Butch wählt das Katana aus Pulp Fiction aus, nachdem er in einem Pfandleihhaus einen Hammer, einen Baseballschläger und eine Kettensäge begutachtet hat. Das Schwert beendet seine Suche und begleitet ihn zurück in den Keller, um Marsellus zu retten. Die Entscheidung zu helfen, ist bereits gefallen, als er mit der Auswahl beginnt: Butch war schon am Ausgang angekommen und hatte angehalten, bevor er ging.
Diese Reihenfolge ist wichtig, um den Gegenstand zu deuten. Das Katana verleiht dem Eingreifen eine sichtbare Form, während die ethische Entscheidung darin besteht, zu jemandem zurückzukehren, den er hätte zurücklassen können. Die Szene nimmt sich für beides Zeit: Zuerst unterbricht sie die Flucht; dann zeigt sie, wie Butch die Möglichkeiten verwirft, bis eine übrig bleibt. Die Wahl der Waffe tritt hervor, weil der Film sie mit den zuvor gezeigten Gegenständen vergleichen lässt.
Die Bedeutung ergibt sich aus diesem konkreten Ablauf. Die Sequenz verknüpft die Wahl eines Gegenstands mit einer Rettungsaktion und einem bekannten Bild aus dem Actionkino. Das Katana bleibt nicht nur wegen des Moments in Erinnerung, in dem es auftaucht, sondern auch wegen dessen, was Butch nach seiner Wahl tut.
Das Katana bildet den Abschluss einer Auswahl aus vier Gegenständen in Pulp Fiction – Quentin Tarantino, 1994. Butch findet es, als er nach etwas sucht, mit dem er in den Keller zurückkehren kann. Interessant an der Sequenz ist, wie viel Zeit sie dieser Suche einräumt und wie sie den letzten Gegenstand von den verworfenen abhebt.
Die Reihenfolge: Hammer, Baseballschläger, Kettensäge und Katana
Die endgültige Kontinuitätsfassung von Words in Pictures aus dem Juli 1994 hält diese Reihenfolge im veröffentlichten Schnitt fest:
- Hammer: Butch hebt ihn auf, betrachtet ihn und legt ihn wieder hin.
- Baseballschläger: Er begutachtet ihn und verwirft auch ihn.
- Kettensäge: Er hält sie in der Hand, bevor er sich für einen anderen Gegenstand entscheidet.
- Katana: Er nimmt es, zieht es aus der Scheide und kehrt damit zurück.
Die ersten Entscheidungen etablieren ein wiederkehrendes Muster: aufheben, abwägen und zurücklegen. Mit jedem Austausch bleibt die Suche offen und das Publikum erwartet eine weitere Möglichkeit. Beim Schwert endet dieses Warten. Butch hört auf, die Fundstücke zu begutachten, und macht sich wieder auf den Weg in den Keller. Der letzte Gegenstand wird mit einer Handlung verbunden, die sich von den vorherigen unterscheidet.
Dank der vielfältigen Auswahl im Laden lassen sich Werkzeuge, ein Sportartikel und ein Schwert zusammenbringen, ohne die Figur an einen anderen Schauplatz zu versetzen. Für einen Moment rückt das Warenangebot des Ladens in den Mittelpunkt. Diese Verfügbarkeit macht die Improvisation sichtbar: Butch muss aus dem wählen, was dort vorhanden ist, nachdem er gefangen genommen wurde und sich befreien konnte.
Die Entscheidung zur Rückkehr fällt vor der Wahl des Schwerts
Bevor er mit der Suche beginnt, erreicht Butch Coolidge den Ausgang und hält inne. Dieser Moment trennt die unmittelbare Flucht von dem Eingreifen, das er gleich vornehmen wird. Das Schwert taucht auf, nachdem er seine Richtung bereits geändert hat. Ihm allein eine moralische Wandlung zuzuschreiben, würde daher die Reihenfolge der Ereignisse umkehren: Butch entscheidet sich zuerst dafür, nicht zu gehen und Marsellus zurückzulassen.
In der Szene im Pfandleihhaus ergibt sich die Bedeutung der Rettung aus der Beziehung zwischen den beiden Gefangenen. Butch kehrt zu dem Mann zurück, der ihn verfolgt hatte, obwohl er selbst bereits gehen könnte. Mit der Wahl des Gegenstands setzt er diese Entscheidung in Gesten fort: Er bereitet seine Rückkehr vor, statt seinen Vorteil sofort zu nutzen, um aus dem Laden zu fliehen.
Das Katana macht diese neue Absicht deutlich erkennbar, als Butch damit die Treppe hinuntergeht. Der Flüchtige, der einen Ausgang gesucht hatte, kehrt zurück und ist nun bereit einzugreifen. Er muss nicht in einer Rede erklären, wozu er sich entschieden hat: Der Weg zur Tür, die Suche und die Rückkehr bilden eine nachvollziehbare Abfolge. Der Gegenstand verbindet die Vorbereitung mit der Handlung, auf die wir warten.
Durch die Rückkehr kann Marsellus Wallace aus seiner Lage befreit werden. Butch greift Maynard an, und Marsellus kann wieder gegen Zed vorgehen. Die Wahl des Gegenstands macht den Boxer nicht zum alleinigen Akteur des Ausgangs: Seine Rückkehr eröffnet eine Möglichkeit, die der andere Gefangene nutzen kann.
Das Filmbild und die Grenzen des Requisits
Hammer, Baseballschläger und Kettensäge haben alltägliche Verwendungszwecke, die nichts mit dem Kampf zu tun haben; das Schwert führt eine Silhouette ein, die unverkennbar als Waffe zu erkennen ist. Als Abschluss der Reihe lenkt es die Aufmerksamkeit auf Butch, der für die Rückkehr gerüstet ist. Die Pause, in der er es aus der Scheide zieht, hebt diese Wahl von den Gegenständen ab, die er nur kurz in der Hand gehalten und wieder weggelegt hat.
Eine Regieanweisung im Entwurf von Pulp Fiction im Archiv von IMSDb vergleicht Butch mit dem Schauspieler Ken Takakura, während er das Schwert hält. In dieser geschriebenen Fassung begleitet der Vergleich seine Rückkehr in den Keller.
Eine Deutung im Sinne der Ehre kann sich auf die Entscheidung stützen, den Feind zu retten, ohne Butch deshalb zum Samurai zu machen oder ihm einen bestimmten historischen Ehrenkodex zuzuschreiben. Der Wert der Handlung zeigt sich darin, was er für Marsellus tut. Das Schwert unterstreicht diesen Moment visuell, ohne die frühere Gewalt der Figur auszulöschen.
Was das Requisit betrifft, zeigt die Szene ein Schwert mit Scheide, nennt jedoch weder Hersteller noch Modell oder Herkunft. Die Bezeichnung Katana dient dazu, es innerhalb der Handlung zu erkennen; sie authentifiziert kein antikes japanisches Stück und belegt auch nicht, welche Materialien während der Dreharbeiten verwendet wurden. Auch eine kommerzielle Replik kann diese Angaben zum gefilmten Gegenstand nicht ergänzen.
Während der Auswahl halten die Geräusche aus dem Keller präsent, was Butch dort zurückgelassen hat. Die endgültige Kontinuitätsfassung hält fest, dass Zed und Maynard zu hören sind, während er die Gegenstände begutachtet. Dadurch wirkt die Suche nicht wie eine Pause ohne Bezug zur Gefangenschaft: Die Situation dauert an, obwohl sich das Bild auf den Laden konzentriert.
So nimmt das Publikum zwei Rhythmen gleichzeitig wahr. Oben folgt eine Reihe kleiner Entscheidungen, bei denen Gegenstände aufgehoben und wieder weggelegt werden. Unten besteht weiterhin eine Bedrohung, deren Auflösung noch aussteht. Die Zeit, die Butch für die Auswahl braucht, erhöht die Spannung, weil das Publikum weiß, dass er noch zurückkehren muss. Es ist nicht nötig, immer wieder in den Keller zurückzuschneiden, um diese Dringlichkeit aufrechtzuerhalten.
Der Einsatz des Tons verhindert außerdem, dass der Laden wie ein vollständig sicherer Ort wirkt. Butch kann sich bewegen und die Waren durchsuchen, doch die Entführer sind weiterhin in der Nähe und aktiv. Seine relative Bewegungsfreiheit im Laden besteht neben dem, was aus einem anderen Raum zu hören ist. Die Auswahl findet in dieser unangenehmen Nähe statt.
