Kurt Russell und Walton Goggins: zwei Wege zu The Hateful Eight

Kurt Russell und Walton Goggins treffen in The Hateful Eight aufeinander, nachdem sie auf unterschiedlichen Wegen in Tarantinos Kino eingestiegen sind. Ein Vergleich zeigt, wie eine Ensemblebesetzung Erfahrung, sprachliche Energie und gegensätzliche Arten, Autorität zu beanspruchen, miteinander verbindet.

Die früheren Rollen waren nicht dieselbe Art von Aufgabe

Kurt Russell spielt Stuntman Mike in Death Proof und John Ruth in The Hateful Eight. In Once Upon a Time in... Hollywood tritt er als Randy auf, einem Stuntkoordinator innerhalb der Filmhandlung, und übernimmt außerdem die Stimme des Erzählers. Seine Zusammenarbeit mit Tarantino umfasst damit einen bedrohlichen Protagonisten, eine zentrale Figur im Ensemble und einen kürzeren Auftritt mit Erzählerstimme.

Walton Goggins spielt Billy Crash in Django Unchained und Chris Mannix in The Hateful Eight. Damit wächst seine Verantwortung innerhalb der Handlung: Er entwickelt sich von einem Nebenantagonisten zu einer der Figuren, deren Präsenz einen großen Teil des Films prägt. Die berufliche Kontinuität bedeutet nicht, dass die Position oder das Rollenfach gleich bleibt.

In Death Proof muss Russell das Image eines Showbusiness-Veteranen nutzen und unheimlich wirken lassen. Stuntman Mike erzählt von seinem Beruf und kann gesellig erscheinen, bevor seine Taten eine andere Seite offenbaren. Die Vertrautheit, die der Schauspieler ausstrahlt, lässt die Figur wie jemanden wirken, dem man zuhören möchte – auch wenn diese Zugänglichkeit keinerlei Sicherheit bietet.

Goggins’ Arbeit als Billy Crash geht von einer unmittelbar feindseligeren Situation aus. Seine Rolle in Candyland ist mit der Ausübung von Gewalt und Überwachung verbunden. Die Darstellung muss die Präsenz der Figur schnell prägen – innerhalb einer Handlung, die anderen Figuren mehr Zeit einräumt, ihre Ansichten und Beziehungen zu erklären.

John Ruth und Chris Mannix: behauptete und infrage gestellte Autorität

In The Hateful Eight kommt John Ruth mit einem klaren Auftrag und einer Gefangenen unter seiner Kontrolle an. Russell verleiht ihm eine raumgreifende Präsenz: Er nimmt Platz ein, stellt Bedingungen und reagiert heftig auf das, was er als Bedrohung betrachtet. Die Figur will die anderen führen, auch wenn sie das Gesamtbild nur begrenzt erfasst.

Die Darstellung von John Ruth muss seine Überzeugung glaubhaft wirken lassen, ohne sie mit Weisheit gleichzusetzen. Er kann fest an ein Vorgehen glauben und sich in einer Person irren. Russell macht diesen Unterschied durch eine Autorität sichtbar, die nicht als unerschütterliche Ruhe erscheint. Seine Energie kann die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und zugleich zeigen, dass er in der Defensive ist.

Mannix beansprucht eine andere Art von Legitimität: Er behauptet, das Amt des Sheriffs antreten zu wollen. Goggins muss eine Aussage glaubhaft vertreten, die die anderen nicht sofort überprüfen können. Die Stellung der Figur hängt davon ab, ob sie andere überzeugt, provoziert oder dazu bringt, sie bleiben zu lassen. Ihre Autorität ist nicht einfach schon mit dem ersten Satz etabliert.

In einem Interview mit Den of Geek erzählte Goggins, er habe Tarantino gefragt, ob Mannix tatsächlich der Sheriff sei. Tarantino habe ihm freie Hand gelassen, selbst darüber zu entscheiden, ohne seine Antwort preiszugeben. Diese Information verdeutlicht eine darstellerische Entscheidung: Der Schauspieler kann mit einer persönlichen Gewissheit arbeiten, während der Film die Frage offenlässt. Die Vorbereitung muss nicht mit sämtlichen Informationen übereinstimmen, die das Publikum erhält.

Zwei Energien in einem gemeinsam genutzten Raum

Russell und Goggins nehmen den Raum auf unterschiedliche Weise ein. Ruth scheint darauf angewiesen zu sein, dass der Raum seine Regeln anerkennt; Mannix kann provozieren und sondieren, bis er eine Position gefunden hat. Dieser Unterschied erzeugt Reibung, noch bevor sich die Verdachtsmomente aufklären. Der eine Schauspieler verkörpert geballte Autorität; der andere bringt Bewegung, Kommentare und Variationen ein, die den Zusammenhalt der Gruppe erschweren.

Ruths Beziehung zu Daisy Domergue verleiht seiner Darstellung eine ständige körperliche Komponente. Mit einer anderen Person verbunden zu sein, verändert die Bewegungsabläufe und sorgt dafür, dass jede Geste Folgen für beide Körper hat. Russells Spiel lässt sich nicht von Jennifer Jason Leighs Reaktionen trennen. Das Paar bildet innerhalb des Ensembles eine konfliktreiche Einheit.

Die Entwicklung von Chris Mannix verlangt eine andere Veränderung. Goggins muss zulassen, dass die anfänglichen Gewissheiten der Figur durch Tatsachen auf die Probe gestellt werden, die sich nicht durch die bloße Wiederholung ihrer Vorurteile aus der Welt schaffen lassen. Die Darstellung verändert sich mit der Situation, ohne dass die Vergangenheit der Figur abrupt ausgelöscht werden muss. Die Entwicklung wirkt gerade deshalb, weil sie von einer klar umrissenen Ausgangsposition ausgeht.

Die vorherige Erfahrung beider Schauspieler mit Fernsehen und Genrefilmen trägt zu einem Ensemble bei, das unterschiedliche Erinnerungen mitbringt – auch wenn man sie nicht erkennen muss, um dem Film zu folgen. Anspielungen auf frühere Arbeiten bilden eine zusätzliche Ebene. Entscheidend ist, dass jede Figur auf ihre eigene Weise spricht, zuhört und reagiert, sodass sie sich in einer gemeinsamen Szene von den anderen unterscheidet.

Russells späterer Auftritt als Randy in Hollywood bietet einen Wechsel der Größenordnung: Die Autorität ist nun in einem beruflichen Umfeld des Kinos angesiedelt und muss in einem kurzen Wortwechsel ausgeübt werden. Seine Aufgabe besteht nicht darin, Mike oder Ruth zu wiederholen, sondern eine Entscheidung am Filmset verständlich zu machen. Ein erneuter Auftritt kann Erfahrung bündeln, ohne die Hauptrolle zu beanspruchen.

Das Zusammentreffen von Russell und Goggins in The Hateful Eight zeigt, wie Tarantino Schauspieler zusammenbringt, deren Präsenz er zuvor einzeln erprobt hat. Er macht sie nicht zu gleichwertigen Bausteinen: Der eine tritt mit direkter Durchsetzungskraft auf, der andere mit einer Beweglichkeit, die die anfängliche Verteilung der Positionen infrage stellt. Der Film gewinnt aus diesem Unterschied Spannung – und daraus, dass beide ihn verändern können, indem sie auf das Geschehen um sie herum reagieren.

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