Auf dem Grabstein, der in Kill Bill: Vol. 2 zu sehen ist, steht der Name Paula Schultz. Eine mögliche Verbindung zu dem Arzt aus Django Unchained ist eine Theorie, die von den Informationen zu unterscheiden ist, die in beiden Filmen gezeigt werden.
Der Name auf dem Grabstein
Paula Schultz ist der Name, der auf dem Grab steht, in dem Budd Beatrix in Kill Bill: Vol. 2 begräbt. Die Inschrift nennt 1823 als ihr Geburtsjahr und 1898 als ihr Todesjahr. Diese Angaben gehören zu einem sichtbaren Gegenstand innerhalb der Fiktion. Der Film zeigt Paula nicht lebend, erzählt nichts über ihre Ehe und nennt keine ihrer Angehörigen.
Das Grab von Paula Schultz erfüllt zunächst eine konkrete dramatische Funktion: Es bietet Budd einen Ort, an dem er Beatrix loswerden will. Für die Protagonistin ist die Gefangenschaft dringlicher als der Name auf dem Stein. Das Publikum kann sich später mit der Inschrift beschäftigen, doch die Szene funktioniert auch ohne eine vollständige Geschichte der dort begrabenen Person.
In Django Unchained ist King Schultz ein ehemaliger deutscher Zahnarzt, der zum Kopfgeldjäger geworden ist. Die Geschichte spielt 1858 und 1859, also innerhalb des Lebenszeitraums, den der Grabstein für Paula vorgibt. Diese zeitliche Übereinstimmung macht es möglich, sich eine Verbindung vorzustellen; Möglichkeit und Bestätigung sind jedoch unterschiedliche Kategorien.
Warum die Hypothese aufkam
Die Kombination aus einem in diesen Filmen ungewöhnlichen Nachnamen und passenden Jahreszahlen lädt Fans dazu ein, die beiden Namen miteinander in Verbindung zu bringen. Am häufigsten wird eine Ehe zwischen den beiden vermutet. Doch keines dieser beiden Elemente belegt eine Ehe: Zeitgenossen können denselben Nachnamen haben, ohne ein Paar zu sein, und ein Film kann einen Namen wiederverwenden, ohne eine Genealogie zu entwickeln.
Die Theorie wirkt reizvoller, weil Tarantino bereits andere verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Figuren aus verschiedenen Werken hergestellt hat. Dieser Präzedenzfall erklärt, warum das Publikum nach Verbindungen sucht. Er macht aber nicht jede neue Namensgleichheit zu einer bestätigten Beziehung. Jeder Fall braucht eigene Belege – unabhängig davon, ob ein anderer Nachname zuvor schon dazu diente, Geschichten miteinander zu verknüpfen.
Auch die Charakterisierung von King Schultzlöst das Rätsel nicht. Seine Beziehung zu Django, seine Deutschkenntnisse und seine Entscheidungen in Candieland beschreiben die Figur im Rahmen ihres Abenteuers. Sie liefern für sich genommen keine Informationen über Paula. Seine Sensibilität oder seine berufliche Vergangenheit als Belege für ein bestimmtes Eheleben zu deuten, hieße, Informationen hinzuzufügen, die in den Szenen nicht enthalten sind.
Wie sich die Verbindung einordnen lässt, ohne eine Biografie zu erfinden
Die präziseste Formulierung unterscheidet drei Ebenen. Bestätigt ist, dass die Namen in den Filmen vorkommen. Eine zeitliche Übereinstimmung, die einen Vergleich ermöglicht, ist angedeutet. Die Ehe und mögliche Nachkommen bleiben Interpretationen, solange es keine überprüfbare Aussage gibt, die sie belegt. Diese Unterscheidung bewahrt das Interesse an der Theorie, ohne ihre Beleglage zu übertreiben.
Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass die beiden Tarantino-Universen nicht zwingend als aufeinanderfolgende Kapitel derselben Realität funktionieren müssen. Ein Verweis kann wie eine Marke oder ein Name zwischen verschiedenen Fiktionsebenen wechseln. Selbst wenn die Anspielung beabsichtigt wäre, müsste noch geklärt werden, welche Art von Beziehung sie nahelegt.
Der Kontrast zwischen Kill Bill und Django Unchainedmacht es möglich, eine visuelle und namensbezogene Wiederholung zu erkennen, ohne sie unbedingt auflösen zu müssen. Im einen Film steht Schultz auf einem Grabstein, der jede Möglichkeit zur Bewegung endgültig zu beenden scheint; im anderen bezeichnet der Name einen Mann, der einem anderen zur Freiheit verhilft. Diese vergleichende Lesart kann anregend sein, sofern sie als Analyse und nicht als erklärte Absicht des Regisseurs dargestellt wird.
Es gibt hier keine ausreichende Grundlage, um Kinder, einen gemeinsamen Wohnort oder einen Trennungsgrund zu erfinden. Die Inschrift und die Figur bilden die beiden Endpunkte einer Hypothese, nicht die Kapitel einer verlorenen Biografie, die wir vervollständigen könnten. Diese Frage offenzulassen, ist den Filmen gegenüber getreuer, als aufgrund von Zufällen eine Gewissheit zu behaupten.
Zurück zu Tarantino-Universum: Verbindungen, Marken und Theorien.
