Rick Daltons Cadillac: Luxus, Abhängigkeit und Filmgeschichte

Rick Dalton besitzt einen geräumigen, auffälligen Cadillac, sitzt jedoch meist auf dem Beifahrersitz. Das Auto vermittelt seinen wirtschaftlichen Status und macht zugleich deutlich, wie sehr er darauf angewiesen ist, dass Cliff ihn durch Los Angeles fährt.

Ein Auto für einen Star, der noch im Geschäft ist

Rick Daltons Auto ist ein Cadillac Coupe DeVille aus dem Jahr 1966. Seine helle, je nach Lichteinfall cremefarbene bis blassgelbe Lackierung und seine stattlichen Maße machen ihn bei Fahrten durch Los Angeles zu einem unverkennbaren Anblick. Das Auto ist kein neutrales Detail des Straßenverkehrs. Der Film nutzt es, um den Status eines Schauspielers zu zeigen, der fürchtet, an Bedeutung zu verlieren, aber noch immer über die Mittel und sichtbaren Zeichen des Erfolgs verfügt.

Das Baujahr des Modells ist für eine Geschichte wichtig, die 1969 spielt. Das Auto gehört nicht zu einer weit zurückliegenden Vergangenheit der Figur: Es ist ein relativ aktuelles Fahrzeug, das zu jemandem passen könnte, der über Jahre hinweg Geld verdient hat. Der Fahrzeugkoordinator Steven Butcher erklärte, diese Überlegung habe die Wahl beeinflusst. Rick kann sich beruflich bedroht fühlen, ohne sofort sein Haus, sein Auto und den Lebensstil zu verlieren, den er sich zuvor aufgebaut hat.

Der Cadillac trägt dazu bei, die Kluft zwischen Angst und materiellem Ruin aufrechtzuerhalten. Rick spricht davon, dass seine Karriere ins Stocken gerät, fährt aber weiterhin ein Auto, das für Komfort und Prestige steht. Dieser Widerspruch hilft dem Publikum, seine Angst zu verstehen, ohne sie mit Cliffs finanzieller Lage zu verwechseln. Die beiden teilen Gespräche und Arbeit, doch ihre Lebensumstände und ihr Besitz unterscheiden sich weiterhin deutlich.

Der geräumige Innenraum ermöglicht auch eine besondere Form des Miteinanders. Die Männer können sich von einer Seite zur anderen unterhalten, während die Stadt an ihnen vorbeizieht. Das Fahrzeug vereint Intimität und Öffentlichkeit: Sie sind vom Straßenlärm abgeschirmt, fahren aber weiterhin durch die Orte, an denen die Branche entsteht, die sie beschäftigt. Der Film macht die Fahrt zu einem Teil ihrer Beziehung, statt sie nur als Weg zur nächsten wichtigen Szene zu nutzen.

Rick gehört das Auto, Cliff bestimmt die Fahrt

Cliff Boothfährt gewöhnlich den Cadillac, weil Rick nach Vorfällen im Zusammenhang mit Alkohol der Führerschein entzogen wurde. Dadurch wird aus einem Luxusobjekt ein Bild der Abhängigkeit. Der Besitzer kann entscheiden, wohin er möchte, braucht aber seinen Freund, um dorthin zu gelangen. So reicht ihre berufliche Beziehung über die Risikoszenen hinaus: Cliff kümmert sich auch um alltägliche Aspekte von Ricks Leben.

Der Beifahrersitz versetzt Rick Daltonin eine Position, die Verletzlichkeit zulässt. Er kann über seine Ängste sprechen, sich beklagen und auf eine Reaktion hoffen, während ein anderer Mann auf die Straße achtet. Cliff hört zu, ohne stets den Ernst an den Tag zu legen, mit dem Rick seine eigene Krise betrachtet. Beim Fahren kann dieser Temperamentsunterschied in einem gemeinsamen, vertrauten Raum zum Vorschein kommen, ohne dass jedes Gespräch in eine direkte Konfrontation mündet.

Auch die finanzielle Ungleichheit bestimmt nicht vollständig, wer für wen sorgt. Rick bezahlt Cliff und verschafft ihm Arbeit, doch Cliff bringt praktische Fähigkeiten ein, auf die der Schauspieler angewiesen ist. Der Cadillac macht diese gegenseitige Abhängigkeit sichtbar: Er gehört dem einen und ist im Alltag dank des anderen nutzbar. Mit einer so alltäglichen Geste wie jemanden abzuholen zeigt der Film, dass ihre Freundschaft mit einem Arbeitsverhältnis verflochten ist, das sich nur schwer davon trennen lässt.

Wenn Cliff seinen eigenen Volkswagen fährt, ändern sich die Dimensionen des Fahrzeugs und der Fahrt. Dieser Unterschied macht deutlich, dass der Cadillac zu Ricks Welt gehört und kein beliebiges Auto ist, das beide unter gleichberechtigten Bedingungen gemeinsam nutzen. Der Fahrer kennt beide Welten: Er kann das Auto eines Stars fahren und danach in eine weitaus bescheidenere Wohnung zurückkehren. Die Fahrten machen eine soziale Distanz spürbar, die durch persönliche Nähe nicht verschwindet.

Ein Wagen, der schon in Reservoir Dogs zu sehen war

Butcher bestätigte, dass der Cadillac eine Vorgeschichte in Tarantinos Filmen hat: Das Auto gehörte Michael Madsen und war in Reservoir Dogs zu sehen. Das Team holte es zurück und restaurierte es für den neuen Film; außerdem stand ein Duplikat zur Verfügung. Die materielle Kontinuität geht über eine zufällige Übereinstimmung von Marke oder Baujahr hinaus. Es handelt sich um ein Objekt, das in einer anderen Fiktion erneut zum Einsatz kommt.

Diese Herkunft macht Rick Dalton und Mr. Blonde nicht zu aufeinanderfolgenden Besitzern innerhalb derselben erzählten Chronologie. Die Filme setzen das Auto für unterschiedliche Figuren und Situationen ein. Die Verbindung besteht auf Ebene der Produktion und in der Erinnerung von Zuschauern, die davon wissen. Sie als Handlungskonnex zu verstehen, würde dem Fahrzeug eine Geschichte andichten, die keiner der beiden Filme erzählen muss.

Das Beispiel erweitert auch die Diskussion über Autos im Tarantino-Universum. Ein Auto kann Zeitkolorit, Charakterisierung und Erinnerungen an frühere Filme vermitteln, ohne auf einen technischen Datenblatt-Eintrag reduziert zu werden. In diesem Fall sind seine Größe und sein Komfort ebenso wichtig wie seine Herkunft. Durch die Restaurierung wirkt das Objekt so, als gehöre es ganz selbstverständlich ins Jahr 1969, während seine alltägliche Nutzung es mit den besonderen Bedürfnissen von Rick und Cliff verbindet.

Am Ende charakterisiert der Cadillac eher eine Beziehung, als dass er eine Sammlerrarität zur Schau stellt. Rick bewahrt sich den Luxus, Cliff sorgt dafür, dass es weitergeht; beide teilen den Raum, in dem sie mit einer Vertrautheit miteinander sprechen, die sie außerhalb des Autos nicht immer finden. Die Verbindung zu Reservoir Dogs fügt für jene, die sie erkennen, eine weitere Ebene hinzu. Die Hauptfunktion bleibt jedoch auch ohne dieses Wissen klar: Ein Auto für einen Star bringt zwei Männer ans Ziel, deren Freundschaft teilweise davon abhängt, dass der eine den anderen weiterhin von einem Ort zum nächsten fährt.

Weitere Hintergründe bietet der Leitfaden zu Once Upon a Time in Hollywood.