Was sich zwischen Roadshow, regulärem Kinostart und Episodenfassung ändert

The Hateful Eight wurde in mehreren Schnittfassungen und Präsentationsformen gezeigt. Ouvertüre, Pause und die Umstrukturierung in Episoden verändern das Erlebnis, doch nicht jeder Laufzeitunterschied geht auf bislang ungesehene Szenen zurück.

Die Roadshow als inszenierte Filmvorführung

Die Roadshow-Präsentation von The Hateful Eight war als Kinoveranstaltung mit musikalischer Ouvertüre und Pause konzipiert und mit der Veröffentlichung im 70-mm-Format verbunden. Die Kontinuitätsdokumentation gibt eine Laufzeit von etwa 187 Minuten einschließlich der längeren Pause an. Diese Zahl beschreibt die gesamte Vorführung nach dieser Berechnung. Sie bedeutet nicht, dass es 187 zusammenhängende Minuten erzählerischer Handlung gibt, die sich direkt mit einer beliebigen Heimvideofassung des Spielfilms vergleichen lassen.

Aus derselben Dokumentation lässt sich eine Laufzeit von ungefähr 175 Minuten ohne die zwölfminütige Pause ableiten. Die Ouvertüre ist in dieser Zeitangabe enthalten. Das erklärt einen Teil der unterschiedlichen Laufzeiten in verschiedenen Einträgen. Ein Programm kann die Zeit angeben, die das Publikum im Saal verbringt, während eine andere Angabe nur den Inhalt ohne Unterbrechung misst. Bevor man einen Unterschied als Kürzung interpretiert, sollte man prüfen, welche Elemente in die Laufzeitberechnung einfließen.

Die Ouvertüre versetzt das Publikum in eine bestimmte Hörstimmung, bevor die visuelle Erzählung beginnt. Die Filmmusik von Morriconekündigt eine Bedrohung an, die noch kein Gesicht hat. Die Pause wiederum unterbricht gemeinschaftlich eine Geschichte, die auf dem Warten beruht. Der Film hält inne, nachdem sich die Lage bereits deutlich zugespitzt hat, und kehrt mit einer neuen Verteilung von Informationen zurück. Das ist nicht mit einer Pause vergleichbar, die man zu Hause an einer beliebigen Stelle einlegt.

Die Vorführung im Ultra Panavision 70fügt eine weitere Dimension hinzu, die mit Filmkopie, Leinwand und Optik zusammenhängt. Format und Schnittfassung müssen jedoch weiterhin getrennt betrachtet werden. Eine digitale Vorführung kann Material aus einer längeren Fassung verwenden, und eine angegebene Laufzeit belegt für sich genommen nicht, dass die Vorführung auf 70-mm-Film stattfand. Die Bezeichnung Roadshow steht für ein Vorführkonzept und sollte nicht automatisch als Synonym für jede erweiterte Fassung verwendet werden.

Die Schnittfassung des regulären Kinostarts

Für den regulären Kinostart wurde eine Schnittfassung von ungefähr 167 Minuten verwendet, die je nach Rundung und Eintrag oft auch mit 168 Minuten angegeben wird. Ihr fehlt die vollständige Roadshow-Struktur mit Ouvertüre und Pause; außerdem unterscheidet sie sich in Inhalt und Laufzeit. Der Gesamtunterschied von etwa zwanzig Minuten entspricht nicht zwanzig Minuten entfallener Handlungsszenen. Ein erheblicher Teil entfällt auf die Pause und die musikalische Einführung, die getrennt berücksichtigt werden müssen.

Der Kern der Handlung bleibt erhalten: die Reise, die Ankunft bei Minnie, der Verdacht, die rückblickende Enthüllung und das Ende. Es handelt sich nicht um zwei Filme mit unterschiedlichen Tätern. Die Abweichungen betreffen das Tempo, die Dauer bestimmter Situationen sowie einige Dialogwechsel oder Einstellungen. Deshalb kann sich ein Zuschauer an dieselbe Geschichte erinnern und dennoch eine andere Dauer des Wartens erlebt haben. Die Schnittfassung bestimmt, wie viel Zeit einer Beziehung eingeräumt wird, bevor die nächste in den Mittelpunkt rückt.

Diese Unterscheidung verhindert auch, dass man die reguläre Fassung als fehlerhafte Kopie versteht, aus der ein Verleih willkürlich den Anfang entfernt hätte. Tarantino arbeitete mit zwei Präsentationsformen für unterschiedliche Vorführkontexte. Diese Entscheidung kann man je nach persönlicher Vorliebe diskutieren, sie ist jedoch Teil des Veröffentlichungsdesigns. Die kürzere Fassung verliert nicht automatisch ihren Status als autorisierte Schnittfassung, nur weil es eine andere mit aufwendigerem Vorführzeremoniell gibt.

Die Kapitelüberschriften gehören weiterhin zum Spielfilm. Sie sind nicht mit den Episoden zu verwechseln, die der späteren Fassung als zusätzliche Gliederung hinzugefügt wurden. Ein Kapitel ist eine interne Unterteilung der Erzählung, die Zeit, Perspektive oder Ton verändern kann. Eine Episode bildet darüber hinaus eine Wiedergabeeinheit mit eigenem Anfang und Ende. Der Film war bereits in Kapitel gegliedert, bevor eine Ausgabe für die Wiedergabe in mehreren Teilen vorbereitet wurde.

Die vierteilige Episodenfassung von 2019

2019 erschien auf Netflix eine Fassung mit vier Episoden. Tarantino erklärte gegenüber /Film, dass er sie gemeinsam mit dem Filmeditor Fred Raskin vorbereitet habe und sie neben zusätzlichem Material auch eine deutliche Umstrukturierung enthalte. Es ging nicht einfach darum, die Roadshow-Datei in vier Teile aufzuteilen. Die Episoden waren jeweils etwa fünfzig Minuten lang und hatten zusammen eine Laufzeit von ungefähr dreieinhalb Stunden. Diese Summe sollte jedoch ebenfalls nicht als exakte Angabe für die Zahl der im Vergleich zur Kinofassung neuen Szenen verstanden werden.

Das vom Regisseur angeführte Beispiel betrifft die Rückkehr zur Ankunft von Ruth und Daisy, nachdem man erfahren hat, was am Morgen geschehen ist. In der Episodenfassung wird diese Begegnung aus der Perspektive derjenigen, die den Hinterhalt vorbereitet hatten, ausführlicher erneut betrachtet. Das Ereignis ist wiederzuerkennen, doch das Wissen des Publikums verändert sich beim Zuschauen. Die Wiederholung kann neue Informationen vermitteln, ohne dass in jeder Sekunde eine noch nie gezeigte Handlung zu sehen ist: Derselbe Auftritt erhält eine andere Bedeutung, nachdem man den Plan kennt.

Die Gliederung in Episoden verändert die Aufmerksamkeitseinheiten. Jede Folge braucht einen Schluss, der zum Weiterschauen einlädt, und einen Anfang, der die Situation wieder aufgreift. Das unterscheidet sich davon, eine lange Vorführung im Kinosaal zu erleben, obwohl beide Fassungen auf denselben Dreharbeiten beruhen. Tarantinos Vorliebe für Zelluloidhinderte ihn nicht daran, mit einer anderen Anordnung seines Materials zu experimentieren. Es sind Entscheidungen zu unterschiedlichen Aspekten: zum Vorführmedium und zur zeitlichen Struktur.

Die drei hilfreichen Bezeichnungen sind also: Roadshow mit Ouvertüre und Pause, regulärer Kinostart mit etwa 167 Minuten und die vierteilige Episodenfassung von 2019. Die kommerzielle Verfügbarkeit hängt vom Land, dem Zeitpunkt und der jeweiligen Ausgabe ab; dieser historische Überblick garantiert nicht, dass die Fassung derzeit auf einer Plattform verfügbar ist. Um eine Kopie zu vergleichen, genügt es, mit den Angaben im Abspann, der Gliederung und der ausgewiesenen Laufzeit zu beginnen – ohne anzunehmen, dass „Extended“ immer dieselbe Schnittfassung bezeichnet.

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