Gogo Yubari, gespielt von Chiaki Kuriyama, ist die junge Leibwächterin von O-Ren Ishii in Kill Bill: Vol. 1. Ihre Schuluniform und ihr provokantes Auftreten heben sie aus dem Gefolge hervor. Als Beatrix versucht, zu O-Ren vorzudringen, stellt sich Gogo ihr als Verteidigerin entgegen und macht aus diesem Vorstoß ein Duell mit einer ganz eigenen visuellen Dynamik.
Schon bei ihrer Einführung zeigt sich, dass die Figur bereit ist zu töten. Die Mischung aus Jugend, Selbstsicherheit und Gewalt lässt ihr Äußeres nicht auf ihr Verhalten schließen. Der Film bündelt diese Bedrohung in einer Figur mit kurzem Auftritt, die an ihrer Kleidung und einer großen Kugel an einer Kette zu erkennen ist.
Gogo greift in einen Konflikt ein, dessen Ursprung in der Vergangenheit von Beatrix und O-Ren liegt, doch ihre unmittelbare Aufgabe ist es, ihre Chefin zu schützen. Ihr Interesse als Figur entsteht aus dieser Position, Kuriyamas Darstellung und der Art, wie die Inszenierung ihre Herausforderung vorbereitet. Ihre Kleidung erinnert an eine Schülerin; über ein Leben außerhalb des kriminellen Umfelds erfährt man kaum etwas.
Gogo gehört zu O-Rens Leibwache in Tokio. Beatrix ist auf der Suche nach der Anführerin und muss sich denen stellen, die sie daran hindern, zu ihr zu gelangen. Damit hat die Leibwächterin innerhalb der Sequenz eine klare Funktion, ohne eine so ausführliche persönliche Geschichte zu benötigen wie die beiden ehemaligen Mitglieder des Trupps.
O-Rens Leibwächterin und ihre Einführung
Ihre Nähe zu O-Ren Ishii verortet sie in dem Kreis, der O-Rens Autorität schützt. Gogo kann eingreifen, während ihre Chefin dem Kampf fernbleibt. Die Organisation verteilt das Risiko: O-Rens Leute müssen eine Bedrohung aufhalten, die sich letztlich gegen sie selbst richtet.
Die kurze Szene in der Bar führt Gogo mit einer Provokation ein, die mit einem Mord endet. Wie schnell sie die Begegnung eskalieren lässt, macht deutlich, wie gefährlich es ist, sie zu unterschätzen. Ihre Gewalt zeigt sich noch vor Beatrix’ Ankunft. Daher ist das Publikum bereits gewarnt, wenn Gogo sich zum Kampf bereitmacht.
Die Figur spricht und verhält sich mit einer Selbstsicherheit, die im Kontrast zu unserem geringen Wissen über ihre Vergangenheit steht. Der Film charakterisiert sie durch unmittelbare Entscheidungen: wie sie auf jemanden reagiert, der sich ihr nähert, und wie sie die Position einnimmt, von der aus sie ihre Chefin verteidigen wird. Ihre Bedrohlichkeit lässt sich verstehen, ohne eine familiäre Erklärung oder eine Diagnose zu erfinden, die der Film nicht liefert.
Die Uniform und die Kugel an der Kette
Die Schuluniform weckt Assoziationen mit Jugend und einem geregelten Umfeld. Bei Gogo stehen diese Erwartungen neben einem Verhalten, das abrupt in Aggression umschlagen kann. Ihre Kleidung lässt diese Spannung auf den ersten Blick erkennen. Außerdem hebt sie sich damit von den maskierten Männern ab, die ebenfalls zu O-Rens Leibwache gehören.
Die große Kugel an einer Kette sorgt für eine andere Silhouette und Bewegung als ein Schwert. Ihre Größe und ihre Flugbahn nehmen sichtbar Raum ein, sodass die Bedrohung sowohl vom Gegenstand selbst als auch von der Distanz ausgeht, die er zurücklegen kann. Das Publikum muss etwas im Auge behalten, das sich auch nach der Bewegung der Person, die es in Schwung bringt, weiterbewegt.
Als Requisit macht sie eine besondere Herausforderung innerhalb der Action erkennbar. Der Film treibt dieses Design ins Übertriebene und zwingt Beatrix, auf eine Gefahr zu reagieren, deren Abstand sich ständig verändert. Der Kampf zwischen Beatrix und Gogoentwickelt dieses Wechselspiel zwischen den beiden Figuren und dem verfügbaren Raum, bis der Vorteil die Seiten wechselt.
Bei den BAFTA beschrieb Tarantino diesen Kampf als Versuch, japanischen Anime in eine Realverfilmung zu übertragen. Diese Aussage ordnet die Unverhältnismäßigkeit des Gegenstands als bewusste Ausdrucksentscheidung ein. Die Szene erschafft eine fantastische Bedrohung, die sich durch Form und Bewegung erschließt, ohne dass sie als Vorführung einer historischen Waffe funktionieren muss.
Chiaki Kuriyamas kurzer Auftritt
Kuriyama hatte bereits in Battle Royale mitgespielt, einem Film, der laut dem Interview von Metropolis zu ihrer Bekanntheit außerhalb Japans beitrug. Dieser Hintergrund sorgt dafür, dass ein Teil des Publikums die Schauspielerin bereits aus einer anderen Rolle kennt. In Gogo treffen Schuluniform und Gewalt erneut aufeinander, diesmal in O-Rens Welt.
Die Darstellung nutzt die Wartezeit vor dem Zusammenstoß. Eine Gegnerin, die selbstsicher bleibt, kann Beatrix dazu zwingen, die Lage abzuschätzen, bevor sie vorgeht. Gogo erhält innerhalb von des Kampfes im Haus der Blauen Blättereinen eigenen Auftritt, und diese Pause lässt ihre Bedrohung von derjenigen der Leibwache als Ganzes unterscheiden.
Ihr Tod beendet das Duell und bringt Beatrix ihrem Ziel näher, auch wenn sie noch weitere Hindernisse überwinden muss.
Im Interview mit Metropolis zeigte sich Kuriyama überrascht über die Briefe, die sie aus anderen Ländern erhielt, darunter auch von jungen Frauen, die sich wie Gogo kleideten. Diese Erinnerung vermittelt einen konkreten Eindruck davon, wie die Figur Verbreitung fand: Noch Jahre nach dem Kinostart konnte das Publikum sie erkennen und durch ihr Aussehen nachahmen.
Die Wiedererkennbarkeit beruht auf wenigen Elementen, die zusammenwirken. Uniform und Pony reichen aus, um Gogo auch außerhalb des Restaurants und ohne eine ganze Handlung nachzustellen, heraufzubeschwören. Diese visuelle Ökonomie ist für Kostüme und die Erinnerung des Publikums nützlich: Ein einzelnes Bild kann an eine Präsenz erinnern, die der Film klar umrissen hat.
Kuriyama erklärte außerdem, dass sie auch in anderen Genres gearbeitet habe, und schrieb Horrorfilmen eine besonders starke Wirkung auf das Publikum zu. Ihre Beobachtung macht verständlich, warum eine Rolle die Erinnerung an eine vielfältigere Karriere prägen kann. Die Briefe über Gogo verliehen dieser Anerkennung eine konkrete Form – durch ein Bild, das unter ihren Bewunderinnen weiterlebte.
