Once Upon a Time in Hollywood erhielt zehn Nominierungen und gewann 2020 zwei Oscars. Brad Pitt bekam seinen ersten Oscar für eine schauspielerische Leistung, während Barbara Ling und Nancy Haigh für die Gestaltung der Filmwelt ausgezeichnet wurden.
Zwei Siege bei zehn Nominierungen
Once Upon a Time in Hollywood gewann bei der Verleihung am 9. Februar 2020 die Oscars für den besten Nebendarsteller und das beste Produktionsdesign. Brad Pitt erhielt den ersten für seine Darstellung des Cliff Booth. Barbara Ling, die für das Produktionsdesign verantwortlich war, und Nancy Haigh, die für die Ausstattung der Kulissen zuständig war, teilten sich den zweiten. Der Film war in zehn Kategorien nominiert; deshalb müssen die beiden Siege von den übrigen Nominierungen unterschieden werden.
Zu den Nominierungen gehörten neben den beiden gewonnenen Kategorien auch bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller für Leonardo DiCaprio, bestes Originaldrehbuch, beste Kamera, bestes Kostümdesign, bester Tonschnitt und bester Tonmix. Die Nominierung als bester Film ging an die Produzenten David Heyman, Shannon McIntosh und Quentin Tarantino. Der Film gewann weder diesen Preis noch den für die beste Regie; diese gingen an Parasite und Bong Joon-ho.
Das Datum der Verleihung ändert nichts am Erscheinungsjahr des Films. Once Upon a Time in Hollywood kam 2019 in die Kinos und wurde bei der im folgenden Jahr stattfindenden Oscarverleihung ausgezeichnet. Auch Tonschnitt und Tonmix sollten nicht so zusammengefasst werden, als handle es sich um eine einzige Nominierung: Bei jener Verleihung waren sie noch getrennte Kategorien. Diese Unterscheidung beizubehalten, macht nachvollziehbar, warum sich die Gesamtzahl auf zehn beläuft.
Die Nominierungen spiegeln eine breite Präsenz innerhalb der Academy wider. Ausgezeichnet wurden das Drehbuch, die schauspielerischen Leistungen sowie verschiedene Aspekte der visuellen und akustischen Rekonstruktion. Diese Breite bedeutet weder, dass alle Sparten dasselbe am Film würdigten, noch, dass es für jede einzelne Stimme eine eindeutige Erklärung gibt. Die Ergebnisse dokumentieren die Auszeichnungen; auf dieser Grundlage lässt sich die Arbeit analysieren, ohne den Abstimmenden Motive zu unterstellen.
Brad Pitts erster Schauspiel-Oscar
Der Preis für Cliff Booth war Brad Pitts erster Oscar für eine schauspielerische Leistung, aber nicht sein erster Oscar überhaupt. Zuvor hatte er bereits als einer der Produzenten von 12 Years a Slave gewonnen, der 2014 als bester Film ausgezeichnet wurde. Diese Präzisierung bewahrt einen Teil seiner Laufbahn hinter der Kamera davor, in Vergessenheit zu geraten, und erklärt, warum Schlagzeilen über seinen ersten Sieg diese Einschränkung brauchen.
Cliff ist Stuntdouble und Gefährte von Rick Dalton. Seine Arbeit vereint körperliche Einsatzbereitschaft, berufliches Können und eine Loyalität, die über die Pflichten eines Vertrags hinausgeht. Pitt zeichnet eine scheinbar entspannte Präsenz: Cliff fährt, hört zu und löst Probleme mit einer Ökonomie der Gesten, die im Kontrast zu Ricks Nervosität steht. Der Unterschied zwischen den beiden sorgt dafür, dass viele Szenen ohne ausdrückliche Auseinandersetzung funktionieren.
Cliffs Ruhe birgt eine Bedrohung. Die Figur kann von aufmerksamer Beobachtung zu rascher Gewalt übergehen und behält dunkle Seiten, die der Film nicht vollständig aufklärt. Die Darstellung hält alltägliche Sympathie und diese Ungewissheit zugleich aufrecht. Der Preis für Pitt würdigt den Schauspieler, der diese Eigenschaften zusammenführt; er macht das Verhalten der Figur weder zu einem moralischen Vorbild noch bestätigt er eine bestimmte Deutung ihrer Vergangenheit.
Die Beziehung von Brad Pitt zu Tarantinoumfasst weitere Figuren und Ausdrucksformen, doch Cliff hat innerhalb von Once Upon a Time in Hollywood eine besondere Funktion: Er gibt jemandem Halt, der fürchtet, nicht mehr wahrgenommen zu werden. Sein Können bleibt in der dargestellten Branche oft unbeachtet. Dass die Darstellung mit einem Preis für eine Nebenrolle ausgezeichnet wurde, entfaltet einen interessanten Widerhall dieser Situation – auch wenn das eine kritische Lesart und keine offizielle Erklärung für die Auszeichnung ist.
Eine Stadt und das Leben ihrer Figuren nachbilden
Der Oscar für das Produktionsdesign würdigt eine Arbeit, die weit über das Platzieren alter Gegenstände hinausgeht. Der Film muss Los Angeles im Jahr 1969 als begehbaren Ort erscheinen lassen: Straßen, Schilder, Kinos, Geschäfte und Wohnhäuser müssen eine Umgebung bilden, in der sich die Figuren bewegen können. Die Glaubwürdigkeit hängt davon ab, wie diese Elemente zusammenwirken und sich je nach Stellung einer Person in der Branche verändern.
Ricks Haus erzählt von einer Karriere, die Komfort und berufliche Erinnerungsstücke hervorgebracht hat. Cliffs Wohnraum spiegelt eine andere wirtschaftliche Lage und ein Leben wider, das weniger durch Prestige geschützt ist. Die Filmsets fügen eine dritte Ebene hinzu: In der nachgebildeten Welt gibt es weitere Welten, die für die Kamera geschaffen wurden. Das Design muss sie unterscheidbar machen und zugleich zeigen, wie die Filmarbeit in den Alltag eindringt.
Die Zusammenarbeit von Ling und Haigh vereint die Konzeption dieser Räume mit ihrer wohnlichen Ausgestaltung. Ein Set kann korrekt gebaut sein und dennoch Möbel, Oberflächen und Gegenstände benötigen, die erklären, wer es nutzt. Solche Entscheidungen sorgen dafür, dass die Stadt nicht wie eine unbewegliche Ausstellung von Referenzen wirkt. Die Figuren essen, arbeiten, parken und warten in ihr.
Die beiden Siege verweisen damit auf ergänzende Dimensionen von Hollywood: eine menschliche Präsenz und die Umgebung, die sie trägt. Pitt verkörpert einen Arbeiter, dessen Selbstsicherheit im Kontrast zur Unsicherheit seiner Stellung steht; das materielle Design macht eine Branche und eine Stadt im Wandel sichtbar. Das Verhältnis von zehn Nominierungen zu zwei Auszeichnungen ordnet die institutionelle Anerkennung ein, ohne die Erfahrung zu ersetzen, diese Arbeiten in ihrem Zusammenspiel in den einzelnen Szenen zu beobachten.
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