Brad Pitt bringt bei Tarantino eine unverwechselbare Präsenz ein, die Autorität, Humor und eine vieldeutige Gelassenheit vermitteln kann. Aldo Raine und Cliff Booth nutzen diese Qualitäten auf unterschiedliche Weise: Der eine führt eine Gruppe, der andere arbeitet im Schatten eines anderen Mannes.
Regie und Drehbuchautorschaft auseinanderhalten
Brad Pitts Verbindung zu Tarantinos Drehbüchern umfasst Floyd, seine Figur in True Romance. Der Film wurde jedoch von Tony Scott inszeniert. Diese Unterscheidung verhindert, dass jede Interpretation eines Tarantino-Drehbuchs als Zusammenarbeit unter seiner Regie verstanden wird. Die Verbindung besteht, gehört aber zu einer anderen Arbeitsweise als der, die später bei Inglourious Basterds zum Einsatz kam.
Im Film von 2009 spielt Pitt den Leutnant Aldo Raine, Anführer der Gruppe amerikanischer Soldaten. Zehn Jahre später verkörpert er Cliff Booth, Stuntman und Vertrauten von Rick Dalton, in Once Upon a Time in... Hollywood. Beide Figuren haben Erfahrung mit Gewalt, doch ihre Tätigkeiten, Ziele und alltäglichen Beziehungen sind nicht gleichzusetzen.
Für seine Rolle als Cliff Booth gewann Pitt bei der Oscarverleihung 2020 den Oscar als bester Nebendarsteller. Es war sein erster Oscar für eine schauspielerische Leistung – eine notwendige Präzisierung, denn als Produzent von 12 Years a Slave hatte er bereits den Preis für den besten Film erhalten. Die Hollywood-Auszeichnung gehört also zu einer bestimmten Kategorie und einer konkreten Phase seiner Laufbahn.
Sein Status als Star spielt in beiden Rollen eine Rolle. Noch bevor das Publikum die Figur kennenlernt, kann es Pitt mit Attraktivität, Selbstsicherheit oder körperlichem Geschick verbinden. Tarantino kann diese Erwartung nutzen, bestätigen, übertreiben oder irritierend wirken lassen. Die Darstellung muss sowohl für diejenigen funktionieren, die sein öffentliches Image kennen, als auch für jene, die einfach der Geschichte folgen.
Aldo Raine: Gruppenführung und die Komik der Verkleidung
In Inglourious Basterds verkörpert Aldo eine direkte Form der Führung. Seine Art zu sprechen steckt Ziele ab und strahlt ein Selbstvertrauen aus, das keine diplomatischen Feinheiten braucht. Pitt setzt eine markante Stimme und Körperhaltung ein, damit die Figur in einem großen Ensemble unverwechselbar bleibt. Seine klare Präsenz hilft, die Gruppe zu ordnen, ohne ihn zum alleinigen Mittelpunkt des Films zu machen.
Pitts Darstellung von Aldo Raine lässt Entschlossenheit und offenkundige Komik nebeneinander bestehen. Das Selbstvertrauen bleibt bestehen, selbst wenn die Umstände Fähigkeiten verlangen, die der Figur fehlen. Der Gegensatz zwischen dem, was sie darstellen will, und dem, was ihr tatsächlich gelingt, macht die Künstlichkeit der Verkleidung sichtbar. Pitt hält an der Überzeugung der Figur fest, statt dem Publikum den Witz zu erklären.
So entsteht der Humor des Films aus einem Ungleichgewicht der Fähigkeiten. Aldo kann in manchen Situationen wirksam und in anderen unbeholfen sein, ohne dass die eine Seite die andere aufhebt. Der Schauspieler muss trotz dieser Wechsel eine stimmige Identität bewahren. Würde die Komik seine Fähigkeit zur Gewalt völlig auslöschen, veränderte sich auch die Spannung in späteren Szenen.
Die Führungsrolle prägt auch Aldos Verhältnis zu seinen Kameraden. Er muss keine Vertrautheit zeigen, damit die Gruppe seine Stellung anerkennt. Seine Anweisungen und Reaktionen schaffen eine praktische Autorität. Die Darstellung konzentriert sich auf sichtbare Merkmale, denn die Handlung hält nicht inne, um eine vollständige Biografie zu entfalten: Die Figur muss auftreten, eine Situation lenken und einen klaren Eindruck hinterlassen können.
Cliff Booth: im Schatten eines Stars arbeiten
In Once Upon a Time in... Hollywood nimmt Cliff gegenüber Rick Dalton scheinbar eine Nebenrolle ein. Er fährt, repariert und begleitet ihn und ist außerdem sein Stuntdouble. Pitt spielt einen Mann, dessen alltägliche Nützlichkeit im Kontrast zur beruflichen Angst seines Arbeitgebers und Freundes steht. Hier bedeutet Gelassenheit nicht, einer Gruppe Anweisungen zu geben, sondern Aufgaben und Begegnungen zu meistern.
Die Figur Cliff Booth verlangt Aufmerksamkeit für kleine Handlungen. Essen zuzubereiten, den Hund zu versorgen oder sich durch die Stadt zu bewegen, lässt einen Alltag entstehen, ohne jeden Moment in ein Geständnis zu verwandeln. Die Darstellung gewinnt Kontinuität durch die Art, wie Cliff Dinge erledigt. Das Publikum lernt die Figur durch ihre Beziehung zum Raum und zur Arbeit ebenso kennen wie durch das, was sie erzählt.
Cliffs Gelassenheit beantwortet jedoch nicht alle Fragen über ihn. Der Film liefert unvollständige Informationen und lässt die Anziehungskraft seiner Präsenz neben einem Gefühl des Unbehagens bestehen. Pitt muss diese Vieldeutigkeit nicht ständig hervorheben. Ein Teil der Wirkung beruht darauf, dass das Publikum seine Gesellschaft genießt und zugleich merkt, dass dieses Vergnügen nicht bedeutet, ihn vollständig zu kennen.
Die Beziehung zu Rick ermöglicht eine unterschiedliche Verteilung der Energie. DiCaprios Unruhe begegnet Pitt mit sparsamen Mitteln, sodass schon eine minimale Reaktion Gewicht erhält. Die Freundschaft zeigt sich in Gewohnheiten und Hilfsdiensten, enthält aber auch Unterschiede in der Stellung. Cliff hilft, Ricks Leben am Laufen zu halten, und der Film zeigt, wie viel alltägliche Arbeit in dieser Verfügbarkeit steckt.
Aldo und Cliff teilen körperliche Leistungsfähigkeit, doch die Darstellung bringt sie unterschiedlich zum Ausdruck. Der eine muss seine Autorität sichtbar machen; der andere kann durch einen mühelosen Eindruck verbergen, wie viel Vorbereitung dahintersteckt. Pitts Zusammenarbeit mit Tarantino lotet diesen Unterschied zwischen zur Schau gestellter Macht und scheinbarer Mühelosigkeit aus. Das Ergebnis beruht auf einer wiedererkennbaren Starpräsenz, die jeder Film in ein anderes moralisches und erzählerisches Licht rückt.
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