Rick Daltons Kostüm: Das Image eines Stars bewahren

Rick Daltons Kleidung bewahrt die Vorstellung eines männlichen Stars, die 1969 zunehmend an Bedeutung verliert. Arianne Phillips kombiniert sorgfältig ausgewählte Kleidungsstücke mit auffälligen Accessoires, um einen Schauspieler zu zeigen, der sich noch immer nach dem Image kleidet, mit dem er gelernt hat, erfolgreich zu sein.

Eine Garderobe, die an frühere Erfolge erinnert

Rick Dalton trägt Lederjacken und Rollkragenpullover; seine Farbpalette wird von Braun-, Gelb- und Goldtönen bestimmt. Die Kombination erzeugt ein gepflegtes Erscheinungsbild, das sich von Cliffs legerer Kleidung und der jugendlichen Vielfalt auf den Straßen abhebt. An seiner Garderobe lässt sich ein beständiger persönlicher Geschmack erkennen, selbst wenn die Figur im Laufe des Tages den Ort oder die Stimmung wechselt.

Verantwortlich für die Kostüme ist Arianne Phillips, die 1969 als eine Zeit verstand, in der verschiedene Stile und Generationen nebeneinander existierten. Diese Perspektive ist für Rick besonders hilfreich. Seine Kleidung muss weder lächerlich noch völlig überholt wirken, um zu zeigen, dass er an einer bestimmten Vorstellung von sich selbst festhält. Es genügt, sie neben andere Kleidungsstile zu stellen und zu beobachten, wie er seine kontrollierte Präsenz wahrt, obwohl er fürchtet, die Branche könnte seinen Wert nicht länger erkennen.

Die Cowboystiefel führen diese Verbindung zur beruflichen Vergangenheit fort. Rick hatte seinen Ruhm mit Fernseh-Western begründet und trägt Elemente dieser Identität auch außerhalb des Sets weiter. Das bedeutet nicht, dass er ständig wie seine frühere Figur verkleidet ist. Alltagskleidung kann Gewohnheiten aufnehmen, die sich über Jahre entwickelt haben, und sie zu einer Form persönlicher Kontinuität machen. Der Schauspieler trägt einen Teil des Images mit sich, das das Publikum mit seinem Gesicht zu verbinden gelernt hat.

Die Medaille und der auffällige Schmuck verleihen dem Ensemble einen Hauch von Prestige. Ihre Position auf der Kleidung lenkt den Blick auf den Oberkörper und trägt zu einer Männlichkeit bei, die auffallen möchte. Phillips bezeichnete die Medaille als ein für die Kostüme angefertigtes Stück des Designers Stuart England. Sie bringt Glanz und Eigenständigkeit in eine Garderobe aus relativ harmonisch abgestimmten Oberflächen und Farben. Ihre Herkunft aus der Produktion begründet keine religiöse oder familiäre Geschichte für Rick.

Der Körper kann dem Erscheinungsbild widersprechen

Die Kleidung zeigt Rick Dalton als einen Mann, der noch immer weiß, wie er sich in der Öffentlichkeit präsentiert, dessen Verhalten aber Unsicherheit erkennen lässt. Er kann eine elegante Jacke tragen und zugleich wegen eines Gesprächs über seine Karriere kurz vor dem Weinen stehen. Dieser Gegensatz macht die Darstellung umso ausdrucksstärker. Das Kostüm bewahrt die Gestalt des Stars, während Stimme, Haltung und Gesten zeigen, dass es Anstrengung kostet, dieses Image aufrechtzuerhalten – eine Anstrengung, die sich nicht mehr verbergen lässt.

Rollkragenpullover sorgen für eine kompakte, einprägsame Silhouette. Zusammen mit den Jacken rahmen sie Gesicht und Brust, ohne den Ausschnitt eines gewöhnlichen Hemdes. Das kann wie ein geschlossenes, sorgfältig gewähltes Auftreten wirken, auch wenn nicht jede Entscheidung einer ausdrücklich erklärten psychologischen Absicht der Kostümbildnerin zugeschrieben werden sollte. Die Wirkung entsteht aus dem Zusammenspiel des Kleidungsstücks mit der Art, wie DiCaprio die Figur verkörpert.

Zu Hause zeigt sich ein anderer Ton. Dort kann Rick entspannen, trinken und Dialoge einüben, ist aber weiterhin von Erinnerungsstücken an seine Karriere und seiner Vorstellung davon, was es heißt, Schauspieler zu sein, umgeben. Ein Kleidungswechsel löst ihn nicht automatisch von dieser Identität. Der Film zeigt, wie die Arbeit in die Erholung hineinreicht und berufliche Sorgen ihn sogar in Momenten begleiten, in denen er sich weder einem Regisseur noch einem Agenten präsentieren muss.

Dieses Zusammenspiel hilft, das Kostüm als Teil der Identität der Figur zu verstehen. Die Kleidungsstücke sorgen für Kontinuität, doch die Darstellung bringt Variationen ein, die verhindern, dass Rick auf eine Silhouette reduziert wird. Dieselbe Kleidung kann auf dem Weg irgendwohin selbstbewusst wirken und während eines Geständnisses verletzlich. Die Bedeutung entsteht aus dem Zusammenspiel von Kleidungsstück und Situation, nicht aus einem festen Wörterbuch, in dem jede Farbe stets für dieselbe Emotion steht.

Am Set muss Rick eine Verwandlung durchmachen, die er nicht kontrolliert

Beim Dreh von Lancer wird der Schauspieler mit einem Erscheinungsbild konfrontiert, das andere für eine bestimmte Rolle entworfen haben. Wanamaker schlägt einen Look vor, den Rick als fremd für seine gewohnte Identität empfindet. Frisur und Kleidung verändern sein Verhältnis zum Spiegel und zu der Erwartung, wie ein Star aussehen sollte. Die Vorbereitung auf die Rolle macht das Kostüm zu einem Teil einer beruflichen und emotionalen Auseinandersetzung, noch bevor die schwierige Aufnahme beginnt.

Der Film unterscheidet diese Kleidung für die Dreharbeiten außerdem von der Garderobe, die Rick in Bounty Law getragen hatte. Phillips erklärte, dass die Kleidungsstücke aus dem früheren Western auch für die Wiedergabe in Schwarz-Weiß entworfen wurden, sodass die Tonwertunterschiede in diesem Format erkennbar blieben. Die Kostümarbeit muss also mehreren Bildern innerhalb desselben Films gerecht werden: Ricks Alltag, seiner Fernseh-Vergangenheit und den Figuren, die er in der Gegenwart der Geschichte verkörpert.

Die Kameraarbeit trägt zu dieser Wirkung bei, denn Leder, Strick und Metall reagieren unterschiedlich auf Licht. Die warmen Töne der Garderobe können sich in Innenräume und Landschaften einfügen, ohne dass ihre Texturen verloren gehen. Dank der Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungen bleibt das Kostüm als Material präsent und dient nicht bloß als Aufzählung erkennbarer Kleidungsstücke aus den späten Sechzigern.

Nach der Rückkehr aus Italien ist eine sichtbare Veränderung zu erkennen: Rick trägt am Flughafen andere Frisuren, Farben und Accessoires. Phillips brachte diesen Wandel mit seiner Arbeitserfahrung in Europa in Verbindung. Die Figur hat eine neue Chance gefunden, und ihr Erscheinungsbild kann diese Erneuerung aufgreifen, auch wenn die Sorgen um die Zukunft bestehen bleiben. So behält Ricks Garderobe die Fähigkeit, sich mit ihm zu verändern.

Im Rahmen der Arbeit von Arianne Phillips mit Tarantino zeichnet Rick das besonders aufmerksame Porträt eines Mannes, der an einem bestimmten Image festhält. Seine Garderobe bewahrt den Ausdruck von Erfolg, Geschmack und Gewohnheit, während er versucht, sich an neue Bedingungen anzupassen. Die Jacken, Rollkragenpullover und die Medaille erklären seine Krise nicht von selbst, verleihen ihr aber eine sichtbare Form. Das Publikum sieht einen Mann, der noch immer für eine Stellung gekleidet ist, die er schon bald zu verlieren fürchtet.

Weitere Hintergründe finden Sie im Leitfaden zu Once Upon a Time in Hollywood.