Pussycat verbindet die Straßen von Los Angeles mit der Spahn Ranch. Ihre Begegnung mit Cliff beginnt als zwangloses Gespräch und endet damit, dass eine Grenze sichtbar wird.
Eine wiederkehrende Erscheinung auf Cliffs Wegen
Pussycat, gespielt von Margaret Qualley, ist eine junge Frau, die in Once Upon a Time... in Hollywood zur Manson-Gemeinschaft gehört. Ihre Auftritte auf der Straße gehen der Fahrt mit Cliff voraus, sodass die Begegnung nicht völlig aus dem Nichts kommt. Durch die Wiederholung entsteht Wiedererkennung: Für den Stuntman ist sie keine Fremde unter vielen mehr, sondern jemand, den er bereits gesehen hat.
Die Figur fungiert als Verbindungsglied. Cliff ist beruflich und aus Gewohnheit in Los Angeles unterwegs; sie hält sich an den Rändern der Stadt auf, trampt und ist mit anderen jungen Frauen unterwegs. Ihre Wege kreuzen sich, ohne dass einer von beiden nach einem außergewöhnlichen Abenteuer zu suchen scheint. Der Film nutzt die alltägliche Bewegung durch die Stadt, um den Protagonisten an einen Ort heranzuführen, dessen Atmosphäre sich deutlich von den hell erleuchteten Straßen unterscheiden wird.
Man sollte sie nicht automatisch mit einer bestimmten historischen Person gleichsetzen. Der Film verwendet reale Namen, Spitznamen und Figuren, die in unterschiedlichem Maß zusammengesetzt oder fiktiv sind. Pussycat erfüllt in diesem Gefüge eine erkennbare dramaturgische Funktion, doch eine biografische Entsprechung lässt sich nicht allein aus Ähnlichkeiten im Aussehen oder Verhalten ableiten. Wer sie als Figur analysiert, kann sich darauf konzentrieren, was sie tut, ohne ihr eine nicht gezeigte persönliche Geschichte anzudichten.
Qualley erzeugt den ersten Eindruck durch eine Mischung aus Unbekümmertheit und scheinbarer Vertrautheit. Sie spricht mit Cliff, als könne sich sofort Vertrautheit einstellen. Diese Ungezwungenheit macht das Gespräch reizvoll, deutet aber zugleich ein Merkmal der Gruppe an: die Einladung, einer Gemeinschaft beizutreten, die eigene Regeln zu haben scheint und deren Nähe jedem offensteht, der diese Regeln akzeptiert.
Das Gespräch im Auto und Cliffs Grenzen
Während der Fahrt versucht die junge Frau, ihn zu verführen. Cliff fragt nach ihrem Alter und weigert sich, mit ihr Sex zu haben, solange er sich nicht sicher sein kann, dass sie volljährig ist. So zeigt der Film eine klare Grenze in einem Gespräch, das zunächst widerstandslos zu verlaufen schien. Diese Zurückweisung macht ihn nicht automatisch zu einem absoluten moralischen Vorbild; sie beschreibt eine konkrete Entscheidung in einer konkreten Situation.
An der Begegnung lässt sich beobachten, wie beide um die Kontrolle ringen. Pussycat gibt den Ton vor und deutet körperliche Nähe an; Cliff behält das Steuer in der Hand, bestimmt, wie weit er sich darauf einlässt, und lenkt das Gespräch auf praktische Dinge. Keiner von beiden beherrscht den Austausch vollständig. Hinter der scheinbaren Leichtigkeit werden fortwährend Erwartungen aufeinander abgestimmt, und interessant ist an der Figur, wie sie reagiert, als sie nicht die erwartete Antwort erhält.
Für Cliff Booth hat das Ziel einen beruflich vertrauten Bezug. Er kennt die Ranch aus seiner Vergangenheit als Drehort, weshalb die Fahrt nicht bedeutet, dass er sich blindlings an einen völlig unbekannten Ort begibt. Pussycat führt ihn über eine alte Landschaft zu einer für ihn neuen Gemeinschaft. Das erklärt, warum er sie mitnehmen kann und anschließend beginnt, dem zu misstrauen, was er dort vorfindet.
Im Auto kann das Gespräch weitergehen, während sich die Landschaft verändert. Die Szene führt von einer offenen urbanen Geselligkeit zum Versprechen eines abgelegenen Ortes. Dieser Übergang ist eher erzählerisch als symbolisch: Die Figur liefert einen konkreten Grund dafür, dass Cliff zur Ranch gelangt. Ohne ihre Bitte hätte der Stuntman keinen unmittelbaren Anlass, von seiner Route abzuweichen und das Anwesen zu besuchen.
Wenn Gastfreundschaft Gehorsam voraussetzt
Bei seiner Ankunft scheint Pussycat ihn als Gast willkommen zu heißen. Doch die Begrüßung wird angespannt, als Cliff darauf besteht, sich nach dem Zustand von George Spahn zu erkundigen. Die Frage nach dem Besitzer bringt eine Verpflichtung ins Spiel, mit der die junge Frau nicht gerechnet hatte. Der Besucher nimmt die Darstellung der Gruppe nicht länger einfach hin, sondern verlangt, sich selbst ein Bild zu machen. Nun zeigt sich, an welche Bedingungen das anfängliche Vertrauen geknüpft ist.
Der Besuch auf der Spahn Ranch macht sichtbar, wie sich ihre Loyalität verändert. Pussycat wendet sich nicht von der Gemeinschaft ab, um sich auf die Seite des Mannes zu stellen, den sie gerade erst kennengelernt hat. Ihr Ärger über Cliffs Misstrauen zeigt, dass sie einem stärkeren Beziehungsgefüge angehört als dem Flirt während der Fahrt. Die Gastfreundschaft hat eine Grenze: Sie schließt es aus, diejenigen infrage zu stellen, die dort leben.
Durch diese Veränderung ist die Figur mehr als nur eine junge Frau, die den Protagonisten an einen Schauplatz führt. Ihre Reaktion zeigt, dass sie sich mit der Gruppe identifiziert und das Bedürfnis hat, sie zu verteidigen. Der Film führt nicht vollständig aus, wie sie in diese Position gelangt ist, zeigt aber, was es kostet, sie zu überschreiten: Für Cliff wird aus einem gern gesehenen Begleiter jemand, der die gemeinsame Erzählung der Gemeinschaft bedroht.
Die Vergangenheit der Ranch als Filmkulisse und ihre Nutzung durch die Manson-Familie bilden den Hintergrund dieser Spannung. Pussycat steht für den gegenwärtigen Alltag dort, während Cliff mit beruflichen Erinnerungen ankommt. Der Konflikt erfordert nicht, dass sie einen geheimen Plan enthüllt. Es genügt, dass eine scheinbar unverbindliche Einladung keine mehr ist, sobald der Gast eine unbequeme Frage stellt. So bilden die anfängliche Sympathie und die spätere Feindseligkeit zwei zusammenhängende Seiten ihrer Funktion in der Szene, verbunden durch eine Zugehörigkeit, die sie nie infrage stellt.
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