Eine Verfolgungsjagd oder ein Kampf erfordern Vorarbeit zwischen Darstellern, Stuntleuten und Kamera. Dashnaw und Bell haben innerhalb dieser Zusammenarbeit unterschiedliche Aufgaben übernommen.
Jeff Dashnaw war Stuntkoordinator bei Death Proof. Zoë Bell, die in dem Film als Schauspielerin und Stuntfrau mitwirkte, übernahm die Stuntkoordination bei Once Upon a Time in... Hollywood. Zwischen diesen beiden Filmen liegt eine berufliche Beziehung zu Tarantino, die weitere Mitwirkungen und Aufgaben umfasst. Es ist wichtig, die einzelnen Tätigkeiten genau zu benennen: Schauspielern, als Double einspringen und ein Team koordinieren sind keine gleichbedeutenden Aufgaben, auch wenn ein und dieselbe Person sie im Laufe ihrer Karriere übernehmen kann.
Die Koordination organisiert, wie eine geschriebene Actionsequenz in eine Szene umgesetzt wird, die vorbereitet und gedreht werden kann. Dafür muss man verstehen, was die Szene vermitteln soll, und mit denjenigen zusammenarbeiten, die ihre körperlichen Anforderungen kennen. Das fertige Bild kann Improvisation, Überraschung oder Leichtigkeit vermitteln; dahinter steckt eine Zusammenarbeit, die eine Aktion für die Kamera wiederholbar machen soll. Das Ergebnis zu würdigen, bedeutet nicht, die Gefahr körperlicher Verletzungen als Beweis für künstlerische Authentizität darzustellen.
Death Proof: Körper, Fahrzeuge und Vertrauensverhältnisse
Death Proof verankert die Arbeit von Stuntleuten in der Fiktion. Stuntman Mike macht sie zu einem Teil seiner Selbstdarstellung, während mehrere Frauen beruflich mit dem Kino verbunden sind. Körperliches Geschick bestimmt jedoch nicht automatisch die Moral einer Figur. Mike macht sein Auto zu einem Instrument der Aggression; später kehren die Frauen das Verhältnis zwischen Verfolgen und Verfolgtwerden um. Die Action muss diesen Wandel sichtbar machen.
Dashnaw koordinierte die Stuntarbeit des Films. In einem Interview mit Birth.Movies.Death. aus dem Jahr 2019 nannte Bell außerdem Tracy Keehn-Dashnaw als Stuntfahrerin, die Tracie Thoms in der Autoszene doubelte. Diese Erwähnung hilft, einer häufigen Vereinfachung entgegenzuwirken: Wenn man eine Darstellerin in einem Fahrzeug sieht, bedeutet das nicht, dass alle anderen Fahr- und Koordinationsaufgaben ebenfalls bei ihr liegen.
Der Leitfaden zu Death Proofgeht näher auf den Aufbau der Verfolgungsjagd ein. Aus beruflicher Sicht ist interessant, wie bei einer Aktion Menschen mit unterschiedlichen Aufgaben im selben Bild oder bei dessen Vorbereitung zusammenkommen. Das Verhältnis zwischen der Person am Steuer und derjenigen in einer exponierten Position ist Teil einer Gemeinschaftsleistung. Das Publikum kann sich auf eine sichtbare Person konzentrieren, doch die Umsetzung der Szene hängt von einer umfassenderen Organisation ab.
Die Kamera muss außerdem genug Kontinuität zeigen, damit wir Entfernungen und Richtungen nachvollziehen können. Nähert sich ein Fahrzeug, muss die Gefahr im Verhältnis zum anderen Fahrzeug erkennbar sein. Der Schnitt kann die Intensität steigern, ersetzt aber nicht sämtliche räumlichen Informationen. Koordination, Fahren und Kameraarbeit gehen derselben dramatischen Frage nach: Was kann einem Körper zustoßen, wenn sich die Position der Fahrzeuge um ihn herum verändert?
Zoë Bell: Von der Ausführung von Stunts zur Koordination in Hollywood
Bell doubelte Uma Thurman in den Actionszenen von Kill Bill und baute anschließend eine Karriere auf, die Schauspiel und Koordination umfasst. Das Porträt von Zoë Bell und Tarantinobeleuchtet diese verschiedenen Seiten. Ihre Arbeit an Hollywood erfordert besondere Aufmerksamkeit für die technische Verantwortung: Cliff Booth, die Hauptfigur, ist ein fiktiver Stuntman, doch der Film muss sein Können durch Aktionen eines echten Teams sichtbar machen.
Cliffs Zugang zum Dach lenkt den Blick auf eine körperliche Fähigkeit, die zu seinem Alltag zu gehören scheint. Es gibt weder einen Gegner vor ihm noch eine Menschenmenge, die ihm zusieht: Er muss eine alltägliche Aufgabe erledigen. Diese dramatische Entscheidung zeigt sein Geschick jenseits eines Kampfes. Die Bewegung setzt einen trainierten Körper mit der Architektur des Hauses in Beziehung und deutet Möglichkeiten an, die die Geschichte später nutzen wird.
Das Ergebnis charakterisiert Cliff, ohne die Szene zu einer ausgedehnten Zurschaustellung zu machen. Seine Leichtigkeit in der Bewegung lässt vermuten, dass er an Aufgaben gewöhnt ist, die andere für schwierig halten würden. Diese körperliche Selbstverständlichkeit steht im Gegensatz zu seiner beruflichen Unsicherheit: Er kann kompetent sein und trotzdem nicht genug Arbeit finden. Der Film unterscheidet zwischen Können, Ruf und Gelegenheit. Die Arbeit der Stuntleute trägt ebenso zu dieser Charakterisierung bei wie die Dialoge über seine Vergangenheit.
Bei den Kämpfen stellt sich eine andere Frage. Eine Figur kann schnell, unbeholfen, übertrieben oder kontrolliert agieren, und diese Unterschiede müssen in der Action erhalten bleiben. Die Koordination hilft dabei, dramatische Eigenschaften in verständliche Bewegungen zu übersetzen. In Hollywood lässt sich Cliffs Verhalten nicht einfach durch eine Liste von Techniken erklären: Es hängt vom jeweiligen Moment, vom Gegner und davon ab, wie er die Bedrohung einschätzt. Die Action steht in engem Zusammenhang mit seiner Persönlichkeit.
Das Team würdigen, ohne die Fiktion zum Dokumentarfilm zu machen
Die Dreharbeiten innerhalb von Hollywood zeigen Hierarchien und berufliche Konflikte, sollten aber nicht als wörtliche Beschreibung von Tarantinos Team verstanden werden. Randy, der fiktive Koordinator, gespielt von Kurt Russell, ist kein dokumentarisches Abbild von Dashnaw. Auch Janet, gespielt von Bell, bildet die berufliche Identität der Frau, die sie verkörpert, nicht vollständig ab. Die Trennung zwischen Figur und realer Arbeit ist bei einem Film über die Filmindustrie besonders wichtig.
Die Arbeit der Stuntleutemacht es möglich, die Unterschiede zwischen körperlichem Schauspiel, dem Einsatz eines Doubles und Koordination genauer zu betrachten. In diesem Fall stehen Dashnaw und Bell für eine kontinuierliche Zusammenarbeit, bei der sich die Verantwortlichkeiten verändert haben. Ihre Filmcredits helfen zu verstehen, wer die jeweilige Produktion organisiert hat; in Interviews lassen sich einzelne Entscheidungen nachvollziehen. Der fertige Film vermittelt weiterhin den Eindruck von Geschwindigkeit, Kraft oder Leichtigkeit, während die professionelle Arbeit dafür sorgt, dass diese Qualitäten einer gemeinsamen dramatischen Absicht folgen.
Weitere Informationen: Tarantinos Filmteam.
