Yuki Yubari kommt in den 2003 und 2004 veröffentlichten Kinofassungen von Kill Bill nicht vor. Ihre in einem Drehbuchentwurf erhaltene Geschichte wurde als animierte Umsetzung angekündigt und 2025 veröffentlicht.
Gogos Schwester und die Umkehr der Rache
Yuki Yubari stammt aus einer Version des Projekts Kill Bill, die ein eigenes Kapitel über ihre Vergeltung an Beatrix vorsah. Ihre Verbindung zu Gogo erklärt den Antrieb der Figur: Die Protagonistin hat ein Familienmitglied getötet, und Yuki will darauf reagieren. Damit kehrt sich die Perspektive der Geschichte für einen Moment um. Die Frau, die jene verfolgt, die für ihr eigenes Leid verantwortlich sind, wird nun wegen des Leids verfolgt, das sie verursacht hat.
Diese Umkehr setzt nicht voraus, dass alle Handlungen moralisch gleichgesetzt werden. Gogo Yubarikämpft auf der Seite von O-Ren, und Beatrix stellt sich ihr unter ganz bestimmten Umständen entgegen. Yuki eröffnet eine andere emotionale Perspektive auf einen Todesfall. Für die Schwester ist die verlorene Person keine Nebenfigur in Beatrix’ Abenteuer. So könnte die Geschichte zeigen, dass Rache konkurrierende Erzählungen hervorbringt.
Im Drehbuchentwurf bleibt die Episode eine Abweichung vom Haupthandlungsstrang. Yuki gehört nicht zu den Zielen auf Beatrix’ Liste, weshalb ihr Auftritt eine scheinbar klare Richtung unterbricht. Beatrix müsste sich einer Folge ihrer Reise stellen, bevor sie mit den Namen fortfährt, die sie selbst verfolgt.
Diese Position ist wichtig, um zu verstehen, warum man das Kapitel nicht gedanklich an irgendeiner beliebigen Stelle einfügen sollte. In verschiedenen Drehbuchfassungen können Nummerierung und Reihenfolge von denen des fertigen Films abweichen. Eine beschriebene Seite belegt, dass es einen erzählerischen Vorschlag gab. Sie belegt weder, dass eine entsprechende Szene gedreht wurde, noch dass alle Einzelheiten in eine spätere Adaption übernommen wurden.
Was aus dem ursprünglichen Film gestrichen wurde
Die beiden ursprünglich veröffentlichten Teile enthalten Yuki nicht. Erklärungen für ihre Streichung brachten die Entscheidung mit der Länge und den Produktionsanforderungen in Verbindung. Diese Formulierung sollte beibehalten werden, statt eine Budgetsumme zu wiederholen, als wäre sie durch öffentlich zugängliche Abrechnungen belegt. Dass das Kapitel fehlt, lässt sich feststellen; die genauen Kosten einer nicht gedrehten Sequenz erfordern eine andere Art von Belegen.
Durch die Streichung verändert sich die Dramaturgie. Beatrix behält auf einem größeren Teil ihrer Reise die Initiative, und das Publikum muss sich nicht zusätzlich mit einer neuen Gegenspielerin befassen. Das bedeutet nicht, dass das Thema der Folgen vollständig verschwindet. Vielmehr blieb diese besondere Ausprägung des Themas außerhalb der veröffentlichten Filmstruktur.
Die Episode hätte auch Beatrix Kiddoin ein anderes Licht gerückt. Aus Yukis Sicht wird die Heldin einer Rachegeschichte zur Ursache eines Verlusts. Dieser Gegensatz stellt nicht infrage, was Beatrix erlitten hat. Er zeigt, wie ein und dieselbe Person in miteinander verflochtenen Geschichten unterschiedliche Rollen einnehmen kann.
Die Kapitelform hätte diese Möglichkeit begünstigt. Ein eigenständig betitelter Abschnitt kann den zentralen Handlungsverlauf unterbrechen und eine Zeit lang einen anderen Fokus setzen. Die Gliederung in Kapitel und Prologemacht solche Abweichungen möglich, doch jede davon beansprucht Leinwandzeit. Eine schlüssige Idee muss nicht zwangsläufig in einer ohnehin schon beträchtlich langen Schnittfassung erhalten bleiben.
Die Adaption von Yuki’s Revenge im Jahr 2025
Im November 2025 kündigte Epic Games offiziell The Lost Chapter: Yuki’s Revengean, eine Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino und Uma Thurman. Die Präsentation in Fortnite war für den 30. November angesetzt. In der Ankündigung wurden außerdem spätere Vorführungen im Rahmen von The Whole Bloody Affairin den USA, Kanada und dem Vereinigten Königreich ab dem 5. Dezember genannt.
Für diese Umsetzung kommen die Unreal Engine und mit Fortnite verbundene Modelle zum Einsatz. Es handelt sich um eine spätere Animationsproduktion, nicht um eine wiederentdeckte Realfilmrolle von den Dreharbeiten 2002 oder 2003. Dieser Unterschied verändert, wie Yukis Geschichte erzählt werden sollte: Sie ist nicht mehr nur eine aus einem Drehbuch bekannte Figur, wurde dadurch aber nicht nachträglich in die ursprünglichen Filmfassungen aufgenommen.
Außerdem muss man zwischen einer Adaption und einer unveränderten Wiederholung unterscheiden. Ein Jahrzehnte später realisiertes Projekt mit anderer Technologie und einer anderen Präsentationsform hat einen eigenen Entstehungsprozess. Um Unterschiede bei Handlung, Laufzeit oder Gestaltung festzustellen, muss man den entsprechenden Drehbuchentwurf mit dem veröffentlichten Werk vergleichen. Die Ähnlichkeit der Titel beweist nicht, dass beide Materialien vollständig übereinstimmen.
In der Lionsgate-Ausgabe von The Whole Bloody Affair wird Yuki’s Revengeals einer der enthaltenen Beiträge aufgeführt. Dieser Hinweis hilft dabei, die Produktion einzuordnen, sollte aber nicht mit dem in den Film integrierten Anime über O-Ren verwechselt werden. Es handelt sich um unterschiedliche Entwicklungen innerhalb desselben Werks, das im Laufe der Zeit erweitert wurde.
Anhand von Yukis Werdegang lässt sich präzise von einer Figur sprechen, die aus der ursprünglichen Kinofassung gestrichen und später in anderer Form wieder aufgegriffen wurde. Ihre dramatische Bedeutung liegt weiterhin in der Umkehr der Perspektive: Beatrix begegnet einer Rache, die nicht von ihr ausgeht. Der Medienwechsel fügt dieser Idee eine neue Etappe hinzu, ohne die Unterschiede zwischen Drehbuch, veröffentlichter Filmfassung und späterer Adaption zu verwischen.
Zurück zum Kill-Bill-Leitfaden.
