Zed und Maynard machen aus einem ungeplanten Zwischenstopp eine Gefangenschaft. In Pulp Fiction kommen Butch und Marsellus nach einer Schlägerei in einem Pfandhaus an; der Besitzer Maynard nutzt ihre Anwesenheit aus und benachrichtigt Zed. Duane Whitaker spielt den Mann, der das Geschäft kontrolliert, Peter Greene den Neuankömmling, der beginnt, Entscheidungen über die Gefangenen zu treffen. Ihre Verbindung zeigt sich daran, wie selbstverständlich sie miteinander sprechen, Aufgaben verteilen und davon ausgehen, über die Eingesperrten verfügen zu können.
Der Film zeichnet die beiden vor allem durch ihr Verhalten. Maynard beruft sich auf seine Autorität als Geschäftsinhaber, während Zed eine beunruhigende Ruhe in die Situation bringt. Beide beteiligen sich an der Unterwerfung von Marsellus, der sexuell missbraucht wird. Die Bedrohung entsteht durch ihr Zusammenspiel und den Gegensatz zwischen ihren alltäglichen Anliegen und dem Schaden, den sie anrichten. Am Ende verlieren sie die Kontrolle: Maynard stirbt, und Zed bleibt verletzt zurück – noch am Leben, als Butch den Keller verlässt. Ihre jeweiligen Rollen innerhalb des Duos machen verständlich, warum sie schon vor dem Übergriff gefährlich wirken.
Die Begegnung mit den beiden Männern geht auf die Verfolgung von Butch und Marsellus zurück. Maynard trifft in seinem Geschäft auf eine Schlägerei und macht aus diesem Eindringen eine Gelegenheit für sich und Zed. Damit wechseln sowohl die Verantwortlichen als auch der Zweck der Gewalt: Der Konflikt, der die Protagonisten dorthin geführt hat, tritt vorübergehend in den Hintergrund, während ihre Entführer entscheiden, was sie mit ihnen tun wollen.
Maynard gibt in dem Laden die Regeln vor
Maynard ergreift im Pfandhaus die Initiative. Mit einer Waffe beendet er die Auseinandersetzung, hält die beiden Männer fest und ruft Zed. In der Szene im Pfandhaus macht dieser Anruf seine Rolle deutlich: Der Besitzer hat die Situation unter Kontrolle und will den anderen Mann hinzuziehen. Pulp Fiction (Quentin Tarantino, 1994) zeigt somit, dass Maynard seine Entscheidung trifft, bevor sein Partner ihm überhaupt einen Befehl erteilen könnte. Für die Gefangenschaft trägt er selbst die Verantwortung.
Auch seine Art, über das Geschäft zu sprechen, charakterisiert ihn. Er schreibt sich und Zed die Macht zu, darüber zu entscheiden, wer dort Gewalt ausüben darf. In seiner Darstellung wird aus dem Besitz des Ladens ein Recht über die Körper anderer Menschen. Beunruhigend ist, wie selbstverständlich er eine häusliche oder geschäftliche Regel zu einer Todesdrohung ausweitet. Maynard behandelt den Ort als Eigentum, zu dem auch die darin gefangenen Menschen gehören.
Das Geschäft ist weiterhin mit der Straße verbunden: Es hat einen Eingang, an den Zed klopfen kann, und im Verkaufsraum liegen Waren aus. Hinter diesem vertrauten Anschein kontrolliert Maynard auch einen abgelegenen Bereich. Dass der Ort beide Funktionen erfüllt, lässt die Gefahr aus dem Alltag erwachsen. Für die Gefangenen besteht das unmittelbare Problem darin, dass ausgerechnet der Mann, der für das Geschehen im Laden verantwortlich sein sollte, ihre Unterwerfung organisiert.
Zeds Ankunft und die Aufteilung der Entscheidungen
Die abschließende Kontinuitätsliste von Words in Pictures vom 25. Juli 1994 bezeichnet Zed als Maynards Bruder und beschreibt seine Kleidung als Uniform eines Sicherheitsbeamten. Eine Zugehörigkeit zur Polizei wird ihm nicht zugeschrieben. In dieser Sequenz leitet sich seine Autorität aus seiner Beziehung zu Maynard ab: Er kommt als jemand, den man erwartet hat, und seine Wünsche werden erfüllt.
Zed erkundigt sich nach dem Zustand der Gefangenen, weil er geglaubt hatte, Maynard würde auf ihn warten. Dieser antwortet, die beiden seien bereits kämpfend angekommen. In diesem Austausch zeigt sich eine verstörende Vertrautheit: Die Männer sprechen darüber, wie die Gefangennahme abgelaufen ist, während die beiden Opfer dabei sind. Zeds Einwand bezieht sich auf seinen Anteil am Geschehen. Seine Sorge um die erlittenen Schläge geht mit keiner Geste einher, die den Gefangenen helfen würde.
Schon bald zeigt sich ein anderes Anliegen: Zed will wissen, ob sein Motorrad Grace draußen ordentlich geparkt ist. Die beiden klären die Frage kurz und sachlich. Dieses Detail lässt ihr gewöhnliches Leben mitten in der Gefangenschaft weiterlaufen. Für sie ist Zeit, eine Angelegenheit mit dem Fahrzeug zu regeln; für Butch und Marsellus ist dieselbe Zeitspanne Teil eines bedrohlichen Wartens. Ihre Gelassenheit wirkt besonders grausam, weil sich die Entführer solche Ablenkungen erlauben können.
Zed verlangt, dass sie den Gimp herausholen, und Maynard kümmert sich darum. Später fragt Maynard, welchen Gefangenen sie zuerst auswählen wollen; Zed entscheidet per Auswahlspiel. An den Befehlen und Rückfragen wird ihre konkrete Zusammenarbeit sichtbar. Der Gimp, der an einer Leine geführt wird und Anweisungen befolgen muss, nimmt innerhalb der Gruppe eine andere Position ein. Da er unter Kontrolle steht, lässt er sich nicht ohne Weiteres als dritter Gefährte mit derselben Freiheit wie die beiden anderen betrachten.
Der Verlust der Kontrolle
Der Übergriff auf Marsellus bestätigt das Zusammenwirken des Duos: Zed verübt ihn, und Maynard feuert ihn dabei an. Bis dahin hatten sie über die Zeit, den Raum und die Bewegungen ihrer Opfer bestimmt. Butchs Rückkehr bringt einen Willen ins Spiel, der sich ihren Entscheidungen nicht mehr unterordnet. Seine Reaktion zwingt die Entführer, die Bequemlichkeit aufzugeben, mit der sie bis dahin vorgegangen sind.
Maynards Tod und Marsellus’ Schuss auf Zed beenden ihre Herrschaft. Um Zeds Schicksal zu beschreiben, lohnt sich ein Blick auf seinen letzten Auftritt: Er liegt verletzt am Boden und lebt noch, während Marsellus Vergeltung ankündigt. Der spätere Satz, den Butch während seiner Abreise mit Fabienne sagt, gehört zu einem anderen Abschnitt der Handlung; der Film zeigt Zeds Hinrichtung nicht.
Das Duo hatte sich verhalten, als reiche es aus, zwei Menschen einzusperren, um sie auszulöschen. Die Flucht und Butchs Rückkehr zeigen die Grenzen dieser Selbstsicherheit. Ihre Wirkung als Gegenspieler liegt in dieser kurzen gemeinsamen Machtphase: Jeder findet im anderen sofortige Unterstützung, die Gewalt erleichtert – bis die Opfer wieder handlungsfähig werden.
Peter Greene und Duane Whitaker unterscheiden die Figuren durch ihr Verhältnis zum Warten. Maynard ist damit beschäftigt, Zeds Ankunft zu erwarten, ihm zu erklären, was geschehen ist, und auf seine Wünsche einzugehen. Zed kann sich hinsetzen, nach seinem Fahrzeug fragen und entscheiden, wann es weitergeht. Durch diese Aufteilung von Aktivität und Ruhe lässt sich die Rolle jedes Einzelnen erkennen, ohne dass ihre Verbindung zuvor erklärt werden muss. Greenes später Auftritt greift außerdem eine Erwartung auf, die Whitaker geweckt hat: Zeds Name ist bereits gefallen, bevor der Mann in den Keller hinunterkommt.
Butchs Perspektive verstärkt diesen Eindruck. Der Boxer begegnet den beiden unter Zwang, während ihre Gespräche unmittelbare Folgen für ihn haben. Das Publikum erhält dieselben bruchstückhaften Informationen: eine Antwort, eine Rückfrage, einen Befehl. Die Darsteller machen das Vertrauen zwischen den Entführern durch solche Wortwechsel verständlich. Ihre Vertrautheit wird schnell deutlich, weil sie über die Gefangenen sprechen, als sei für beide klar, worum es geht.
