Modesty Blaise: Vincent Vegas Buch in Pulp Fiction

Das Buch, das Vincent Vega in Pulp Fiction mit aus dem Badezimmer von Butchs Wohnung bringt, ist Modesty Blaise, der 1965 erschienene Roman von Peter O’Donnell. Die literarische Figur war zuvor in einem Zeitungscomic erschienen, den O’Donnell schrieb und Jim Holdaway ab 1963 zeichnete. Dieser Ursprung erklärt die Verbindung zum Comic; bei dem Buch, das im Film zu sehen ist, handelt es sich jedoch um den Roman.

Zwischen dem Werk und dem Gegenstand, der es im Film repräsentiert, besteht noch ein weiterer Unterschied. Laut dem Katalogeintrag von Propstore zu Los 264 der Auktion von 2024 wurde das dort erfasste Requisit mit einem für die Produktion angefertigten Schutzumschlag von Modesty Blaise versehen, der um ein anderes Hardcover gelegt wurde. Der sichtbare Umschlag verweist auf die Lektüre der Figur; die Requisitendokumentation beschreibt, wie dieser Eindruck erzeugt wurde.

In der Szene begleitet das Buch Vincent bei einer alltäglichen Beschäftigung. Seine Präsenz wird gerade dadurch greifbar, dass er es in der Hand mit hinausnimmt: Ein Mann, der mit Gewalt in Verbindung steht, ist mit einer privaten Lektüre beschäftigt. Dieses Detail lässt die Figur auch über diese Gewohnheit in den Blick rücken – neben der literarischen Anspielung.

Modesty Blaise: vom Zeitungscomic zum Roman

Peter O’Donnell schrieb den Comic Modesty Blaise, dessen erster Zeichner Jim Holdaway war. Das Cartoon Museum datiert die Erstveröffentlichung im Evening Standard auf den 13. Mai 1963. Dies geht aus einem institutionellen Artikel über das Werk aus dem Jahr 2017 hervor. Der Titel bezeichnete damals eine in der Zeitung veröffentlichte Bildergeschichte, in deren Panels die Arbeit des Autors und des Zeichners zusammenkam.

Der Roman erschien später. Souvenir Press, der ursprüngliche Verlag, nennt in einer Würdigung zum 50. Jahrestag den Mai 1965 als Erscheinungszeitpunkt von Modesty Blaise. Als Autor wird Peter O’Donnell aufgeführt. Die beiden Jahreszahlen markieren also unterschiedliche Anfänge: 1963 steht für den Comic, 1965 für den ersten Roman mit dem Namen der Protagonistin.

Diese Unterscheidung der Formate hilft dabei, genauer zu bestimmen, wofür Vincents Buch steht. Der grafische Ursprung einer Figur macht nicht alle späteren Auftritte zu Comics. Ein Titel kann sowohl einen Comic als auch einen Roman bezeichnen; den Namen der Protagonistin zu erkennen, reicht daher noch nicht aus, um die Art der Veröffentlichung zu bestimmen. Hier ist das erzählende Werk von O’Donnell gemeint.

Der Schutzumschlag und das beim Dreh verwendete Buch

Der Katalogeintrag von Propstore aus dem Jahr 2024 beschreibt einen für die Produktion angefertigten Schutzumschlag, der durch eine Plastikhülle geschützt und über ein Hardcover gelegt wurde, das nichts mit Modesty Blaise zu tun hatte. Dies ist eine Beschreibung des erfassten physischen Gegenstands. Das Auktionshaus ordnet ihn der Wohnungsszene zu und verweist dabei auf die Anordnung der künstlichen Blutflecken an den Seitenrändern.

Auf der Leinwand reicht der Schutzumschlag aus, um die Lektüre zu erkennen. Der Buchblock liefert die Form, die Vincent in der Hand hält und mit sich trägt. Der filmische Nutzen des Requisits hängt davon ab, dass es im Bild zu sehen ist; die Identität des Werks wird durch den Titel auf dem Umschlag vermittelt.

Was das Buch zu Vincents Auftritt beiträgt

Das abschließende Continuity-Protokoll zu Pulp Fiction, das Words in Pictures im Juli 1994 erstellte, hält fest, dass Vincent beim Öffnen der Badezimmertür ein Buch in der Hand hält. Später wird der Titel Modesty Blaise neben seinem Körper genannt. Der Gegenstand ist somit in zwei Momenten der Szene präsent: Zunächst begleitet er Vincent beim Hinausgehen, dann bleibt er im Bild, nachdem es zur Auseinandersetzung gekommen ist.

Diese erste Verwendung verleiht Vincent Vega eine nachvollziehbare Geste. Während einer Pause zu lesen, ist eine Beschäftigung, für die weder eine andere Figur noch ein Gespräch nötig ist. Das Buch zeigt ihn dabei, wie er sich in einem fremden Haus seiner eigenen Beschäftigung widmet. Die Vertrautheit dieser Gewohnheit macht seinen Auftritt greifbarer: Er hat etwas bei sich, das er noch kurz zuvor benutzt hat.

Das Buch wird zu einem Teil von Vincents Geste, als er hinausgeht. Es ist ein sichtbares Detail, das zeigt, wie er Butch gegenübertritt: mit einem alltäglichen Gegenstand, der mit einer unterbrochenen Handlung verbunden ist. Die Szene kann Normalität und Gefahr in derselben Begegnung zeigen. Dieser Kontrast funktioniert auch für alle, die noch nie von Modesty Blaise gehört haben: Eine Person mit einem Buch zu sehen, erfordert weniger Vorwissen, als den Titel zu erkennen.

Für Butch Coolidge hingegen ist die Uhr der Gegenstand, der ihn zur Rückkehr in die Wohnung veranlasst. Beide Gegenstände verbinden jeweils einen der Männer mit einer anderen Tätigkeit oder Beziehung: Die Uhr steht für eine familiäre Verpflichtung, das Buch begleitet Vincents Gewohnheit. In der Szene wird dieser Unterschied durch Dinge greifbar, die jeder der Männer bei sich trägt oder nach denen er zurückgekehrt ist.

Wenn der Titel neben dem Körper zu sehen ist, lässt sich das Buch nicht mehr nur mit einer gerade stattfindenden Lektüre verbinden. Seine Präsenz bewahrt eine materielle Spur der soeben unterbrochenen Beschäftigung. Der Name eines bestimmten Werks verleiht dieser Spur zusätzliche Genauigkeit: Vincent hat nicht einfach irgendein Buch bei sich, sondern eine erkennbare Lektüre, die zu seinem Alltag gehört.

Um den Roman von Peter O’Donnell zu finden, sind der Titel Modesty Blaise, der Name des Autors und das Veröffentlichungsformat hilfreich. Sammelbände mit dem Comic können Titel und Figur mit dem Roman teilen; daher ist die Verlagsbeschreibung aussagekräftiger als ein vertrautes Cover. Bei einer Comic-Ausgabe helfen die Angaben zu den Zeichnern dabei, das enthaltene Material zu bestimmen.

Hilfreich ist auch, das ursprüngliche Erscheinungsjahr vom Datum einer späteren Ausgabe zu unterscheiden. Ein aktueller Nachdruck kann einen Roman von 1965 enthalten, ohne das Erscheinungsbild der Erstausgabe wiederzugeben. Sprache und gegebenenfalls der Name des Übersetzers helfen dabei, genauer zu bestimmen, welchen Text die Lesenden erhalten.

Mit der ISBN lässt sich eine bestimmte kommerzielle Ausgabe finden. Am besten prüft man sie zusammen mit der gewählten Sprache, dem Verlag und dem Format. Um der literarischen Anspielung in Pulp Fiction nachzugehen, kann man mit Titel und Autor nach dem dargestellten Werk suchen – unabhängig davon, wie ein späteres Cover aussieht.