Heimann, Davis und Phillips: Tarantinos Figuren einkleiden

Kostüme bringen einen Körper mit seiner Arbeit, seinen Möglichkeiten und dem Bild, das er vermitteln möchte, in Beziehung. Diese Zusammenarbeiten zeigen, wie sich diese Beziehung von Film zu Film verändert.

Betsy Heimann entwarf die Kostüme für Reservoir Dogs und Pulp Fiction, Sharen Davis für Django Unchained und Arianne Phillips für Once Upon a Time... in Hollywood. Anhand dieser Arbeiten lassen sich drei wichtige Zusammenarbeiten vergleichen, ohne ihnen die gesamte Filmografie Tarantinos zuzuschreiben. Bei anderen Filmen waren andere Fachleute beteiligt: Eine hilfreiche Einordnung muss sowohl die Bedeutung dieser Namen als auch die Grenzen ihrer jeweiligen Mitwirkung berücksichtigen.

Kleidung kann eine Gruppe kennzeichnen, einen Wunsch zum Ausdruck bringen oder verraten, dass jemand einer anderen Generation angehört. Sie muss den Schauspielern außerdem Bewegungsfreiheit lassen und es der Geschichte ermöglichen, Veränderungen festzuhalten: Ein sauberes Hemd bedeutet nach einem Angriff nicht mehr dasselbe. Kostümdesign im Film arbeitet mit dieser Dauer. Sein Ergebnis lässt sich nicht vollständig verstehen, wenn man ein Kleidungsstück losgelöst von den Handlungen und Beziehungen betrachtet, in denen es vorkommt.

Betsy Heimann und die Identität der Anzüge

Die Männer in Reservoir Dogs haben ein gemeinsames formelles Erscheinungsbild, das auf dunklen Anzügen, hellen Hemden und Krawatten beruht. Diese Ähnlichkeit verleiht ihnen eine gemeinsame visuelle Identität, bevor die Erzählung ihre Unterschiede offenlegt. Ihre Farbnamen stehen im Kontrast zu ihrer vergleichsweise einheitlichen Kleidung. Das Publikum kann die Gruppe als professionelle Einheit wahrnehmen, auch wenn sich bald zeigt, dass dieser Zusammenhalt auf brüchigen Absprachen und gefährlichem Nichtwissen beruht.

Die Einheitlichkeit lässt die einzelnen Körper nie ganz verschwinden. Jeder Schauspieler trägt den Anzug anders: Alter, Haltung, Körperfülle und Bewegungsdrang unterscheiden sich. Der Film macht diese Unterschiede sichtbar, ohne für jeden Mann ein spektakuläres Kostüm zu benötigen. Sobald Wunden und Flecken auftauchen, verliert das Ensemble seine anfängliche Makellosigkeit. Die Kleidung, die zunächst Kontrolle ausstrahlte, zeigt schließlich die materiellen Folgen des Überfalls.

In Pulp Fiction führen Jules und Vincent die Verbindung zwischen Anzug und krimineller Arbeit fort, geraten aber auch in Situationen, die ihre visuelle Autorität zunichtemachen. In geliehener Kleidung aufzutauchen verändert ihre Wirkung auf andere. Der Wechsel löscht ihre Vergangenheit nicht aus und verwandelt Gefahr auch nicht in Unschuld; er macht sichtbar, dass sie die Kontrolle über ihr eigenes Bild verloren haben. Die Komik entsteht zum Teil aus dem Abstand zwischen dem, was sie zu sein glauben, und ihrem jetzigen Erscheinungsbild.

Mia Wallace vereint auf andere Weise Schlichtheit und Ausdruckskraft. Das helle Hemd und die dunkle Hose lassen Gesicht, Haare und Bewegung hervortreten. In Interviews erläuterte Heimann Mias visuelle Beziehung zu den Männern aus Reservoir Dogs. Dieser fachliche Bezug hilft, das Design zu verstehen, darf aber nicht zu einer biografischen Verbindung zwischen den Figuren umgedeutet werden. Die Kleidung schafft Ähnlichkeiten in der Haltung, belegt jedoch nicht, dass die Figuren dieselbe fiktive Vergangenheit teilen.

Sharen Davis und die Möglichkeit, das eigene Erscheinungsbild zu wählen

In Django Unchained wird die Wahl der Kleidung zu einem Ereignis. Ein Mann, der die Sklaverei erlitten hat, erhält die Möglichkeit, sich auf neue Weise zu präsentieren. Der auffällige blaue Anzug ist nicht bloß ein humoristischer Einfall: Er macht eine persönliche Entscheidung sichtbar, die andere Figuren beurteilen können, die er aber nun selbst zu treffen beginnt. Seine grelle Farbe steht im Kontrast zum Verlust an Selbstbestimmung, der seine frühere Lage prägte.

In ihren Erläuterungen zum Film stellte Davis den Entwurf in Bezug zu Thomas Gainsboroughs The Blue Boy. Der bildnerische Bezug macht aus dem Kostüm keine wortgetreue Rekonstruktion des Lebens eines versklavten Mannes in den Vereinigten Staaten. Es ist Teil einer Fiktion, die Geschichte, Abenteuer und visuelle Erinnerung miteinander verbindet. Das Kostümdesign von Sharen Davis in Django Unchainedarbeitet die Details dieses Konzepts und seine späteren Veränderungen aus.

Djangos Entwicklung besteht nicht darin, dass ein extravagantes Kleidungsstück durch ein angeblich angemessenes ersetzt wird. Er lernt vielmehr, sein Erscheinungsbild in unterschiedlichen Situationen einzusetzen. Manchmal muss er eine Position behaupten, manchmal eine Rolle spielen, die ihm hilft, Broomhilda näherzukommen. Sich zu kleiden kann Freiheit ausdrücken und zugleich zur Strategie werden. Der Film hält diese Spannung zwischen eigener Identität und gesellschaftlicher Rolle aufrecht.

Die übrigen Figuren helfen, dieses System zu verdeutlichen. Candies Eleganz gehört zu einer Struktur aus Reichtum und Herrschaft; Schultzs Eleganz passt zu einem Beruf, der Glaubwürdigkeit und Bewegungsfreiheit verlangt. Ein Vergleich ihrer Kleidung macht Machtunterschiede verständlich, ohne zu unterstellen, dass gepflegte Kleidung stets Tugendhaftigkeit oder abgetragene Kleidung moralische Authentizität beweist. Das Kostüm ordnet die Figuren ein, aber ihr Verhalten entscheidet darüber, was sie aus dieser Position machen.

Arianne Phillips und die Generationen Hollywoods

Once Upon a Time... in Hollywood muss seine Figuren im Jahr 1969 zusammenführen, ohne sie wie Angehörige desselben Stammes wirken zu lassen. Rick Dalton hält an Vorstellungen von beruflich geprägter Männlichkeit fest, die mit seiner früheren Karriere verbunden sind. Cliff wirkt praktischer und entspannter. Sharon Tate verkörpert eine zeitgenössische Lebendigkeit, ohne als abstrakter Ausdruck des ganzen Jahrzehnts erscheinen zu müssen. Phillips arbeitet mit diesen Unterschieden in Erfahrung, Möglichkeiten und öffentlicher Sichtbarkeit.

Der Film enthält außerdem Kostüme im Kostüm: Rick verwandelt sich in Rollen, die er vor einer fiktiven Kamera spielt. Ein Anzug kann entweder der Figur gehören, der wir folgen, oder der Gestalt, die diese Figur bei ihrer Arbeit verkörpert. Durch diese Doppelung erkennen wir den Schauspieler auch dann wieder, wenn sich sein Aussehen verändert. Die Abstimmung mit der Bildgestaltung in Hollywoodhilft, die verschiedenen Bildebenen voneinander zu unterscheiden, ohne sie ständig durch Dialog erklären zu müssen.

Das Kostüm und die Identität der Figurwirft hier drei verschiedene Fragen auf: die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, das Erarbeiten eines Erscheinungsbilds und den Umgang mit dem Lauf der Zeit. Heimann, Davis und Phillips finden für jede davon eigene Lösungen. Ihre Kostüme bleiben im Gedächtnis, weil sie im Film etwas bewirken: Sie begleiten Körper, die Autorität verlieren, neue Möglichkeiten entdecken oder versuchen, weiterhin erkannt zu werden.

Weitere Informationen: Tarantinos Filmcrew.