Jimmies Haus wirkt wie ein Ort, an dem jemand lebt, noch bevor die Protagonisten von Pulp Fiction eintreffen. Tapeten, Küchenschränke, Lampen und kleine Dekorationsgegenstände lassen den Alltag weiterlaufen, den der Notfall unterbricht. Die Wirkung der Kulisse beruht auf dieser Normalität: Der Raum hat eine Funktion, Eigentümer und Gegenstände, deren Wert nicht von den Besuchern bestimmt wird.
Sandy Reynolds-Wasco, die für die Dekoration verantwortlich war, erklärte 2022 gegenüber dem Vermont Magazine, dass sie die Tapete für dieses Haus bewusst ausgewählt hatte. Sie wollte damit verstärken, wie sehr Jimmie seine Frau fürchtete – selbst umgeben von gefährlichen Kriminellen. Diese Aussage verknüpft eine materielle Gestaltungsentscheidung mit dem häuslichen Konflikt, der die Szene prägt.
Besonders greifbar werden Erinnerungen, wenn von der Bettwäsche die Rede ist, die Jimmie zur Hochzeit geschenkt bekommen hat. Die Fotos und Bilderrahmen im Hintergrund tragen zur Atmosphäre bei, ergeben aber kein ausgearbeitetes Familienalbum. Der Film verleiht einigen Gegenständen durch den Dialog Bedeutung und lässt andere als Teil eines Zuhauses stehen, das über das hinaus weiterbesteht, was wir sehen.
Die Tapete prägt den Charakter des Hauses
In Pulp Fiction verändert die Ankunft in einem gewöhnlichen Haus die Dimension des Problems. Küche, Schlafzimmer und Hof haben erkennbare Funktionen, in die die Besucher eingreifen. Die Ausstattung macht diesen Übergriff verständlich, ohne die Bewohner vorher vorzustellen oder zu erklären, wie lange sie schon dort leben. Die Fülle alltäglicher Details genügt, um auf einen Haushalt hinzuweisen, der schon vor dem Notfall organisiert war.
In dem von Joshua Sherman geführten und am 6. Februar 2022 im Vermont Magazine veröffentlichten Interview erinnerte sich Sandy Reynolds-Wasco daran, dass Jimmies Haus die einzige Kulisse des Films war, für die Tapete verwendet wurde. Sie beschrieb dies als bewusste Entscheidung, die mit der Angst der Figur vor seiner Frau zusammenhing. Das ist die Erklärung der Dekorateurin zu ihrer Arbeit; auch wer diesen Entstehungsprozess nicht kennt, kann die Wirkung wahrnehmen.
Das wiederkehrende Muster der Wände schafft eine belebte, wohnliche Fläche. Im Gegensatz zu den dunklen Anzügen der Neuankömmlinge macht es andere Vorlieben und Prioritäten sichtbar. Die Einrichtung gehört zur Welt des Hauses. Jimmie Dimmick kann die Männer empfangen, doch ihre Anwesenheit lässt die Umgebung nicht verschwinden, in der sie sich wie Gäste verhalten müssen und für die sich der Gastgeber verantwortlich fühlt.
Die Bilder aus Küche und Schlafzimmer zeigen außerdem Schränke, Lampen, Vorhänge und kleine Dekorationsstücke. Ihre Anordnung lässt den Raum nicht so wirken, als sei er eigens dafür eingerichtet worden, den Konflikt um das Auto zu lösen. Es gibt Flächen zum Kochen, zum Verstauen von Dingen oder zum Ausruhen. Die Szene kann diese Bereiche vorübergehend in Anspruch nehmen, weil ihre üblichen Funktionen im Bild bereits verständlich sind.
Bilderrahmen, Dekoration und Erinnerungsstücke mit eigenem Wert
Die Bilderrahmen im Hintergrund sind zunächst Zeichen eines Privatlebens. Größe und Platzierung der Bilder lassen erkennen, dass sie dafür ausgewählt wurden, dauerhaft im Haus zu bleiben, auch wenn ihr Inhalt nicht erklärt wird. Sie als Porträts bestimmter Familienmitglieder zu identifizieren, würde mehr Belege erfordern. Die Inszenierung nutzt ihre Präsenz, ohne jedes Bild zu einer biografischen Information zu machen.
Die Bettwäsche wird anders behandelt, weil Jimmie ihre Herkunft erklärt. Im abschließenden Dialog von 1994 wird erwähnt, dass sie ein Hochzeitsgeschenk von zwei inzwischen verstorbenen Verwandten war. Diese Information verleiht ihr einen emotionalen Wert, den die Besucher nicht allein an ihrem unmittelbaren Gebrauchswert messen können. Ein Haushaltsgegenstand bewahrt eine Verbindung zu abwesenden Menschen.
Der Unterschied zwischen Preis und Erinnerungswert verleiht dem Streit mehr Tiefe. Für diejenigen, die aus der Klemme herausmüssen, wirken die Besitztümer im Haus wie verfügbare Mittel. Für ihren Besitzer sind sie auch Teil einer gemeinsamen Vergangenheit. Das Gespräch zwingt dazu, diese unterschiedliche Sicht anzuerkennen, auch wenn die Dringlichkeit am Ende die Verhandlung bestimmt. Das Haus hat eine Geschichte, die den Protagonisten unbekannt ist und nicht verschwindet, nur weil sie es jetzt brauchen.
Die kleinen Gegenstände verstärken diese Wirkung auf einer anderen Ebene. Eine Lampe oder ein Dekorationsstück braucht keine erklärende Anekdote, um Beständigkeit zu vermitteln. Das Ensemble lässt auf wiederholte Entscheidungen und Vertrautheit mit dem Raum schließen. Indem die Besucher ihn mit einem fremden Notfall in Beschlag nehmen, wird deutlich, wie sehr ein häuslicher Alltag davon abhängt, dass andere ganz gewöhnliche Grenzen respektieren.
Bonnie ist in der Organisation des Raums präsent
Bonnies Einfluss auf die Szene ergibt sich vor allem aus ihrer Abwesenheit. Die Männer bemessen die verbleibende Zeit danach, wann sie zurückkommt, und Jimmie stellt sich vor, was er verlieren könnte. Die Situation mit Bonnie macht jeden Raum zu einem Teil eines häuslichen Countdowns. Die Kulisse trägt zu dieser Erwartung bei, denn sie wirkt wie ein Ort, an den jemand zurückkehren und sofort erkennen kann, was sich verändert hat.
Ihre Krankenschwesteruniform ist bei der kurzen Ankunft zu sehen, die Jules sich vorstellt, nicht als Bestätigung dafür, dass sie tatsächlich hereingekommen ist, während die Männer dort sind. Die Kleidung macht ihre Rückkehr von der Arbeit in dieser Vorstellung verständlich. Diese Passage mit einer tatsächlichen Ankunft zu verwechseln, würde den Sinn der Szene verändern: Die Figuren handeln angesichts einer befürchteten Möglichkeit.
Die Küche eignet sich für eine Diskussion, in der Gesten der Gastfreundschaft erhalten bleiben; das Schlafzimmer ermöglicht ein abgeschiedeneres Gespräch; der Hof zeigt die Besucher in einem weniger feierlichen Rahmen. Jeder Bereich wird entsprechend seiner üblichen Funktion genutzt. Der Humor entsteht aus dem Wechsel zwischen den Räumen und dem Verlust der Fassung bei Männern, die ihre Arbeit in einen Raum gebracht haben, der von ganz anderen Sorgen bestimmt wird.
Ein Foto des echten Hauses, das nach den Dreharbeiten aufgenommen wurde, kann helfen, Fenster, Türen oder die Aufteilung eines Raums wiederzuerkennen, vermittelt aber eine andere Art von Informationen als ein Filmstill. Möbel und Dekoration können sich verändert haben; eine erhaltene Wand ist kein Beleg dafür, dass auch alle Gegenstände noch vorhanden sind. Um die Ausstattung im Film zu untersuchen, ist die Anordnung während der Szene maßgeblich.
Außerdem sollte man zwischen dem Raum und den Aufgaben unterscheiden, durch die er gestaltet wird. David Wascos Szenenbild und Sandy Reynolds-Wascos Dekoration sind Teil einer gemeinsamen Arbeit, zu der auch Bildausschnitt, Beleuchtung und Bewegungen der Schauspieler gehören. Ein Wohnraum kann viele Gegenstände enthalten und dennoch dafür sorgen, dass in jeder Einstellung nur einige davon wahrnehmbar sind. In diesem Haus lässt die Kamera die Vertrautheit des Ganzen erkennen, während die Figuren im Gespräch und durch ihr Handeln diejenigen Besitztümer hervorheben, die während des Notfalls konkret an Bedeutung gewinnen.
