Die Crazy 88 sind die Kämpfer, die O-Ren Ishii in Kill Bill: Vol. 1 beschützen. Ihre dunklen Anzüge und Masken schaffen eine gemeinsame Identität, während Johnny Mo, gespielt von Gordon Liu, innerhalb der Gruppe als klar erkennbarer Gegner auftritt. Beatrix muss diese Verteidigung überwinden, um zu ihrer früheren Weggefährtin zu gelangen, nach der sie sucht.
Der Name der Gruppe ist keine verlässliche Angabe zur Zahl der Beteiligten oder der Toten. Der Film vermittelt den Eindruck einer großen Streitmacht und zeigt, dass ihre Mitglieder unterschiedliche Schicksale haben. Dass die Gruppe besiegt wird, bedeutet auch nicht, dass alle ihre Mitglieder gestorben sind.
Ihre Funktion verbindet organisierte Kriminalität mit einem Kampfspektakel. Die Gruppe macht O-Rens Machtzuwachs in Tokio sichtbar; die einzelnen Auftritte sorgen für unterschiedliche Herausforderungen, denen sich Beatrix stellen muss. Johnny Mo verkörpert einen Teil dieses Widerstands und verbindet die Szene durch Gordon Liu mit einer Kampfkunstfilmkarriere, die bereits vor Tarantinos Filmen begann.
Die Identität der Crazy 88 beruht darauf, dass sie gemeinsam als Schutztruppe für dieselbe Chefin auftreten. Das Publikum erkennt ihre Zugehörigkeit, noch bevor es einzelne Mitglieder unterscheiden kann, denn Kleidung und Masken wiederholen ein gemeinsames Erscheinungsbild. Der Auftritt der Gruppe macht O-Rens Schutz zu einer sichtbaren Macht, die das Restaurant einnimmt.
Der Name und die Organisation, die O-Ren beschützt
Die Position, die O-Ren Ishii erreicht hat, stützt sich auf Menschen, die für sie kämpfen können. Die Crazy 88 ermöglichen es der Chefin, Abstand zur Bedrohung zu halten, und verlängern den Weg, den Beatrix zurücklegen muss. Ihre Präsenz macht aus einer Rache zwischen früheren Weggefährtinnen eine Auseinandersetzung mit der Struktur, die eine von ihnen aufgebaut hat.
Im zweiten Teil bezeichnet Bill die Zahl als Teil eines Namens, der wegen seiner Wirkung gewählt wurde. Diese Bemerkung spricht dagegen, sie wie eine verifizierte Liste zu behandeln. Auch die Restaurantszene zeigt keine Einzelzählung: Sie versammelt die Gegner, verteilt sie im Raum und lässt ihre Zahl durch die Handlung spürbar werden.
Diese Information aus dem Film unterscheidet sich von einer Idee, von der Tarantino Tomohiro Machiyama 2003 erzählte. Im Interview mit JAPATTACK stellte er sich eine Zusammensetzung aus 44 Chinesen und 44 Japanern vor, die mit O-Rens Herkunft zusammenhing. Er stellte klar, dass dieser Hintergrund im Film nicht erläutert wurde. Es handelt sich um eine Ausgestaltung des Regisseurs außerhalb der gezeigten Handlung.
Die Zugehörigkeit zur Gruppe hat auch eine räumliche Dimension. Im Haus der Blauen Blätter hält der Schutz O-Ren von allen fern, die sich ihr nähern wollen. Dieser Abstand muss durch das Eingreifen anderer gewahrt werden. Als die Verteidigung nachgibt, kann die Anführerin ihre Position nicht länger behaupten, ohne selbst zu kämpfen.
Anzüge und Masken: Die Gruppe erkennen, bevor man den Einzelnen erkennt
Im selben Interview stellte Tarantino einen Zusammenhang zwischen den schwarzen Anzügen und Reservoir Dogs sowie zwischen den Masken und Kato her. Die Kombination verbindet das Erscheinungsbild einer kriminellen Gruppe mit einer Anspielung auf den maskierten Helden. Die Kato-Masken der Crazy 88 machen diese visuelle Anleihe und ihre Verwandlung innerhalb von O-Rens Gefolge erkennbar.
Die wiederkehrende Kleidung hilft dabei, eine Szene mit vielen Beteiligten zu erfassen. Wer in diesem Erscheinungsbild auftritt, gehört zu der Truppe, die Beatrix aufzuhalten versucht. Die Zugehörigkeit lässt sich schon während einer kurzen Bewegung erkennen; dafür muss man weder einen Namen noch eine Vorgeschichte kennen. So sorgt die Inszenierung dafür, dass die Fronten schnell erkennbar sind.
Gleichzeitig verdeckt die Maske einen Teil des Gesichtsausdrucks und verleiht Körperhaltung und Bewegung mehr Gewicht. Ein Mitglied kann daran erkennbar sein, wie es sich der Protagonistin nähert, abwartet oder auf sie reagiert. Die Einheitlichkeit lässt kleine Unterschiede zu, sodass die Gruppe nicht wie eine völlig undifferenzierte Masse wirkt.
Außerdem haben die Beteiligten unterschiedliche Schicksale. Einige Gegner sterben, andere werden verletzt, und ein junger Mann wird gedemütigt und aus dem Kampf geschickt. Diese Unterschiede sind wichtig, um das Ende von dem Kampf gegen Johnny Mo und die Crazy 88 zu verstehen. Beatrix’ Sieg zerschlägt den organisierten Widerstand, legt aber keine eindeutige Zahl der Todesopfer fest.
Johnny Mo und Gordon Lius Auftritt
Johnny Mo führt die Kämpfer an und hat innerhalb der Schlacht einen eigenen Kampf. In seinem Interview mit Quint für Ain't It Cool News beschrieb Gordon Liu ihn als die maskierte Figur, die für die von Lucy Liu gespielte Anführerin arbeitet. Durch seine Rolle erhält die Gruppe ein individuelles Gesicht, dem sich Beatrix über längere Zeit stellen muss.
Die Besetzung verleiht der Rolle eine weitere Dimension. Gordon Liu hatte die Hauptrolle in The 36th Chamber of Shaolin gespielt und eine Karriere im Martial-Arts-Kino vorzuweisen. Wer den Schauspieler kennt, kann seinen Auftritt mit dieser Erfahrung verbinden. Aber auch wer ihn nicht kennt, kann anhand der Action einschätzen, wie schwierig Johnny Mo als Gegner ist.
Gordon Liu spielt im zweiten Teil außerdem Pai Mei. Es sind verschiedene Figuren mit unterschiedlichen Aufgaben in Beatrix’ Leben: Der eine versucht, sie aufzuhalten, der andere ist an ihrer Ausbildung beteiligt. Dass derselbe Schauspieler beide Rollen übernimmt, ist Teil der Besetzung; der Film stellt weder eine Verwandtschaft noch eine geheime Identität zwischen ihnen her.
Gordon Liu erzählte Quint, dass er bei den Vorbereitungen zu seinem Auftritt fragte, welche Art von Arbeit Tarantino gemeinsam mit Yuen Woo-ping von ihm erwartete. Der Schauspieler unterschied die jeweiligen Kampfkunstlaufbahnen der beiden und erinnerte sich daran, dass der Regisseur ihn ermutigte, vorzuführen, was er am besten konnte. Sein Bericht beschreibt eine Zusammenarbeit, die auf eine bereits ausgeprägte schauspielerische Erfahrung zurückgreifen sollte.
Diese Vereinbarung hilft dabei, über die Besetzung eines Actionfilms nachzudenken. Ein erfahrener Darsteller kann Bewegungen fließend verbinden und die körperliche Kontinuität vor der Kamera wahren. Eine Szene kann dies nutzen, um einen Schlagabtausch länger auszuspielen und dem Publikum die Reaktionen der beiden Figuren aufeinander zu vermitteln.
Die Maske stellt eine zusätzliche Herausforderung dar, weil sie das Gesicht weniger gut erkennen lässt. Die Präsenz des Schauspielers muss auch durch Rhythmus und klare Bewegungen spürbar werden. In einer Gruppe, die sich durch ein ähnliches Erscheinungsbild auszeichnet, bietet diese körperliche Kontinuität einen weiteren Weg, einen Auftritt individuell wirken zu lassen und im Gedächtnis zu verankern.
