Daisy und die angebliche Colt Pocket 1849: eine nicht belegte Waffe

Die Annahme, Daisy habe eine Colt Pocket 1849 versteckt, wird durch die konsultierten Waffenverzeichnisse nicht gestützt. Ihre Handlungsfähigkeit hängt von konkreten Gelegenheiten ab, nicht von dieser geheimen Waffe.

Die vorgeschlagene Identifizierung ist nicht bestätigt

Im konsultierten illustrierten Waffenverzeichnis zu The Hateful Eight ist keine Colt Pocket 1849 aufgeführt, die Daisy Domergue zugeordnet wird. Der Film sollte nicht so erklärt werden, als hätte sie von Anfang an eine versteckte Taschenpistole bei sich, die sie einsetzt, als sie sich von John Ruth befreit. Diese Behauptung verbindet eine technische Identifizierung mit einer Requisitenkontinuität, für die jeweils eigene Belege nötig sind.

Da diese Zuordnung nicht belegt ist, lässt sich das Modell nicht so beschreiben, als sei sein Einsatz bei den Dreharbeiten dokumentiert. Die Beschreibung einer echten historischen Waffe würde nicht beweisen, dass Jennifer Jason Leigh sie in diesem Film benutzt hat. Die genaue Bezeichnung eines Gegenstands kann einer Szene den Anschein von Genauigkeit verleihen, obwohl man sich tatsächlich falsch an sie erinnert.

Auch nach Ruths Tod spielt die Kette noch eine Rolle

Die körperliche Verbindung zwischen John Ruth und Daisy bestimmt einen großen Teil ihrer Bewegungen. Die Gefangene kann sich nicht frei entfernen oder Entscheidungen treffen, ohne dass ihr Entführer eingreift. Nach Ruths Tod bleibt die Kette ein materielles Hindernis. Der Körper, der sie zuvor bewachte, ist nun auf andere Weise mit ihr verbunden.

Aus diesem Problem ergibt sich eine andere Handlung als das Hervorholen einer kleinen Geheimwaffe. Daisy muss Veränderungen der Situation und die Einschränkungen derer ausnutzen, die sie beobachten. Der Film richtet den Blick darauf, was sie erreichen kann, wer bei Bewusstsein ist und wie lange jemand braucht, um zu reagieren. Ihr Handlungsvermögen entsteht aus dieser unmittelbaren räumlichen Situation.

Waffen wechseln zwischen den Figuren und erfüllen je nachdem, wer die Kontrolle hat, unterschiedliche Funktionen. Dass Daisy sich zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Waffe verschaffen kann, beweist weder, dass sie ihr gehörte, noch, dass sie sie versteckt bei sich trug. Besitz, Zugang und Gebrauch sind unterschiedliche Fragen – besonders in einem Finale, in dem Körper und Gegenstände ihre ursprünglichen Positionen verlassen.

Daisys Bedrohlichkeit braucht keine erfundene Waffe

Daisy Domergueverfügt auch dann noch über Handlungsmöglichkeiten, wenn sie gefesselt oder bewacht wird. Sie beobachtet, hält Informationen zurück, verhandelt und wartet auf eine Gelegenheit. Ihre Gefährlichkeit auf eine nicht belegte Pocket Colt zu reduzieren, wird dieser Figurengestaltung nicht gerecht und ersetzt anhaltendes Verhalten durch ein imaginäres Accessoire.

Ebenso wenig lassen sich aus der Szene Einzelheiten zur Herstellung oder Funktionsweise der beim Dreh verwendeten Waffen ableiten. Für die Erzählung ist entscheidend, wann jemand bedrohlich werden kann und wann diese Fähigkeit wieder verloren geht. Eine Korrektur der Identifizierung ermöglicht es, diesen Wandel zu untersuchen, ohne ein technisches Inventar zu erfinden oder aus einer Frage zu Requisiten eine Anleitung zum Umgang mit Waffen zu machen.

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