Beatrix gegen Gogo in Kill Bill: Distanz, Gefahr und Ausgang

Der Kampf zwischen Beatrix und Gogo Yubari stellt im Haus der Blauen Blätter ein besonderes Hindernis dar. O-Rens Leibwächterin, gespielt von Chiaki Kuriyama, setzt eine große Kugel an einer Kette ein, die die Distanz im Kampf verändert. Beatrix muss auf eine Bedrohung reagieren, deren Bahn über den Körper ihrer Gegnerin hinausreicht und auch die Möbel um sie herum treffen kann.

Der Kampf schränkt den Handlungsspielraum der Protagonistin immer weiter ein. Mit ihrem Schwert kann sie die Lage nicht dauerhaft kontrollieren, und der Kampf wird schließlich zum Kampf ums Überleben. Die Entscheidung bringt ein Gegenstand aus der Umgebung, nachdem Gogo sie in Lebensgefahr gebracht hat.

Die Sequenz verbindet die für Actionfilme typische Überzeichnung mit einer leicht nachvollziehbaren Schwierigkeit: sich jemandem zu nähern, der einen größeren Raum beherrscht. Bewegungen, Treffer und Pausen machen die wechselnden Vorteile sichtbar. Gogos Tod beendet diese Einzelprüfung und ebnet den Weg für die weitere Konfrontation mit O-Ren.

Zu Beginn des Aufeinandertreffens ist der Abstand zwischen den Kämpferinnen deutlich zu erkennen. Gogo kann ihre Waffe vorführen, noch bevor Beatrix an sie herankommt. So wird das räumliche Problem deutlich, das den Kampf bestimmen wird: Der verfügbare Abstand kommt den beiden Gegnerinnen auf unterschiedliche Weise zugute.

Eine Bedrohung, die den Raum zwischen den Körpern einnimmt

Die Kugel an der Kette verlängert Gogos Bewegungen Gogo Yubari und zwingt dazu, die gesamte Flugbahn des Gegenstands im Blick zu behalten. Eine Bewegung kann auch in einiger Entfernung von der Person, die sie ausführt, zur Gefahr werden. Der Blick des Zuschauers wandert zwischen der Leibwächterin, der noch immer schwingenden Waffe und Beatrix' Position hin und her.

Der Unterschied zum Schwert wird zu einer Frage des Timings. Die Protagonistin muss eine Gelegenheit zum Vorrücken finden und gleichzeitig auf das reagieren, was auf sie zukommt. Auch bei wenigen Figuren im Bild kann sich eine Schwierigkeit über den gesamten Kampf hinwegziehen. Jede neue Bahn des Gegenstands macht erneut deutlich, wie gefährlich es ist, sich am falschen Ort aufzuhalten.

An den Möbeln werden die Wucht der Treffer und ihre Wirkung sichtbar. Die Tische und andere Gegenstände, die Schläge abbekommen, vermitteln innerhalb der Filmwelt einen Eindruck von Größe und Widerstandskraft. Zugleich begrenzen sie Beatrix' Bewegungsfreiheit. Das Restaurant ist nicht länger bloße Kulisse, sondern trägt dazu bei, wie schwer es ist, außerhalb von Gogos unmittelbarer Reichweite zu bleiben.

Beatrix' Initiative wird zum Überlebenskampf

Beatrix war gekommen, um O-Ren zu erreichen. Während dieses Kampfes muss diese Absicht einem unmittelbareren Bedürfnis weichen: der Gegnerin vor ihr standzuhalten. Dadurch verändert sich die Bedeutung ihrer Bewegungen. Um das übergeordnete Ziel zu erreichen, muss sie zunächst eine Situation bewältigen, in der die Verteidigerin ihr die Bedingungen diktiert.

Maria Lewis weist in ihrer Analyse für das ACMI-Museum darauf hin, wie Gogo die Protagonistin dazu zwingt, aus einer defensiven Position heraus zu reagieren. Dieser Blickwinkel macht deutlich, wie sehr der Kampf Beatrix Kiddounter Druck setzt – selbst in einem Film, der sie bereits als außergewöhnliche Kämpferin gezeigt hat.

Als die Kette sie am Hals festhält, hängt die Gefahr nicht mehr nur von dem Abstand zwischen den Frauen ab. Sie rückt dem Körper näher und lässt immer weniger Spielraum für weitere Angriffe. Das Tempo wird drängender, denn die Protagonistin kann sich nicht mehr so frei bewegen wie zu Beginn des Aufeinandertreffens.

Wie lange dieser Nachteil anhält, ist wichtig. Bevor der Zuschauer den Ausweg erkennt, muss er die Schwierigkeit spüren. Beatrix' Können zeigt sich weiterhin in ihrer Reaktionsfähigkeit, doch die Sequenz macht auch die Anstrengung einer Kämpferin sichtbar, die verlieren kann. Diese Verletzlichkeit verleiht dem Ende des Kampfes Gewicht.

Der Gegenstand aus der Umgebung und das Ende des Kampfes

Beatrix nutzt ein mit Nägeln besetztes Holzstück aus der Einrichtung, um Gogo zu töten. Der Film macht einen Überrest der Kulisse zum Teil der Entscheidung. Der Gegenstand verbindet die im Raum angerichteten Schäden mit der Lösung eines Problems, das sich mit dem Schwert allein nicht hatte bewältigen lassen.

Der Tod der Leibwächterin beendet die Bewegung, die die Szene bestimmt hat. Nachdem der Zuschauer einer Bedrohung über weite Distanzen gefolgt ist, sieht er nun das Ergebnis eines direkten und abrupten Schlagabtauschs. Der abrupte Wechsel lenkt die Aufmerksamkeit auf Gogos Sturz und macht deutlich, dass dieser Kampf vorbei ist.

In seinem Gespräch mit der BAFTA brachte Tarantino den Kampf mit japanischem Anime in Verbindung. Die Größe der Waffe und die Schnelligkeit, mit der sich die Situation verändert, passen zu diesem Hang zur Überzeichnung. Yuen Woo-pings Arbeit als Action-Choreografträgt dazu bei, diese Art von Kampf mit gefilmten Körpern und Räumen umzusetzen.

Innerhalb der Schlacht im Haus der Blauen Blätter hat Gogos Kampf eine eigene Identität: Die Gefahr konzentriert sich auf eine Gegnerin und einen schwer zu überwindenden Abstand. Danach geht die Jagd weiter, auch wenn Beatrix' Anstrengung bereits sichtbar geworden ist, bevor sie sich dem kollektiven Widerstand stellen muss, der noch auf sie wartet.

Im Gespräch mit der BAFTA erinnerte sich Tarantino daran, Chiaki Kuriyama bei den Vorbereitungen für ihre Mitwirkung im Film die Hubschraubersequenz aus Apocalypse Now gezeigt zu haben. Damit vermittelte er den Anspruch an das Spektakel, das er im Haus der Blauen Blätter schaffen wollte. Die Schauspielerin konnte so ihren Part in einem Actionkonzept einordnen, das weit mehr als einen einzelnen Schlagabtausch umfasste.

Eine solche Referenz regt dazu an, das Verhältnis zwischen dem einzelnen Teil und dem Ganzen zu betrachten. Die Gefahr, die sich auf eine Gegnerin konzentriert, muss in eine längere Sequenz mit wechselndem Tempo und unterschiedlichem Maßstab passen. Damit jeder Kampf seine Wirkung behält, muss er eine Schwierigkeit bieten, die das Publikum erkennen kann, bevor es zum nächsten übergeht.

In diesem Zusammenhang bedeutet die Vorbereitung einer Schauspielerin auch, zu verstehen, was die Kamera von ihrer Präsenz erwartet. Die Handlung muss für diejenigen klar bleiben, die sie aus wechselnden Blickwinkeln beobachten. Das Zusammenspiel zwischen der Präsenz der Figur und der Perspektive sorgt dafür, dass eine kurze Rolle ihren klar umrissenen Platz im Spektakel einnimmt.