Der Morgen von Butch und Fabienne im Motel nimmt eine Wendung, als er seine Uhr im Koffer sucht und feststellt, dass sie nicht da ist. Bis dahin sprechen sie darüber, aufzustehen, sich anzuziehen und vor der Abreise zu frühstücken. Durch das Vergessen muss Butch entscheiden, ob er die Stadt auch ohne diesen persönlichen Gegenstand verlassen kann oder ob er zu der Wohnung zurückkehrt, in der man nach ihm suchen könnte.
Ausgangspunkt des Streits ist ein unterschiedlicher Informationsstand: Butch hatte darum gebeten, die Uhr mitzunehmen, gibt aber zu, nicht erklärt zu haben, wie wichtig sie ihm persönlich war. Fabienne glaubt, sie eingepackt zu haben, wird jedoch zunehmend unsicher, je mehr er darauf besteht. Die Suche endet in einem Gewaltausbruch, der ihr Angst macht. Darauf folgen Butchs Eingeständnis und eine Änderung der Pläne.
Die Szene macht diese Veränderungen innerhalb desselben Zimmers sichtbar. Auf Küsse und Scherze beim Aufwachen folgen immer aggressivere Fragen. Dann hört Butch auf, sie zu beschimpfen, und erklärt, was er vorhat. Fabienne weist auf die Gefahr einer Rückkehr hin. Ihre Sorge fließt unmittelbar in die Entscheidung ein, mit der der Aufenthalt endet.
Das Aufwachen und das geplante gemeinsame Frühstück
In Pulp Fiction (Quentin Tarantino, 1994) wacht Butch erschrocken auf, während Fabienne den Fernseher eingeschaltet hat. Sie fragt ihn nach seinem Traum; er versteht die Frage so, als ginge es um den Film. Das kurze Missverständnis klärt sich auf, als Fabienne erklärt, was sie gemeint hat. Butch sagt, er könne sich nicht an den Traum erinnern.
Das Gespräch führt mit einem belanglosen Austausch in den Morgen. Fabienne kommt ans Bett, küsst Butch und fordert ihn auf, aufzustehen. In der Episode mit der goldenen Uhrbietet dieser Moment eine Pause nach der Nacht des Kampfes. Die beiden haben ein Zimmer, in dem sie ihre Abreise vorbereiten können, und scherzen noch über das Frühstück.
Es ist kurz vor neun Uhr morgens, und ihr Plan sieht einen Zug um elf vor. Fabienne kündigt an, dass sie Blaubeerpfannkuchen mit Ahornsirup, Eier und Würstchen möchte, dazu Saft, Kaffee und Kuchen. Die Aufzählung hält die angenehme Erwartung aufrecht, während Butch sich anzieht. Sie essen noch nicht, sondern überlegen, was sie nach dem Verlassen des Motels machen werden.
Butch beteiligt sich am Gespräch, kommentiert die Kuchenauswahl und sucht zwischen dem Gepäck nach seinen Sachen. Die Frage nach der Uhr unterbricht den Austausch. Derselbe Koffer, der ihnen die Abreise erleichtern sollte, wird nun zum Problem: Sie prüfen, ob ein persönlicher Gegenstand an dem Ort zurückgeblieben ist, von dem sie sich entfernen müssen.
Von der Suche nach der Uhr zu Fabiennes Einschüchterung
Zunächst antwortet Fabienne, die Uhr sei bei den anderen Sachen. Butch findet sie nicht und beginnt, Gegenstände aus dem Koffer zu nehmen. Seine Frage bekommt eine andere Bedeutung: Er fragt nicht mehr, wo er suchen soll, sondern ob sie die Uhr eingepackt hat. Er verlangt eine eindeutige Antwort, während sie versucht, sich zu erinnern.
Fabiennes Unsicherheitwird in ihren Antworten deutlich. Zuerst glaubt sie, die Uhr mitgenommen zu haben; als Butch sie unter Druck setzt, behauptet sie, es getan zu haben, und gibt dann zu, sich nicht sicher zu sein. Später erklärt sie, dass sie die Uhr gesehen und gedacht habe, sie eingepackt zu haben. Die Szene hält den Unterschied fest zwischen der Erinnerung, die Uhr gesehen zu haben, und der Gewissheit, sie tatsächlich mitgenommen zu haben.
Dann bringt Butch den Gegenstand mit seinem Vater in Verbindung. Das Publikum kennt diesen Hintergrund bereits, Fabienne hat in diesem Gespräch jedoch nicht dieselbe Erklärung erhalten. Die Symbolik der goldenen Uhrhilft zu verstehen, warum Butch sie höher bewertet als den Rest des Gepäcks. Diese Priorität wird genau in dem Moment deutlich, in dem er ihr vorwirft, die Uhr vergessen zu haben.
Butchs Reaktion schlägt von Fragen in Gewalt um. Er wirft den Fernseher und beschimpft Fabienne. Sie schreit, weicht in eine Ecke zurück und stößt dabei eine Lampe um. Die Einstellungen ihrer Reaktion zeigen, welche Angst Butch ihr macht. Der Streit verändert bereits, wo sie sich im Zimmer aufhalten kann.
Bruce Willis und Maria de Medeiros verleihen diesem Ungleichgewicht körperlichen Ausdruck. Butch nimmt mit der Bewegung des Fernsehers und seinen Schreien den Raum ein; Fabienne versucht, Abstand zu gewinnen, und bleibt in der Ecke. Auslöser des Streits ist weiterhin ein fehlender Gegenstand, doch die unmittelbare Folge steht Butch vor Augen: Er hat der Person Angst gemacht, von der er Antworten verlangt.
Das Eingeständnis und die Entscheidung zurückzukehren
Butch hört auf, Fabienne zu beschimpfen, setzt sich und beginnt, die Verantwortung für das Vergessen neu zu bewerten. Er räumt ein, dass er sie gebeten hatte, viele Sachen mitzunehmen, und dass er zwar die Uhr erwähnt, aber nicht erklärt hatte, wie viel sie ihm bedeutete. Sein Eingeständnis besteht darin, diesen Mangel an Erklärung anzuerkennen. Er sagt nicht, dass er sie nie gebeten hätte, die Uhr mitzunehmen.
Dieser Unterschied ist wichtig für das Verständnis der Szene: Fabienne konnte von dem Auftrag wissen, ohne die absolute Priorität zu verstehen, die Butch dem Gegenstand beimaß. Schließlich spricht Butch aus, was er als gemeinsame Information vorausgesetzt hatte. Fabienne entschuldigt sich, doch er sagt, sie müsse das nicht tun. Das Gespräch wird fortgesetzt, während Fabienne nach dem Schreck noch immer auf Abstand bleibt.
Anschließend kündigt Butch Coolidgean, dass er zur Wohnung zurückmuss. Fabienne erinnert ihn daran, dass die Gangster dort nach ihm suchen könnten. Mit ihrer Frage benennt sie das Risiko des Plans und zeigt, dass sie die Lage während der Flucht versteht. Butch antwortet, er werde nachsehen, was los ist, und wieder wegfahren, wenn er die Situation nicht bewältigen kann.
Die Rückkehr ist also eine Entscheidung, die Butch trifft, nachdem Fabienne ihn auf die Gefahr hingewiesen hat. Er lässt ihr Geld fürs Frühstück da und nimmt seine Honda. Aus dem geplanten gemeinsamen Frühstück wird eine vorübergehende Trennung: Fabienne kann an ihrem unmittelbaren Morgenplan festhalten, während er einen Abstecher macht, der bei der vorgesehenen Abreise nicht eingeplant war.
Als Butch allein im Wagen sitzt, beschwert er sich erneut darüber, dass die Uhr vergessen wurde. Er betont, dass er sie und ihren Aufbewahrungsort erwähnt hatte. Damit setzt sich sein Ärger nach dem Gespräch im Motel fort: Fabienne gegenüber hat er eingeräumt, ihren persönlichen Wert nicht erklärt zu haben; außerhalb des Zimmers wirft er ihr weiterhin vor, sie nicht mitgenommen zu haben.
Beide Aussagen können nebeneinander bestehen, weil sie unterschiedliche Aspekte des Auftrags betreffen. Sich an einen Gegenstand zu erinnern und zu erklären, warum er Vorrang vor allen anderen hat, ist nicht dasselbe. Der Film lässt beide Versionen hören, ohne eine frühere Szene zu zeigen, anhand derer sich die ursprünglichen Anweisungen Wort für Wort rekonstruieren ließen.
Auch beim Abschied kommt das Frühstück als konkretes Thema wieder auf. Butch lässt Fabienne Geld da und verspricht ihr scherzhaft, bald zurückzukommen. Sie nimmt ihn beim Wort. Der Ton wird milder, doch der Schnitt zum Wagen zeigt, dass sein Ärger anhält. Diese Verbindung zwischen den Szenen verhindert den Eindruck, sein Eingeständnis habe den Zorn sofort verschwinden lassen.
