Esmeralda Villalobos, im Abspann als Esmarelda aufgeführt, fährt das Taxi, in dem Butch Coolidge nach dem Boxkampf das Gelände verlässt. Angela Jones spielt eine Frau, die wissen möchte, was jemand empfindet, der gerade einen anderen Menschen getötet hat. Ihr Fahrgast hat eine Antwort, die sie hören möchte, auch wenn seine unmittelbaren Sorgen darin bestehen, sich umzuziehen und weiter zu fliehen.
Die Taxifahrerin ergreift im Gespräch die Initiative. Sie erkennt den Zusammenhang zwischen ihrem Fahrgast und dem Kampf, hakt nach, als er ironisch antwortet, und teilt ihm eine Nachricht mit, die er noch nicht kennt. Ihre Neugier lenkt den Austausch auf die Gefühle des Boxers. Das sportliche Ergebnis und der Grund für seine überstürzte Abreise treten während dieser Fragen in den Hintergrund.
Jones verbindet ihr beharrliches Nachfragen mit einer ruhigen und bisweilen amüsierten Art zu antworten. Esmeralda kann ein unangenehmes Thema ansprechen und sich anschließend auf ein Gespräch über ihre Namen einlassen. Durch diese Wechsel und die konkrete Vereinbarung mit Butch bei der Ankunft am Motel lernen wir sie während der Fahrt kennen.
In Pulp Fiction (Quentin Tarantino, 1994) hört Esmeralda im Radio, dass Floyd Wilson nach dem Kampf gestorben ist. Sie sitzt in der Nähe des Geländes im Taxi. Als Butch einsteigt, weiß sie bereits etwas, das er noch nicht erfahren hat. Im Gespräch wird dieser Wissensunterschied deutlich.
Was sie über Floyds Tod wissen möchte
Das Radio teilt dem Publikum im Handlungsstrang um die goldene Uhr das Ergebnis des Kampfes mit. Die Kommentatoren spekulieren sogar darüber, was Butch bei seiner Abreise wusste. Esmeralda hat den Boxer vor sich und kann ihn danach fragen. Durch ihren Einwurf wird die Nachricht mit einer konkreten Reaktion verknüpft, nachdem der Film den Kampf selbst nicht gezeigt hat.
Zunächst möchte sie, dass Butch bestätigt, wer er ist. Er zieht gerade seine Handschuhe aus und antwortet sarkastisch, doch sie hakt so lange nach, bis sie eine klare Antwort erhält. Dann sagt sie ihm, dass er seinen Gegner getötet hat. Butchs Überraschung und sein kurzer Ausdruck des Bedauerns um Floyd zeigen, dass ihn die Nachricht gerade erst erreicht hat.
Esmeralda fragt, wie es sich anfühlt, jemanden zu töten. Als sie präzisiert, was sie wissen möchte, meint sie, durch körperliche Gewalt den Tod eines Menschen verursacht zu haben. Der Boxer stellt ihre Neugier infrage; sie lacht und erklärt, sie habe noch nie jemanden getroffen, der getötet hat. Für sie bietet diese Begegnung die Gelegenheit, jemandem zuzuhören, der diese Erfahrung gerade gemacht hat.
Butch bietet an, mit ihr zu reden, wenn sie ihm eine Zigarette gibt. Esmeralda reicht sie ihm und zündet ihm ein Streichholz an. Das Gespräch dreht sich kurz um ihre Namen, bevor es wieder zum ursprünglichen Thema zurückkehrt. Trotz seiner ironischen Antworten und des Themenwechsels lässt sie mit ihrer Frage nicht locker. Die Zigarette sorgt für eine Pause, in der er wieder zu Atem kommt.
Die Antwort unterscheidet zwischen dem Erleben eines Ereignisses und dem Wissen um dessen Ausgang. Butch sagt, er habe erst von Floyds Tod erfahren, als Esmeralda es ihm mitgeteilt habe; anschließend räumt er ein, dass er deswegen kein schlechtes Gewissen habe. Diese Antwort gibt er noch im Taxi. Später, während eines Telefonats mit Scotty, macht er sich über seinen Gegner lustig und interessiert sich für das Wettgeld.
Esmeraldas Fragen geben Einblick in einen Teil des Charakters von Butch Coolidge: Er kann kurz Bedauern zeigen und es sofort wieder beiseiteschieben. Die Fahrerin möchte eine persönliche Schilderung des Geschehenen. Sie erfährt, dass er nach eigener Aussage kaum Schuld empfindet – eine Antwort, die sich deutlich von einer Rekonstruktion des Kampfes oder einer Erklärung seines Fluchtplans unterscheidet.
Angela Jones und der Umgang mit ihrem Fahrgast
Jones trägt die Szene, indem sie ihre Frage wiederholt und aufmerksam auf die Antworten eingeht. Als Butch sich über ihre Neugier wundert, verhindert ihr Lachen, dass seine Bemerkung das Gespräch unterbricht. Esmeralda erklärt ihr Interesse und fragt erneut. Ihre Gelassenheit steht im Kontrast zu den angestrengten Atemzügen und Bewegungen des Fahrgasts, der sich auf dem Rücksitz weiter umzieht.
Am Steuer bleibt zwischen den beiden körperlicher Abstand. Die Einstellungen wechseln zwischen ihren Gesichtern, während draußen die Lichter vorbeiziehen. Sie fährt und unterhält sich mit ihm; er ist auf die Fahrt angewiesen, um sich zu entfernen. Ihre Aufmerksamkeit entsteht im Rahmen dieser Dienstleistung, die Zeit für ein Gespräch lässt – eines, das während Butchs Flucht aus dem Gebäude kaum möglich wäre.
Als sie am Motel ankommen, nennt Esmeralda den Fahrpreis. Butch bezahlt und bietet ihr zusätzliches Geld dafür an, dass sie verschweigt, wen sie gefahren hat. Die Taxifahrerin antwortet scherzhaft, sie habe andere Fahrgäste befördert. Der Humor macht deutlich, dass sie die Bitte versteht und bereit ist, darauf einzugehen. Butch gibt ihr den Geldschein, und sie verabschieden sich. Ihre Zusammenarbeit wird mit dieser Vereinbarung am Ende der Fahrt besiegelt.
Auf dem Taxiausweis kann Butch den Namen Esmeralda Villalobos lesen. Er fragt, ob sie Mexikanerin sei, und sie stellt klar, dass der Name spanisch ist, sie selbst aber aus Kolumbien kommt. Diese Korrektur ergänzt eine persönliche Information, ohne den Ton des Gesprächs zu unterbrechen. Esmeralda antwortet klar auf die Vermutung ihres Fahrgasts und nimmt seine Bemerkung darüber, wie ungewöhnlich ihm der Name vorkommt, gelassen auf.
Danach fragt sie, wie er heißt und was Butch bedeutet. Damit kehrt sich die Richtung des Gesprächs um: Nun muss der Boxer erklären, unter welchem Namen er sich vorstellt. Seine Antwort macht aus der Bedeutung amerikanischer Namen einen Scherz und führt das Thema nicht weiter aus. Sie hatte eine konkrete Information über ihre Herkunft gegeben; er zieht es vor, das Gespräch wieder auf das zurückzuführen, wonach er sie fragen wollte.
Auch der Abschied setzt diesen sprachlichen Wechsel fort. Butch spricht sie auf Französisch an, und Esmeralda antwortet ihm auf Spanisch und verwendet dabei ebenfalls seinen Namen. Das kleine Wortspiel begleitet die Bezahlung und beendet die Begegnung, bevor der Boxer das Motel betritt.
