Das Ende von The Hateful Eight: der Brief, der Galgen und die Überlebenden

Das Ende bringt Warren und Mannix angesichts einer Hinrichtung und eines Briefes zusammen, von dem beide wissen, dass er gefälscht ist. Ihre abschließende Übereinkunft löst die Konfrontation, lässt das unmittelbare Schicksal der beiden Männer jedoch offen.

Wer die letzte Konfrontation lebend erreicht

Im letzten Abschnitt von The Hateful Eight hat der Gemischtwarenladen jeden Anschein eines Zufluchtsorts verloren. John Ruth und O.B. sind gestorben, nachdem sie den vergifteten Kaffee getrunken haben; nach und nach werden die Mitglieder der Bande entlarvt, und der Schuss von unterhalb des Fußbodens verletzt Warren schwer. Auch Chris Mannix wird verletzt. Daisy, die noch verhandeln und nach einer Gelegenheit suchen kann, versucht, die körperliche Schwäche der beiden Männer auszunutzen.

Die Enthüllung des vergifteten Kaffees hatte den allgemeinen Verdacht zur Gewissheit eines organisierten Angriffs gemacht. Danach zeigt Jodys Auftauchen, dass sich an diesem Ort eine Bedrohung befand, mit der Warren nicht gerechnet hatte. Er war durchaus in der Lage, Gesten zu deuten und Widersprüche zu erkennen, doch verschaffte ihm das keinen vollständigen Überblick über den Ort. Durch seine Verletzung ist er nun unmittelbar auf Mannix angewiesen.

Daisy schlägt eine Vereinbarung vor, mit der sie ihre Gegner auseinanderbringen will. Sie bietet Vorteile an und droht damit, dass weitere Männer ihrer Bande eintreffen werden. Ihre Behauptungen sind Teil einer eigennützigen Verhandlung: Der Film zeigt weder, dass diese angebliche Gruppe draußen wartet, noch bestätigt er jedes Detail ihrer Erzählung. Um die Szene zu verstehen, muss man unterscheiden zwischen dem, was sie in diesem Moment tun kann, und dem, was die anderen ihrer Meinung nach glauben sollen.

Mannix lehnt ihr Angebot schließlich ab und arbeitet mit Warren zusammen. Die beiden beschließen, sie zu hängen, und greifen damit das Schicksal auf, das John Ruth für sie vorgesehen hatte. Am Ende hängt Daisy im Gemischtwarenladen, während die Männer blutüberströmt am Boden liegen. Der Sieg besteht darin, ihre Flucht zu verhindern und Vergeltung zu üben; er bietet weder einen sicheren Ausweg aus dem Gebäude noch eine Heilung der Verletzungen.

Ein Bündnis, das in gemeinsamer Gewalt endet

Das Bündnis zwischen Warren und Mannixbringt Männer zusammen, die ihre Vergangenheit im Bürgerkrieg und ihren offen geäußerten Rassismus entzweit. Ihre Zusammenarbeit löscht diese Unterschiede nicht rückwirkend aus. Sie entsteht durch eine gemeinsame Bedrohung und Entscheidungen unter Druck. Beide erkennen an, dass der jeweils andere dazu beigetragen hat, sie am Leben zu halten – doch dadurch wird ihre gesamte gemeinsame Vorgeschichte nicht nachträglich zu einem Missverständnis.

Das Erhängen wirft eine moralische Frage auf, die der Film nicht ausblendet. John Ruth brachte seine Gefangenen lebend zur Hinrichtung durch die Justizbehörden, doch im Gemischtwarenladen findet kein Prozess statt. Warren und Mannix greifen zu der Methode, die mit Ruth verbunden ist, während sie selbst unmittelbar am Konflikt beteiligt sind. Die Art der Tötung beschwört das Gesetz herauf; die konkreten Umstände gehören zu einer Vergeltungsaktion, die von verletzten Männern beschlossen wurde.

Die abschließende Verhandlung mit Daisymacht deutlich, warum das Ende nicht einfach einem Sieg über jemanden entspricht, der von Anfang an wehrlos war. Die Gefangene verfügt über Informationen, Komplizen und die Fähigkeit zur Manipulation. Ihre Gefährlichkeit anzuerkennen, bedeutet jedoch nicht, die Hinrichtung als unparteiische Gerechtigkeit zu bezeichnen. Der Film stellt ihre Verantwortung für Verbrechen neben das brutale Schauspiel, in dem ihre Gegner Befriedigung daraus ziehen, sie zu töten.

Die Zusammenarbeit hat auch eine körperliche Dimension. Warren kann den Raum nicht mehr wie zuvor beherrschen, und Mannix muss trotz seiner eigenen Verletzungen handeln. Die Körper setzen den Worten Grenzen und machen aus dem Pakt eine gemeinsame Anstrengung. Die Szene verschiebt die Frage von der Person mit dem überzeugendsten Argument hin zu der Frage, wer noch genug Kraft hat, um den Ausgang durchzusetzen.

Warum Mannix Lincolns Brief vorliest

Der Abraham Lincoln zugeschriebene Brief hatte Warren dabei geholfen, das Vertrauen weißer Männer zu gewinnen, insbesondere das von John Ruth. Später stellt sich heraus, dass er gefälscht ist. Am Ende bittet Mannix darum, ihn lesen zu dürfen, obwohl er um die Fälschung weiß. Der Brief dient nun nicht mehr als trügerischer Beweis für die Freundschaft mit dem Präsidenten, sondern wird zu einem Text, den beide teilen können, ohne über seine Echtheit zu streiten.

Dieser Wandel lässt eine ambivalente Deutung zu. Der Brief entwirft eine Anerkennung, die Warren in seinem Leben nur selten zuteilwird. Als Mannix ihn vorliest, beteiligt er sich für einen Moment an dieser Fiktion des Respekts. Doch die Szene spielt sich neben Daisys Leiche und nach einer Hinrichtung ab. Die zärtlichen Worte und die jüngste Gewalt bleiben miteinander verbunden, sodass der Film eine ausschließlich versöhnliche Deutung erschwert.

Mannix lobt die Ausgestaltung des Textes und wirft den Brief schließlich weg. Die Geste lässt sich als Anerkennung von Warrens Fähigkeit verstehen, eine nützliche Geschichte zu erfinden. Sie kann aber auch als Ende eines Bedürfnisses gelesen werden: Die beiden müssen nicht länger so tun, als beweise das Papier irgendetwas. Keine dieser Deutungen macht das Dokument wahr. Die Emotion des Augenblicks entsteht gerade dadurch, dass beide wissen, dass es erfunden ist.

Sterben Warren und Mannix? Der Film zeigt sie schwer verletzt und in einer prekären Lage, aber weder ihren Tod noch das spätere Eintreffen von Hilfe ausdrücklich. Ein düsteres Ende liegt nahe; einen Tod zu behaupten, der nicht gezeigt wird, beseitigt eine Mehrdeutigkeit, die der Schnitt bewahrt. Die abschließende Übereinkunft steht fest, während die unmittelbare Zukunft der beiden Körper außerhalb dessen bleibt, was wir sehen.

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