Die Besetzungen von Django Unchained und The Hateful 8 haben Nebendarsteller gemeinsam, aber keine einheitliche Geschichte vom Aufstieg aus der Statisterie.
Zwei Werdegänge, die nicht beim selben Fernsehen beginnen
Lee Horsley spielt Sheriff Gus in Django Unchained und Ed in The Hateful 8. Craig Stark ist in Django als Tommy Gilles und als Fußgänger zu sehen und in The Hateful 8 als Chester Charles Smithers. Anhand der Credits lässt sich eine konkrete Kontinuität nachverfolgen, doch sie stützen nicht die Vorstellung, dass alle einst dialoglose Statisten waren, die Tarantino auf dieselbe Weise beförderte.
Horsleys bekannteste Fernsehrollen liegen vor allem in den 1980er-Jahren. Matt Houston startete 1982, Paradise gegen Ende jenes Jahrzehnts. Ihn schlicht als Fernsehgesicht der 1970er-Jahre zu bezeichnen, würde seine berufliche Laufbahn zeitlich verschieben. Die Verbindung zum Western lässt sich durch belegbare Arbeiten herstellen, ohne alle erfahrenen Schauspieler zu Vertretern derselben Generation zu machen.
Stark hat einen anderen Werdegang und muss diese Biografie nicht teilen, um Teil der Besetzungen zu sein. Sie gemeinsam zu betrachten ist wegen ihrer Mitwirkung in beiden Filmen sinnvoll, nicht weil sie auf identischen Wegen dorthin gelangt sein müssen. Die Unterschiede zeigen, dass eine wiederkehrende Filmcrew sehr unterschiedliche berufliche Erfahrungen vereinen kann.
In einem Western haben Nebenrollen eine räumliche und gesellschaftliche Funktion. Sie machen deutlich, wer eine Stadt kontrolliert, wer unterwegs arbeitet oder wer zu einer Geschichte gehört, die eine andere Figur erzählt. Diese Informationen nehmen nicht immer eine lange Szene ein, tragen aber dazu bei, dass die Welt über die Hauptfiguren hinaus Beziehungen erkennen lässt.
Horsley: eine lokale Autorität und ein Mann vom Weg
Sheriff Gus in Django Unchained ist dabei, als Django und Schultz auf die örtliche Autorität treffen. Horsley muss schnell eine klar erkennbare Position vermitteln. Amt, Auftreten und Verhältnis zum Schauplatz lassen erkennen, mit welcher Art von Ordnung die Neuankömmlinge es zu tun haben, noch bevor die Erzählung unser Wissen über diesen Mann vervollständigt.
Für diese Wirkung braucht es keine ausführliche Biografie. Ein Sheriff kann voraussetzen, dass er Anweisungen geben kann und man ihm gehorcht. Die Selbstsicherheit, mit der er die Situation beherrscht, trägt dazu bei, dass Schultzs Eingreifen das Kräfteverhältnis verändert. Horsley verleiht der Figur in einer Sequenz ein klares Profil, die gerade mit den Unterschieden zwischen äußerem Anschein, Amt und Vorgeschichte spielt.
Ed in The Hateful 8 hat eine andere Funktion. Er ist der Kutscher, der mit der Reise verbunden ist, die in der Rekonstruktion der Ereignisse vor der Ankunft der Hauptgruppe gezeigt wird. Seine Anwesenheit macht deutlich, dass es im Gasthaus und auf den Wegen schon vor der Isolation, die den Film bestimmt, einen gewöhnlichen Alltag gab.
Der Rollenwechsel ist wichtig, denn Horsleys Rückkehr macht ihn nicht jedes Mal zu einer neuen Version eines Gesetzeshüters. Ed gehört zur Transportarbeit und zum Verkehr von Menschen. Seine Stellung in der Erzählung ergibt sich aus einer praktischen Aufgabe, seiner Beziehung zu den Reisenden und dem Zeitpunkt, zu dem der Film ihn zeigt.
Der Wechsel vom Sheriff zum Kutscher verschiebt den Schwerpunkt seiner Rolle: Im einen Fall verkörpert er eine Autorität, die Gehorsam erwartet, im anderen einen Arbeiter, der Reisende befördert und zum Alltag auf dem Weg gehört. Horsley fügt sich in beide Bereiche ein, ohne jeden Auftritt zur Zurschaustellung seiner Erfahrung zu machen.
Stark und die Frage, wie eine erzählte Geschichte dargestellt wird
Craig Stark ist in Django in einem Nebenabschnitt der Kopfgeldjägerhandlung zu sehen. Sein Eintrag als Tommy Gilles steht nicht für einen ausgedehnten Auftritt wie bei Schultz oder Calvin Candie. Der Film setzt zahlreiche Figuren mit kurzen Auftritten ein, um einer Handlung Kontinuität zu verleihen, die sich über aufeinanderfolgende Begegnungen entfaltet.
In The Hateful 8 spielt er Chester Charles Smithers, den Sohn des Generals. Sein Auftritt hängt mit Marquis Warrens Erzählung darüber zusammen, was ihm zugestoßen ist. Daher muss man zwischen dem Bild, das wir sehen, und einer historischen Bestätigung innerhalb der Fiktion unterscheiden. Der Film veranschaulicht eine Erzählung, die zugleich als Mittel der Einschüchterung und Provokation dient.
Der Schauspieler muss darstellen, was diese Erzählung dem Publikum vor Augen führt, während die Struktur Fragen zur Glaubwürdigkeit des Erzählers offenhält. Die körperliche Intensität der Darstellung löst diese Unsicherheit nicht von selbst auf. Eine Szene kann konkret und verstörend wirken, ohne dass damit automatisch alle Behauptungen des Erzählers bewiesen wären, nur weil der Schnitt sie in Bilder umgesetzt hat.
Diese Aufgabe unterscheidet sich von der einer Figur, die in die gemeinsame Gegenwart aller Hauptfiguren tritt. Stark erscheint in einem Spannungsfeld aus Erinnerung, möglicher Erfindung und verbaler Gewalt. Seine Darstellung muss dieser Konstruktion Gestalt geben, nicht von außen erklären, was die endgültige Antwort auf die Mehrdeutigkeit ist.
Der Vergleich von Horsley und Stark macht verschiedene Funktionen von Nebenrollen sichtbar: Autorität etablieren, alltägliche Arbeit zeigen, einer Reise Kontinuität verleihen oder eine umstrittene Erzählung verkörpern. Um ihre Bedeutung zu erkennen, muss man keinen einheitlichen Karriereaufstieg erfinden. Ihre Rückkehr bereichert den Western, weil ihnen jeder Film präzise Aufgaben zuweist und die Schauspieler diese innerhalb der ihnen eingeräumten Zeit verständlich machen.
Zurück zu wiederkehrende Schauspieler bei Tarantino.
