnitt Entfernungen auslässt oder verschiedene Schauplätze zusammenführt.
Die Parallelen zwischen Cliff Booth und Stuntman Mike lassen sich nutzen, um die Darstellung von Filmstuntleuten zu vergleichen. Ein gemeinsamer Beruf kann Themen wie körperliches Geschick, Ansehen oder den Unterschied zwischen Arbeit und Spektakel erhellen. Diese Lesart ist aufgrund solcher Ähnlichkeiten aufschlussreich, belegt aber keine gemeinsame Biografie. Eine Kontinuitätsanalyse und ein thematischer Vergleich werfen unterschiedliche Fragen zu denselben Bildern auf.
Das Format, in dem ein Hinweis erscheint, beeinflusst, was sich damit belegen lässt. Ein ausgesprochener Nachname, ein Name im Abspann und eine Aufschrift in der Ausstattung liefern unterschiedliche Belege. Gibt es eine sichtbare Schreibweise, sollte sie in der Transkription übernommen werden; beim Hören kann es Unklarheiten geben, die eine Untertitelung durch eine Übersetzungsentscheidung auflöst. Originalfassung und sprachliche Bearbeitung sollten getrennt gekennzeichnet werden.
Auch ein isolierter Ausschnitt kann wichtige Informationen verlieren lassen. Der vorherige Satz kann zeigen, ob jemand es ernst meint, eine Anekdote erzählt oder eine falsche Identität ausprobiert. Ein Standbild zeigt einen Gegenstand, doch erst die ganze Szene macht deutlich, wer ihn benutzt und welche Bedeutung er hat. Dass etwas auf der Leinwand zu sehen ist, lässt sich belegen; seine Interpretation hängt vom Kontext ab.
Bei Drehbüchern verhält es sich ähnlich. Eine geschriebene Szene kann während der Produktion geändert werden oder ganz wegfallen. Wenn man die jeweilige Dokumentfassung benennt, lässt sich eine Schreibabsicht beschreiben, ohne sie automatisch auf die veröffentlichte Schnittfassung zu übertragen. Diese Unterscheidung bewahrt den Blick sowohl auf Verbindungen, die bestehen bleiben, als auch auf Möglichkeiten, die es nicht in den Film geschafft haben.
