Eli Roth wirkt in diesen Filmen als Schauspieler mit, doch seine berufliche Beziehung zu Tarantino umfasst auch andere Aufgaben hinter der Kamera.
Ein Filmemacher, der sich von einem anderen inszenieren lässt
Eli Roth ist in Death Proof als Dov und in Inglourious Basterds als Sergeant Donny Donowitz zu sehen. Der Wechsel zwischen den beiden Rollen ist beträchtlich: Aus einem Auftritt im geselligen Umfeld einer Bar wird später die prägnante Präsenz eines bewaffneten Trupps. Ein gemeinsamer Regisseur bedeutet nicht, dass man dieselbe Arbeit wiederholt oder die öffentliche Persönlichkeit des Filmemachers unverändert auf die Figur überträgt.
Roth hatte bereits eine Karriere als Horrorfilmregisseur, als er bei Death Proof mitwirkte. In Interviews zu Inglourious Basterds erinnerte er sich daran, dass Tarantino ihn zum Schauspielern in diesem Film ermutigte, während er Hostel: Part II vorbereitete. Dieser Umstand verdeutlicht die berufliche Verbindung, ohne Roths Auftritt als zufällige Entdeckung eines Außenstehenden zu präsentieren.
Für einen anderen Regisseur zu spielen bedeutet, eine andere Position einzunehmen. Der Darsteller reagiert auf den Raum, das Timing und die Kollegen, die die Inszenierung zusammenführt. Seine Kenntnisse der Regie können ihm helfen, die Arbeit zu verstehen, verleihen ihm aber nicht automatisch die Kontrolle über den Film. Auf der Leinwand sehen wir eine Darstellung innerhalb eines Ensembles, keine Ablösung Tarantinos durch Roth.
Bei dieser Zusammenarbeit müssen auch die Credits auseinandergehalten werden. Tarantino war als Produzent an Filmen beteiligt, bei denen Roth Regie führte; dadurch werden diese Werke jedoch nicht zu Filmen unter Tarantinos Regie. Die Zusammenarbeit erstreckt sich auf unterschiedliche Funktionen. Diese Unterscheidung ermöglicht eine genauere Würdigung von Roths Leistung, wenn er als Schauspieler auftritt.
Dov und Donny erfordern unterschiedliche Präsenz
In Death Proof gehört Dov zu der Gruppe von Männern, die mit den Protagonistinnen die Atmosphäre der Bar teilen. Seine Rolle ist Teil von Gesprächen, Anspielungen und kleinen sozialen Aushandlungen. Mit seiner Darstellung trägt Roth dazu bei, dass der Ort ein gemeinschaftliches Leben entfaltet, bevor Stuntman Mikes Bedrohung die Erzählung beherrscht.
Die Rolle braucht keine ausgearbeitete persönliche Geschichte. Roth arbeitet mit einer klar erkennbaren Haltung und damit, wie der Dialog zwischen mehreren Personen hin und her geht. Die Figur nimmt Raum ein und sucht Aufmerksamkeit, doch der Film verleiht ihr nicht die erzählerische Bedeutung seiner Protagonisten. So kann eine Nebenfigur konkret wirken, ohne dass jeder Auftritt in der Bar zu einem eigenen Nebenstrang wird.
In Inglourious Basterdsgeht Donny Donowitz ein Ruf voraus. Das Publikum erfährt etwas über ihn, bevor es ihn richtig zu Gesicht bekommt. Roth muss dieser Erwartung mit einer körperlichen Präsenz und einer Art des Wartens begegnen, die die Bedrohung glaubwürdig machen. Die Figur entsteht nicht allein durch das, was sie sagt, sondern auch durch die Zeit, die andere darauf verwenden, ihr Kommen zu erwarten.
Die Analyse von Donny Donowitz, dem Bärenjudenarbeitet seine Funktion innerhalb der Gruppe heraus. Als schauspielerische Leistung ist der Kontrast zwischen einschüchternder Stärke und der Schwierigkeit interessant, in einem anderen Umfeld unauffällig zu bleiben. Dieselbe Körperlichkeit, die dazu dient, Angst zu verbreiten, kann in einer Situation, in der man nicht auffallen darf, allzu sichtbar werden.
Roth spielt die Rolle nicht durchgehend mit derselben brutalen Note. Der Film lässt ihn Teil einer Einheit sein, einem Plan folgen und an Momenten komischer Spannung mitwirken. Je nach Situation passt er die Wirkung seiner Darstellung an. Die Gestalt, die riesig erscheint, wenn andere von ihr sprechen, kann auch der Unbeholfenheit einer sozialen Begegnung ausgesetzt sein, auf die sie nicht vorbereitet ist.
Stolz der Nation und die Zusammenarbeit am Film
Roth führte bei Material für Stolz der Nation Regie, dem Propagandafilm, den die Figuren in Inglourious Basterds sehen. Das ist ein tatsächlicher Produktionscredit und muss von Donnys Rolle unterschieden werden. Innerhalb der Fiktion ist die Figur nicht der Regisseur des gezeigten Films. Diese doppelte Beteiligung gehört zu zwei unterschiedlichen Ebenen der Filmarbeit.
Der Fall von Stolz der Nationzeigt eine konkretere Zusammenarbeit als die allgemeine Vorstellung zweier Freunde, die einander Hommagen erweisen. Tarantino brauchte Bilder mit einer klaren Funktion innerhalb seiner Erzählung, und Roth drehte dieses Material unter diesen Vorgaben. Der Film im Film musste als Propagandakino erkennbar sein und sich zugleich in die Montage einfügen, mit der der Hauptfilm die Reaktionen seiner Zuschauer inszeniert.
Aus dieser Erfahrung lässt sich weder ableiten, dass Roth bei Inglourious Basterds Regie führte, noch lassen sich ihm informell sämtliche kreativen Entscheidungen zuschreiben. Donny ist auch kein Selbstporträt des Filmemachers. Die Trennung der beiden Aufgaben verhindert, dass der Bekanntheitsgrad des Regisseurs die schauspielerische Leistung verdeckt, und macht einen konkreten Auftrag hinter der Kamera sichtbar.
Auch die Reaktionen anderer Figuren prägen Donnys Einführung. Roth muss die gesamte Bedrohung nicht allein erzeugen: Er tritt in eine Erwartung hinein, die Dialog, Raum und Warten bereits vorbereitet haben.
Beide Filme erweitern letztlich Roths schauspielerischen Spielraum: von einer kurzen sozialen Präsenz hin zu einer Figur, deren Auftritt, Körper und Ruf Teil der Erzählstruktur sind. Dass er auch Regisseur ist, macht die Zusammenarbeit interessant, doch die Wirkung dieser Rollen beruht auf konkreten schauspielerischen Aufgaben: zuhören, einen Platz einnehmen, eine Erwartung aufrechterhalten und die Intensität auf die Mitspieler und die Montage abstimmen.
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