Ozploitation und Tarantino: Das australische Kino zwischen Risiko und Exzess

Ozploitation umfasst einen Bereich des australischen Films, der Horror, Sex, Action und kommerzielle Provokation miteinander verband. Tarantino hat dazu beigetragen, ihm mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, doch seine Geschichte begann nicht erst mit der Anerkennung in Hollywood.

Eine vielfältige Strömung des australischen Kinos

Ozploitation ist eine Bezeichnung für das australische Exploitationkino, insbesondere für Produktionen aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Das Etikett vereint Filme, die mit dem Versprechen auf Wirkung vermarktet werden konnten: Geschwindigkeit, Gefahr, Erotik, Gewalt oder übernatürliche Phänomene. Es handelt sich weder um ein einheitliches Genre noch lässt sich daraus schließen, dass alle Regisseure mit denselben Mitteln oder Interessen arbeiteten.

Mad Max, Patrick und Turkey Shoot veranschaulichen diese Vielfalt. Der erste Film steht für Action und Straßen; der zweite entfaltet einen Horror um einen Krankenhauspatienten und außergewöhnliche Kräfte; der dritte erzählt von einer Menschenjagd in einer repressiven Fantasiewelt. Sie zusammenzufassen hilft, einen Produktions- und Rezeptionszusammenhang zu erkennen, macht ihre Handlungen und Bilder aber nicht gleichwertig.

Die Kategorie ermöglicht auch eine Auseinandersetzung mit einer nationalen Filmgeschichte, die mitunter Werke bevorzugt, die als kulturell respektabel gelten. Populäre Genrefilme können Informationen über Branchen, Publikum und Filmberufe bewahren, auch wenn sie von der Kritik unterschiedlich bewertet wurden. Sie wiederzuentdecken bedeutet nicht, sie pauschal zu Meisterwerken zu erklären; es reicht, ihnen die Aufmerksamkeit zu schenken, die es ermöglicht, ihre Leistungen, Grenzen und Arbeitsbedingungen zu unterscheiden.

Tarantinos Interesse ist Teil dieser Neubewertung, und zwar aus der Perspektive eines ausländischen Zuschauers. Seine Begeisterung verschafft den Filmen internationale Aufmerksamkeit, doch die australischen Schauspieler, Regisseure und Filmteams drehten sie lange bevor er öffentlich über sie sprach. Diese zeitliche Priorität muss gewahrt bleiben, damit der Bewunderer nicht als Erfinder der Tradition erscheint, die er bewundert.

Not Quite Hollywood macht diese Filmleidenschaft sichtbar

Not Quite Hollywood, Mark Hartleys Dokumentarfilm aus dem Jahr 2008, versammelt Filmausschnitte und Aussagen von Menschen, die mit diesem Kino verbunden sind. Tarantino tritt als Bewunderer und Kommentator auf. Das National Film and Sound Archive of Australia hebt seine Mitwirkung in einem Werk hervor, das Erinnerungen an die Produktion, unterschiedliche Bewertungen und eine große Vielfalt an Materialien verbindet.

Der Dokumentarfilm belegt einen konkreteren Zusammenhang als eine Liste von Einflüssen, die allein auf Ähnlichkeiten beruht. Tarantino spricht im Rahmen einer Untersuchung zu diesem Thema über das Kino und seine Filmschaffenden. Seine Präsenz bedeutet jedoch nicht, dass jeder erwähnte Titel eine bestimmte Szene in Kill Bill oder Death Proof inspiriert hat. Dafür wäre ein zusätzlicher Beleg nötig.

Hartley räumt den körperlichen Bedingungen der Action und den Risiken bestimmter Produktionen Raum ein. Die Anekdoten von Stuntleuten und Technikern gehören zur Erinnerung an diese Zeit. Sie sollten als Berichte aus einer bestimmten Perspektive gelesen werden, nicht als Empfehlung, gefährliche Methoden nachzuahmen. Die Bewunderung für ein filmisches Ergebnis verpflichtet nicht dazu, alle Praktiken zu idealisieren, mit denen es möglicherweise erzielt wurde.

Der Bezug zur Grindhouse-Kultur hilft zu verstehen, wie diese Filme über Australien hinaus Verbreitung fanden und ein Publikum erreichten. Ein Film konnte durch ein Double Feature, eine Heimvideoausgabe oder eine Empfehlung unter Fans ein neues Leben erhalten. Die Verbreitung verändert seine Rezeption, ohne den australischen Entstehungskontext auszulöschen.

Straßen und Körper: ein Vergleich mit Death Proof

Death Proof teilt mit einem Teil dieses Kinos das Interesse an körperlicher Action und daran, die Gefahr eines fahrenden Fahrzeugs spürbar zu machen. Die Straße bietet eine Fläche, auf der sich Geschwindigkeit mit Entfernung, Hindernissen und Verletzlichkeit verbinden lässt. Wenn die Landschaft am Fahrzeug vorbeizieht, wird eine Gefährdung messbar, die eine isolierte Nahaufnahme des Fahrers nicht auf dieselbe Weise vermitteln würde. Die Spannung wächst, wenn das Publikum versteht, welcher Körper gefährdet ist und wie viel Spielraum ihm zum Reagieren bleibt.

Die Geschichte von Death Proof schöpft auch aus US-amerikanischen Traditionen des Verfolgungsfilms und des Killerfilms. Es wäre daher ungenau, die Gestaltung ausschließlich mit Mad Max oder dem australischen Kino zu erklären. Der Vergleich beleuchtet ein gemeinsames Interesse an der Materialität der Action, doch der Spielfilm ordnet dieses Interesse in eine eigene Struktur ein.

Die Figur Zoë Bell unterstreicht das Interesse an einem Körper, der Stuntarbeit leisten kann. Ihre neuseeländische Herkunft macht sie jedoch nicht automatisch zur Vertreterin der australischen Filmindustrie. Die geografische Unterscheidung ist wichtig: Berufliche Gemeinsamkeiten und regionale Nähe sind nicht austauschbar mit gemeinsamer Identität. Der Film bringt Menschen und Bezüge aus verschiedenen Orten zusammen.

Die Bewunderung für George Miller und Mad Max ist ein konkreter Zusammenhang, der eine eigene Betrachtung verdient. In einer Auseinandersetzung mit Ozploitation sollte Mad Max nicht alle anderen Filme in den Schatten stellen. Der Horror von Patrick oder der Exzess von Turkey Shoot zeigen, dass die Kategorie auch Erzählrhythmen, Schauplätze und Bedrohungen umfasst, die nicht von einem Auto abhängen.

Tarantinos Beitrag zu dieser Erinnerung besteht darin, mit Begeisterung über die Filme zu sprechen und sie innerhalb seiner Referenzkultur weiterzuverbreiten. Eine präzise Analyse unterscheidet zwischen Zeugnis, Empfehlung und nachweisbarem Einfluss. So lässt sich eine echte Verwandtschaft mit dem australischen Genrekino anerkennen, ohne jede spätere Verfolgungsjagd zur Kopie zu erklären oder einem einzelnen Bewunderer die Wiederentdeckung einer ganzen Filmindustrie zuzuschreiben.

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