Damon Herriman spielt Charles Manson in einer kurzen Szene der Kinofassung. Ihre Bedeutung hängt weniger davon ab, wie viel er sagt, als davon, wohin er kommt und was die Zuschauer bereits über ihn wissen.
Ein Besucher fragt nach jemandem, der dort nicht mehr wohnt
Charles Manson kommt zum Anwesen am Cielo Drive und fragt nach Terry Melcher. Man erklärt ihm, dass der frühere Bewohner dort nicht mehr lebt. Die unmittelbare Situation könnte sich bei jedem Mieterwechsel ereignen: Jemand kennt eine Adresse, taucht dort auf und erfährt, dass seine Informationen veraltet sind. Unbehagen entsteht, weil viele Zuschauer den Besucher erkennen und diesen Auftritt mit den Ereignissen im August 1969 in Verbindung bringen, während die Figuren noch einen ganz gewöhnlichen Tag erleben.
Melcher war Musikproduzent und hatte das Haus vor Sharon Tate und Roman Polanski bewohnt. Diese Information erklärt den unmittelbaren Grund für die Frage, ohne ihn zum Eigentümer des Anwesens zu machen. Außerdem wird dadurch klar, dass Manson nicht nach einem fiktiven Filmstar sucht. Er wendet sich an einen konkreten Ort in der Kulturszene, mit der er vertraut war. Die Szene verbindet eine frühere Beziehung mit einem Haus, in dem inzwischen ein anderer Alltag herrscht.
Die Begegnung findet am Zugang zum Anwesen statt und bleibt von den privaten Räumen getrennt, die der Besucher erreichen möchte. Die Tür, der Weg und die Personen, die ihm antworten, markieren eine sichtbare Grenze. Manson beherrscht weder das Innere noch wird er willkommen geheißen. Sein Auftauchen hinterlässt dennoch einen Eindruck von diesem Ort: Das Haus, das wir mit Musik, Freundschaften und unbeschwerter Bewegung verbinden, kann auch von jemandem ausfindig gemacht werden, der dieser Lebenswelt nicht angehört.
Der Film ordnet diesen Besuch dem Handlungsblock im Februar zu. Es gibt historische Berichte über einen Besuch Mansons auf dem Anwesen im März 1969, doch beide Ebenen sollten nicht miteinander verschmolzen werden, als wäre jedes Datum der Erzählung eine dokumentarische Wiedergabe. Tarantino verwendet einen wiedererkennbaren historischen Anknüpfungspunkt innerhalb einer eigenen zeitlichen Anordnung. Die Szene behält die Frage nach Melcher und das Gefühl des verwehrten Zutritts bei, während ihre Position den Anforderungen der Fiktion folgt.
Die Bedrohung entsteht durch Wiedererkennen, nicht durch eine Rede
Herriman hat nur wenig Zeit, um die Präsenz der Figur zu gestalten. Sein Aussehen, seine Art zu beobachten und die Unbehaglichkeit der Begegnung genügen, um ihn von einem freundlichen Besucher zu unterscheiden. Er muss weder ein kriminelles Vorhaben erläutern noch seine Vergangenheit erzählen. Diese Knappheit lässt die Zuschauer mit einer Asymmetrie zurück: Wer die Geschichte kennt, bringt eine Bedeutung ein, die die Menschen in der Szene in diesem Moment nicht unbedingt teilen.
Die Wirkung hängt davon ab, was die Zuschauer wissen. Wer Manson erkennt, erlebt den Besuch als Einbruch der Zukunft in eine unbeschwerte Gegenwart. Wer ihn nicht erkennt, nimmt ihn als Anomalie wahr, die später einen Sinn ergeben kann. Der Film lässt beide Erfahrungen zu, ohne die Figur zu einer biografischen Fallakte zu machen. Seine Kürze lenkt die Aufmerksamkeit auf die Menschen, die im Haus leben, statt dem Besucher sofort den Mittelpunkt der Erzählung zu überlassen.
Der Film zeigt hier auch nicht, wie Manson seine Anhänger überzeugt, und rekonstruiert nicht die Vorbereitung des Verbrechens. Aus diesem Gespräch eine vollständige Kausalkette abzuleiten, wäre übertrieben. Die Frage nach Terry verbindet eine Person mit einem Ort; für sich genommen erklärt sie nicht alle späteren Entscheidungen. Der Schnitt hält eine Distanz zwischen dem historischen Wissen des Publikums und den tatsächlich dargestellten Handlungen aufrecht. So kann die Bedrohung bestehen, ohne jede Minute der Erzählung einzunehmen.
Der Besuch von Cliff auf der Spahn Ranchentwickelt eine andere Form des Unbehagens. Dort begegnen wir den Anhängern, ihrem Alltag und dem Druck, den sie auf einen Fremden ausüben. Manson muss nicht persönlich anwesend sein, damit die Gruppe bedrohlich wirkt. Die beiden Sequenzen ergänzen einander: Die eine zeigt den Anführer kurz vor einem Wohnhaus; die andere ein Umfeld, das unter einer Autorität funktionieren kann, die außerhalb des Bildes bleibt.
Eine kleine Rolle, die den Verbrecher nicht zur Hauptfigur macht
Die Länge der Rolle steckt den Rahmen für die Art von Film ab, den wir sehen. Once Upon a Time in... Hollywood widmet weite Passagen einem Arbeitstag, einer Autofahrt oder einem Kinobesuch. Im Gegensatz zu dieser Fülle alltäglicher Momente hat Manson nur einen kurzen Auftritt. Das lässt sich als bewusste Verteilung der Aufmerksamkeit lesen: Sharons Leben und die Erlebnisse von Rick und Cliff werden nicht auf ein langes Vorspiel zur Biografie des Verbrechers reduziert.
Das bedeutet nicht, dass sein Einfluss verschwindet. Im Finale treten Anhänger auf, die in seinem Sinne handeln, und die Vertrautheit des Publikums mit ihren Namen steigert die Spannung. Der Film kann eine Bedrohung sichtbar machen, ohne sich in der zentralen Figur zu verlieren. Im Finale und seiner historischen Abweichungverlagert sich das entscheidende Geschehen auf diejenigen, die angreifen, und diejenigen, die darauf reagieren. Der kurze Besuch zuvor dient als Verbindung, nicht als Versprechen einer Hauptrolle, das die Erzählung einlösen müsste.
Herriman spielte Manson auch in Mindhunter, einer unabhängigen Produktion mit einem anderen biografischen Zeitpunkt und einer anderen dramatischen Gestaltung. Dasselbe Besetzungsmitglied macht aus den beiden Auftritten keine Szenen derselben Kontinuität. In Tarantinos Film kommt es auf die konkrete Funktion dieses Besuchs an: Ein Mann erscheint und fragt nach jemandem, der nicht da ist, und lässt die Zuschauer ein bewohntes Haus mit anderen Augen sehen. Die Verstörung hält auch nach seinem Weggang an, gerade weil der Alltag weitergeht, nachdem er gegangen ist.
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